30.08.2016 | Kartellverfahren wird noch teurer

Nach dem Bußgeld kommt der Schadenersatz

Immer mehr Schadenersatzansprüche rieseln auf das Zuckerkartell ein
Bild: Katharina Bregulla ⁄

Das hat sich nicht gelohnt für die Zuckerhersteller. Nach einer Bußgeldzahlung von 280 Mio. Euro wachsen die drohenden Schadenersatzzahlungen auf eine halbe Mrd. Euro.

Immer mehr Kunden verklagen die Zuckerhersteller Südzucker, Nordzucker sowie Pfeifer & Langen wegen verbotener Wettbewerbsabsprachen auf Schadenersatz.

Kartellverfahren wird noch teurer - nach dem Bußgeld kommt der Schadenersatz

Die 3 großen deutschen Zuckerhersteller hatten über viele Jahre Preise abgesprochen und Vertriebsgebiete aufgeteilt. 2014 waren sie deshalb vom Bundeskartellamt zur Zahlung von 280 Millionen Euro Bußgeld verpflichtet worden.

Die von Kunden geforderte Schadenersatzsumme könnte das Bußgeld des Kartellamts noch übersteigen. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es mehr als 35 Kläger, die insgesamt eine halbe Mrd. Euro fordern.

Allein am Landgericht Mannheim seien wegen der Zuckerkartellvorwürfe bisher mehr als 20 Klagen diverser Lebensmittelunternehmen anhängig, sagte ein Gerichtssprecher.

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Die Zahl der Schadenersatzklagen wächst stetig

Die Reihe großer Firmennamen, die Schadenersatz fordern, ist lang: Allein die Markenhersteller Bauer, Ehrmann und Zentis fordern vor dem Kölner Landgericht gemeinsam Schadenersatz in Höhe von fast 119 Millionen Euro. Der Printenhersteller Lambertz klagt auf 11,6 Millionen Euro.

Die Zuckerhersteller hatten bisher wenig Zahlungsbereitschaft signalisiert

Südzucker und Pfeifer & Langen waren am Mittwoch zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Auch Nordzucker wollte sich zu schwebenden Verfahren nicht äußern. Mit einer Vielzahl von Kunden habe man sich geeinigt, der Konzern bleibe grundsätzlich gesprächsbereit, teilte eine Sprecherin mit.

"In der Sache ist das Unternehmen allerdings nach wie vor überzeugt, dass durch die vom Bundeskartellamt festgestellten Umstände kein Schaden bei den Kunden entstanden ist", erklärte sie. "Wir werden vollkommen überzogene Ansprüche von daher auch mit allen juristischen Mitteln und durch alle Instanzen hinweg abzuwehren versuchen."

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Schlagworte zum Thema:  Kartellverstoß, Kartell, Preisabsprachen

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