15.07.2013 | Serie Fachkonferenz Reporting 2013

Steuerung der Nachhaltigkeit - „Green Controlling“ beim Flughafen Stuttgart

Serienelemente
Reiner Koch auf der 8. Fachkonferenz Reporting.
Bild: Präsentation von Reiner Koch, FSD, auf der 8. Fachkonferenz Reporting

Die effektive Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien bedarf eines geeigneten Controllings. Bei der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) wird das Green Controlling deshalb stetig in die Systeme und Abläufe des Unternehmenscontrollings integriert. Reiner Koch berichtete über erste Erfahrungen.

Neue Anforderungen an die Steuerung des Flughafens
Der Flughafen Stuttgart agiert heute in einem Umfeld, in dem ökologische und soziale Interessen in besonderer Weise erfüllt werden müssen. Hierzu zählen bspw. die Interessen von Mitarbeitern, die politischen Interessen der beiden Eigentümer, sowie die Erwartungen und Interessen der Gesellschaft – speziell der Anwohner. Hinzu kommen steigende Rohstoffpreise sowie zunehmende gesetzliche Anforderungen. All diese Entwicklungen haben zu zahlreichen internen Initiativen zur Steigerung der Nachhaltigkeit der FSG geführt. Die drei Dimensionen Ökologie, Soziales und Ökonomie sind heute fester Bestandteil der FSG Werte und Ziele.

Auf der strategischen Ebene wurden bei der FSG unter dem Dach „fairport STR“ ein Kodex und ein Programm entwickelt, mit dem die Vision der FSG: „Wir wollen dauerhaft einer der leistungsstärksten und nachhaltigsten Flughäfen in Europa sein.“ erreicht werden soll. Hierzu zählt z. B. das Umweltprogramm der FSG, indem alle relevanten Maßnahmen zur Verminderung bzw. Kompensation von Emissionen, Abfällen und Schadstoffen gebündelt werden.

Controlling nimmt aktive Rolle im Green Controlling ein
Frühzeitig hat sich das Controlling der FSG mit den Konsequenzen der stärkeren strategischen Bedeutung der Nachhaltigkeit für die eigene Rolle auseinandergesetzt. In einem ersten Schritt wurde bei der FSG ein Leit- und Zielbild für das „Green Controlling“ erarbeitet, das Reiner Koch, Leiter Controlling und Systeme der FSG vorstellte. Das Controlling sieht sich demnach als zentrale Instanz für das Reporting ökologischer Daten und als Sicherer der Rationalität im Zusammenspiel von ökonomischen und ökologischen Zielen. Zur Wahrnehmung von Green-Controlling-Aufgaben wurde eine intensive Zusammenarbeit zwischen Controlling und Umweltmanagement vereinbart.

Abbildung eines Umweltinformationssystems im „Airport Navigator“ (SAP-BW)
Für eine „Standortbestimmung“ in Bezug auf die ökologische Leistung der FSG war es das erste Ziel, alle relevanten Informationen zunächst im zentralen SAP-BW System, dem Airport Navigator, verfügbar zu machen. Ein zunächst in Excel konzipiertes Umweltinformationssystem (UIS) wurde in diesem Zug auf Basis der ERP-Daten vergleichsweise schnell im BW-System umgesetzt. Das UIS teilt sich gedanklich in zwei Bereiche

  • Im ersten Teil werden die Ressourcen- und Energieverbräuche mengenmäßig je Emittent (z. B. Kostenstelle, technischer Platz oder externer Kunde) ausgewiesen und können dort differenziert analysiert werden.
  • Im zweiten Teil werden auf Basis der Verbrauchsdaten und definierter Umrechnungsfaktoren die Emissionen berechnet und über eigene Berichte zur Verfügung gestellt.

Da viele andere Controlling-Tools, z.B. MIS, Management-Cockpit, Profit Center Rechnung mit ausgebauter Kosten- und Leistungsrechnung, Verkehrsstatistik und Facility-Management, ebenfalls in SAP BW realisiert sind, können die Daten des UIS ohne großen Aufwand in diesen Instrumenten verwendet und miteinander in Beziehung gesetzt werden (s. Abb. 2 in der Bilderserie).

Carbon Management Accounting differenziert nach Kostenstellen und Dienstleistungen
Basierend auf den verfügbaren Informationen wurde im ersten Schritt ein Carbon Management Accounting etabliert. Im angeschlossenen Reportingsystem werden die Emissionen im SAP BW differenziert über die Aufbauorganisation für die Geschäftsbereiche, Abteilungen und Fachgebiete bis hin zur Kostenstelle einschließlich der dort zugeordneten Fahrzeuge, Geräte und Equipments ausgewiesen und allen Verantwortlichen bereitgestellt. Ein CO2-Fußabdruck kann somit nicht nur für die FSG gesamt ausgewiesen werden, sondern ohne großen Aufwand auch für verschiedene Organisationseinheiten. Das Resultat bilden neue CO2-Berichte, die vollkommen automatisiert erstellt werden können. In einem zukünftigen Ausbauschritt können die Emissionen auf Basis dieser Informationen auch auf die Dienstleistungen der FSG basierend auf Ist-Verbräuchen weiterverrechnet werden.

Investitionsrechnung um ökologische Kennzahlen erweitert
Ein zweiter Anwendungsfall ist die ökologische Investitionsbewertung. Die bislang überwiegend am Kapitalwert orientierte Bewertung wurde um spezifische ökologische Kennzahlen erweitert. Diese informieren über die Reduktionen der CO2-Emissionen sowie die Wirtschaftlichkeit dieser Reduktion im Vergleich zu anderen Maßnahmen. Zur Erhebung aller relevanten ökologischen Informationen wurden die bestehenden Templates und Prozesse angepasst, um eine integrierte Empfehlung für jede Investition abgeben zu können.

„Mit dem eingeschlagenen Weg in Richtung „Green Controlling“ sind wir einen logischen Schritt zur Erweiterung der Aufgaben des Controllings um Nachhaltigkeitsbestandteile gegangen. Die Integration der Nachhaltigkeit in die Strategie der FSG erfordert auch eine angemessene Berücksichtigung im Controlling“, so Rainer Koch. „Die Abbildung der Daten in den zentralen Controllingsystemen entspricht unserer Philosophie, alle relevanten Informationen aus einer Quelle zu berichten und hat den Aufbau eines parallelen Systems für Umweltinformationen vermieden. Im nächsten Schritt werden wir diesen Ansatz auch auf die sozialen Themen der Nachhaltigkeitsstrategie erweitern und weitere Anwendungsfälle erschließen“, so der Ausblick des Referenten auf die kommenden Aufgaben.

Das Unternehmen
Mit 9,7 Millionen Passagieren in 2012 konnte sich der Flughafen Stuttgart auf Platz sechs unter den deutschen Flughäfen behaupten und dabei ein Geschäftsergebnis in Höhe von 30 Mio. EUR erwirtschaften. Rund 55 Fluggesellschaften starten von hier zu 100 Zielen weltweit. In Baden-Württemberg kommt der FSG mit etwa 9.500 Mitarbeitern bei über 250 Firmen eine besondere Bedeutung als eine der größten Arbeitsstätten vor. Zu den Inhabern der FSG zählen das Land Baden-Württemberg mit 65 Prozent und die Stadt Stuttgart mit 35 %.

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Schlagworte zum Thema:  Reporting, Berichtswesen

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