Digitalisierung und Prävention für eine sichere und gesunde Arbeitswelt
Anfang 2026 trat eine revidierte Fassung der DGUV Vorschrift 2 in Kraft, deren wesentliche Änderungen größtenteils Anpassungen an den digitalen Wandel in der modernen Arbeitswelt sind. Inhalte waren unter anderem der Ausbau digitaler Betreuungsmodelle und Anforderungen an die digitalen Kompetenzen der Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Es ist daher nicht verwunderlich, dass auch der Herausgeber selbst, die DGUV, verstärkt auf digitale Präventionsformen zur Wahrung sicherer und gesunder Arbeit setzt. In einem im November 2025 veröffentlichten Positionspapier, das die DGUV zusammen mit der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) und dem GKV-Spitzenverband im Namen der Deutschen Sozialversicherung erarbeitete, erhebt sie den Anspruch, Digitalisierung verantwortungsvoll gestalten zu wollen und fordert hierfür klare politische und rechtliche Rahmenbedingungen auf europäischer und nationaler Ebene.
Kritisch, digital, souverän
Kritisch, digital, souverän. So lautet das Motto, mit dem die drei Partner der Deutschen Sozialversicherung ihr Selbstverständnis umschreiben, den digitalen Wandel in Europa aktiv voranzutreiben und die Digitalisierung verantwortungsvoll zu gestalten. Vor diesem Hintergrund fordern sie klare politische und rechtliche Rahmenbedingungen auf europäischer und nationaler Ebene. Denn damit digitale Verwaltung in Deutschland und Europa gelingen kann, braucht es einen verlässlichen und verständlichen Rahmen, so die Herausgeber des Positionspapiers. Klare Zuständigkeiten, einfache Abläufe und eine sichere Datennutzung seien für eine effiziente, bürgerorientierte und zukunftsfähige Verwaltung unerlässlich.
Europäische Lösungen
Die drei Verbände der Sozialversicherung setzen dabei vor allem auf Europa. Nur wenn europäische Lösungen und nationale Infrastrukturen nahtlos ineinandergreifen, lassen sich Doppelstrukturen und unnötige Bürokratie vermeiden. Die Zukunft der digitalen Verwaltung liegt in einer starken europäischen Zusammenarbeit. Nur mit abgestimmten, grenzüberschreitenden digitalen Verfahren kann Europa seine Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und seinen sozialen Zusammenhalt sichern. Vor diesem Hintergrund nennt das Dokument insbesondere die kohärente Weiterentwicklung des Politikprogramms für die digitale Dekade und der begleitenden horizontalen Rechtsakte im Zusammenspiel mit sektoralen Vorhaben wie dem Europäischen Gesundheitsdatenraum (EHDS) und dem Europäischen Sozialversicherungsausweis (ESSPASS). Deshalb bringt die Sozialversicherung ihre Erfahrung aktiv in diese europäischen Projekte ein.
KI-Einsatz für Prävention
Das Positionspapier widmet sich auch speziell den KI- und Cloud-Technologien. Dabei betont es, dass KI große Chancen für die Sozialversicherung bietet, bspw. bei der Fehlererkennung, beim Arbeitsschutz oder für die Erkennung und Vorbeugung von Erkrankungen sowie für die Verwaltung der Versorgung in den Praxen, Kliniken und Krankenkassen habe. Die europäische Zusammenarbeit sollte auch bei diesem Thema wie beim Once-Only-Prinzip oder den Europäischen Datenräumen konsequent ausgebaut und praxisnah gestaltet werden.
IT-Kooperationen der Berufsverbände
Das Ende 2025 erschienene Digitalpositionspapier bildete damit den konsequenten Höhepunkt eines Jahres, in dem die Berufsgenossenschaften mehrere wichtige Projekte in den Bereichen IT und Digitalisierung angestoßen haben. So wurde im Frühjahr eine Partnerschaft der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) und der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) im Rahmen der IT-Kooperation NOVA bekannt gegeben. Dabei handelt es sich um eine IT-Kooperation zur gemeinsamen Entwicklung und Bereitstellung zukunftssicherer, standardisierter IT-Lösungen, insbesondere der Plattform nova.Applications, die zur Bündelung von Ressourcen, zur Bewältigung des Fachkräftemangels und zur Schaffung effizienterer Prozesse für den Arbeits- und Gesundheitsschutz entwickelt wurde. Sie bildet laut DGUV „einen digitalen Kosmos“ für die Unfallversicherungsträger, um ihre Kernsysteme wie ERP (SAP) und CRM zu modernisieren.
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