31.05.2015 | Top-Thema Soziale Aspekte in der Lieferantenkette

„Schwarze Schafe“ schwer zu erkennen

Kapitel
Arbeitsbedingungen bei den Lieferanten vor Ort ist ein wesentlicher Aspekt von CSR
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Für den Verbraucher ist es bisher kaum möglich zu erkennen, ob ein Produkt menschenwürdig, nachhaltig und umweltverträglich hergestellt wurde oder unter unverantwortlichen Bedingungen.

Verletzungen von Arbeitsrechten oder Umweltzerstörungen werden oft erst durch Skandale oder nach Katastrophen öffentlich.

CSR – Corporate Social Responsibility – ist in Deutschland bisher eine freiwillige Leistung

Die Unternehmen müssen keine Rechenschaft über Arbeits- und Umweltbedingungen in der zum Teil weltweiten Lieferkette ablegen. Diese fehlende Transparenz schadet vor allem jenen Unternehmen im wirtschaftlichen Wettbewerb, die sich vorbildlich verhalten. Sie investieren verantwortungsvoll in Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz oder verzichten auf Lieferungen aus Billigländern.

Doch solche Maßnahmen kosten Geld. Um im Preiskampf bestehen zu können, bedeutet das letztendlich weniger Gewinn für das Unternehmen. Die Gewinnspanne bei Unternehmen, die Lohndumping, Zwangs- und Kinderarbeit oder Diskriminierung in Entwicklungs- und Schwellenländern tolerieren, ist entsprechend größer.

CSR – Corporate Social Responsibility – andere Länder, andere Maßstäbe?

Selbst in Deutschland gibt es keine absolute Sicherheit, dass in einem und für ein Unternehmen sozial verantwortlich gearbeitet wird. In Entwicklungs- oder Schwellenländern stellt sich zudem die Frage, nach welchem Maß gemessen werden soll. Gelten die maximal 48 Stunden pro Woche von Deutschland auch in China? Welche Sicherheitsstandards kann man und welche muss man in einer Firma in Taiwan erwarten?

Hinzu kommt, dass Kontrollen in fremden, fernen Ländern weitaus schwieriger durchzuführen sind als bei uns. Oft sind sie auch erfolglos. Häufig entsprechen die Gesetze und Richtlinien nicht den deutschen oder europäischen Maßstäben. Auch kommt es vor, dass Produktionsstätten extra für die Zeit der Kontrollen hergerichtet werden. Sind die Kontrolleure weg, verschwinden die vereinbarten Sicherheitsvorkehrungen wieder.

Zu den schlimmsten Missständen weltweit zählen u. a.:

  • Kinderarbeit,

  • schlechte Arbeitsbedingungen,

  • ausbeuterische Arbeitszeiten,

  • Billiglöhne,

  • übermäßige Überstunden,

  • Schichten mit 12 bis 15 Stunden,

  • 6 oder 7 Arbeitstage pro Woche,

  • monotone Fließbandarbeit,

  • militärischer Führungsstil,

  • Kasernierung in überfüllten Wohnheimen,

  • ungeschützter Umgang mit gefährlichen Stoffen sowie

  • mangelnder Umweltschutz.

Doch der Stellenwert der sozialen Unternehmensverantwortung steigt

Bei der „CSR-Studie 2012“ der Kommunikationsagentur Progress 5 gaben rund 80 % der 51 befragten Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an, der sozialen Unternehmensverantwortung eine hohe oder sogar sehr hohe Bedeutung beizumessen. Zumindest vom Ansinnen scheint in den Unternehmen eine Veränderung stattzufinden. Immer öfter findet sich soziale Unternehmensverantwortung im Leitbild.

Schlagworte zum Thema:  CSR, Lieferantenmanagement, Lieferantenbeurteilung, Lieferantenkette, Nachhaltigkeitscontrolling, Nachhaltigkeitsmanagement

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