Überforderung in der Ausbildung
Konstantin kann nicht mehr. Der angehende Koch musste über Monate mal 45, mal 53, mal bis zu 70 Stunden die Woche arbeiten. "Es gab auch schon Tage, da durfte ich nicht mal was essen, weil wir keine Zeit hatten", stöhnt er. Dann beschwerte er sich - und "wurde nur angeschrien".
Was Konstantin an ein Beratungsforum des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) schreibt, mag in seinen Ausmaßen ein Einzelfall sein - doch werden laut DGB Zehntausende Azubis als billige, oft wehrlose Arbeitskräfte ausgenutzt.
DGB-Umfrage zu Überforderung in der Ausbildung
Die aktuellen Zahlen der jährlichen DGB-Umfrage sind deutlich:
- Hohen Leistungs- und Zeitdruck beklagen 13 %, sehr hohen zudem sogar 7 %.
- 34 Prozent haben keinen Ausbildungsplan.
- Regelmäßig Überstunden müssen 35 % der Azubis leisten - bei den Hotelfachleuten 54, den Köchen sogar 55 %.
- Die Unsicherheit ist groß - 62 % wissen nicht, ob sie übernommen werden.
- Und 10 % bekommen nur 250 bis 500 Euro brutto, 51 % 500 bis 750.
Überlastung vorprogrammiert? Der DGB spart nicht mit drastischen Schlussfolgerungen
Das duale Ausbildungssystem werde "vor die Wand" gefahren, wettert Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. Die Qualität zu verbessern, sei "dringend notwendig", fordert DGB-Vize Elke Hannack. Auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will "über die Qualität reden", wie sie zum endgültigen Start des Ausbildungsjahrs zum 1. September sagte.
Ausbildung in Not - ist die Lage wirklich so dramatisch?
Der Arbeitgeberverband BDA wirft dem DGB "ein interessensgeleitet verzerrtes Bild" vor. Tatsächlich zeigte eine Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin vor wenigen Jahren, dass 93 % der unter 24-jährigen Erwerbstätigen - also nicht nur Azubis - mit ihrer Arbeitssituation zufrieden sind, mit der Arbeitszeit 82 %, mit der Tätigkeit 92 %.
Auch der DGB verschweigt nicht, dass - laut seinen aktuellen Umfragewerten unter den Azubis - immerhin 72 % insgesamt zufrieden sind. Doch sei die Lage in bestimmten Berufsgruppen deutlich schlechter als in anderen: in der Gastronomie, in Hotels, bei manchen Handwerksberufen wie Malern und im Handel.
Gute Ausbildung braucht gute Ausbilder
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) macht auf andere mögliche Gründe für Unzufriedenheit aufmerksam als ausbeuterische, herrische oder selbst überforderte Chefs: Neue Herausforderungen nach der Schule könnten belastend wirken, sagt Hauptgeschäftsführer Achim Dercks. Andere Spielregeln müssten erst eingeübt werden.
"Ebenso wie manche Chefs ihre Azubis überfordern, können junge Menschen auch eine Herausforderung nicht nur für Eltern und Lehrer, sondern auch für Ausbildungsverantwortliche in Betrieben sein", meint Dercks. Bei Konflikten solle man konstruktiv miteinander umgehen.
Arbeitgeber muss Arbeit so planen, dass Pausen möglich sind
Die Auswertung der BIBB/BAuA-Jugenderwerbstätigenbefragung zu Pausenverstößen macht deutlich: Erwerbstätige zwischen 15 und 24 Jahren machen zu selten Pausen während der Arbeit und dies obwohl die Pausen im Arbeitszeitengesetz klar geregelt sind. Doch das scheint manche Chefs und Vorgesetzte wenig zu kümmern. Arbeitgeber muss Arbeit so planen, dass Pausen möglich sind.
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