Wenn die Grundwerte definiert sind, lässt sich hieraus ein Verhaltenskodex, der Code of Conduct, ableiten. Dieser enthält rechtlich verbindliche Grundbestimmungen für alle Compliance-Themen. Er definiert, wie die Grundwerte in konkrete Verhaltensweisen umgesetzt werden. Auf der Ebene darunter sollte der Code of Conduct durch detaillierte Richtlinien konkretisiert werden. In China machen die oben aufgezeigten Tendenzen zur Entscheidungsschwäche und "Chefhörigkeit" klare Richtlinien und deren Schulung besonders wichtig. Bei einer etablierten, wertebasierten Compliance-Kultur im Unternehmen ist ein globaler Code of Conduct möglich. Die Verhaltensanforderungen des Code of Conduct sollten hinreichend allgemein sein, da die praktische Relevanz der typischen Themen eines Code of Conduct in Deutschland und in China sehr unterschiedlich ist. Diese Diskrepanz muss im Falle eines globalen Code of Conduct durch Richtlinien und Schulungen in China ausgeglichen werden. Wenn eine Landesorganisation in China erst aufgebaut wird und noch keine Compliance-Kultur besteht, empfiehlt sich ein dezentraler Ansatz. In diesem Fall sollte das chinesische Management Team mit der Ausarbeitung eines eigenen Code of Conduct für China beauftragt werden. Aufgrund der kulturellen Rahmenbedingungen in China und um Management und Mitarbeitern die Ernsthaftigkeit und Bedeutung des Themas bewusst zu machen, sollte dieser Auftrag zwingend zur Chefsache erklärt werden. Der Entwurf des chinesischen Managements kann dann vor seinem Inkrafttreten auf Konsistenz mit den globalen Grundwerten und beispielsweise mit dem deutschen Verhaltenskodex des Unternehmens geprüft werden. Nachdem die chinesische Landesorganisation auf diese Weise in das globale Compliance-Programm eingebunden worden ist, kann in den Folgejahren eine stufenweise Vereinheitlichung bis hin zu einem globalen Code of Conduct erfolgen. Dies entspricht auch dem Vorgehen von BASF, das hier beispielhaft erwähnt werden kann:

BASF hat seit dem Jahr 2000 ein unternehmensweites Compliance-Programm mit globalen Grundwerten, deren Umsetzung in Codes of Conduct bis zum Jahr 2013 dezentral (auf Regional-, Landes- oder Gesellschaftsebene) erfolgte. 2013 wurden die damals bestehenden 24 Codes of Conduct durch einen globalen Code of Conduct ersetzt.[1] Richtlinien auf der Ebene darunter können nach wie vor auf einzelne Gruppengesellschaften, Länder, Regionen oder auch Unternehmensbereiche beschränkt sein, solange sie im Einklang mit den globalen Werten und dem Code of Conduct stehen.

[1] Siehe auch den BASF-Bericht 2013, Seite 127.

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