Können Experten bei der Festlegung von Planungsparametern wirklich helfen?
Blicken Sie auf die Erfahrungen aus dem Vorjahr zurück?
Controller haben zu Jahresbeginn ihre Hausaufgaben erledigt, die Planung für das Folgejahr ist längst verabschiedet, die daraus abzuleitenden Zielvorgaben an die verschiedenen Unternehmensbereiche liegen vor. Dabei sollte durchaus nochmal zurückgeblickt werden und ein Blick darauf geworfen werden, inwieweit sich die Vorstellungen von 2019 realisiert haben.
Ohne die individuellen Verhältnisse des einzelnen Lesers zu kennen, kann dennoch eine Einschätzung abgegeben werden: die meisten Prognosen lagen daneben. Paul Meehl zog 200 Studien heran, die bei Vorhersagen einfache Faustregeln und menschliches Experten gegenüber stellten. Die Spanne der Studien reichte von der Diagnose von Herzkrankheiten über das Rückfallrisiko von Strafgefangenen bis zu den Erfolgsaussichten junger Unternehmen. Die Ergebnisse sind eindeutig: in 60 Prozent der Fälle waren die Faustregeln treffgenauer, die anderen Vergleiche ergaben ein Unentschieden, was ebenfalls für die Faustregeln spricht, da diese meist kostengünstiger und schneller zu erhalten sind (Kahneman, S. 276).
Ein einfaches Beispiel: Die Preisentwicklung von Bordeauxweinen ist ein Thema, dass Experten und Liebhaber zu leidenschaftlichen Diskussionen anregt. Jedoch ist keine Prognose so zuverlässig wie die mittels dreier Wettervariablen (Kahneman, S. 277):
- der Durchschnittstemperatur der Wachstumsperiode,
- der Niederschlagsmenge zur Erntezeit und
- der Niederschlagsmenge im vorangegangen Winter.
Entwicklung der Wertpapiermärkte als Paradebeispiel
Besonders gut lässt sich Expertenleistungen auf Wertpapiermärkten beobachten. Es gibt eine Fülle von quantitativen Daten, die eine exakte Beurteilung der Qualität der Entscheidungen ermöglichen. Auch hier sind die Ergebnisse eindeutig. Schon die Umsätze sprechen eine eindeutige Sprache. Wären alle Informationen im Kurs eines Wertpapieres enthalten, gäbe es keinen Grund zu kaufen bzw. zu verkaufen. Dass dies dennoch in erheblichem Maße geschieht, liegt am Glauben, mehr zu wissen als die anderen Marktteilnehmer. Dabei ergibt eine Untersuchung von über 10.000 Wertpapierkonten über acht Jahre, dass sich verkaufte Aktien um 3,2 Prozent besser entwickeln als gekauft (Kahneman, S. 265). Ein Indiz, dass das Nichthandeln meistens die bessere Alternative ist. Fast unnötig zu erwähnen, dass Profis nicht besser abschneiden und die Korrelation zwischen Beratern und Anlageerfolg bei 0,1 als praktisch Null liegt (Kahneman, S. 267).
Insider profitieren nicht von zusätzlichem Wissen
Bestimmte Entwicklungen können Unternehmensangehörige besser als Dritte antizipieren, entsprechend kann man von einem Insiderwissen sprechen. Eine Ausprägung sollte bspw. sein, dass Finanzvorstände großer Unternehmen eine bessere Prognose der Kursentwicklung des eigenen Unternehmens abgeben könnten, als allgemeine Marktteilnehmer. Den Leser wird es an dieser Stelle nicht mehr erstaunen, dass dies nicht der Fall ist. Bedenklicher ist allerdings, dass auch das Ausmaß der Abweichungen deutlich unterschätzt wurde. So wurden Finanzvorstände um weitere Schätzungen gebeten: sie sollten einen Wert angeben, der ihrer Meinung nach mit 90-prozentiger Sicherheit zu hoch bzw. zu niedrig war. Die Spanne zwischen diesen Werten wird „80-Prozent-Konfidenzintervall“ genannt. Grundsätzlich dürfte es bei mehreren Schätzungen in 20 Prozent der Fälle zu Überraschungen kommen. Tatsächlich gab es in 67 Prozent der Fälle diese Überraschungen, dreimal häufiger als erwartet (Kahneman, S. 323).
Fazit: Im Zweifel die Vergangenheit fortschreiben
Bei Dingen die sich bewegen gibt es keine Experten.
Letztlich gilt die Aussage von Taleb in „Der schwarze Schwan“: „Bei Dingen, die sich bewegen, gibt es keine Experten“ (Taleb, S. 185). Die Umsetzung dieser schlichten Aussage ist deshalb so schwer, weil besagte Experten erfolgreich die Durchsetzung verhindern. Es wird eine Wissenschaft um die Wissenschaft gemacht.
Und der Rat für die Controller: im Zweifel die Vergangenheit schlicht fortschreiben.
Dass Vorhersagen nicht funktionieren können, wird in einem folgenden Artikel ausgeführt.
Literatur:
- Kahneman, Daniel: Schnelles Denken, langsames Denken, 2012.
- Taleb, Nassim Nicholas: Der Schwarze Schwan, 2010.
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