TÜV Rheinland: Das sind die 4 großen Trends im Arbeitsschutz
Die klassischen Bereiche des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes wie Unfallverhütung, die ergonomische Anpassung der Arbeitsplätze sowie der Schutz vor arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sind nach wie vor die wichtigsten Themen in den Unternehmen. Durch den immer schnelleren Wandel der Arbeitswelt nehmen andere Themen, Entwicklungen und Gefahren an Bedeutung zu. Der TÜV Rheinland hat die aus seiner Sicht wichtigsten aktuellen Trends sowie potenzielle Strategien und Maßnahmen für deren Eindämmung und Beherrschung identifiziert.
Gewaltprävention
Die zunehmende Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft führt zu neuen Herausforderungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Unternehmen, Behörden und Organisationen müssen ihre Mitarbeitenden schützen. Dies gilt nicht nur in den bislang besonders gefährdeten Arbeitsfeldern mit viel Personen- und Kundenkontakt wie Krankenhäusern, Ämtern und Banken. Um Mitarbeitende zu schützen, empfiehlt der TÜV Rheinland individuell passende Strategien zur Gewaltprävention. Dazu gehören die Anlage von Fluchtwegen, Notausgängen, Trennvorrichtungen und Notrufmöglichkeiten. Aber auch die präventive Schulung der Beschäftigten durch z. B. Deeskalationstrainings müssen zumindest in oben genannten Arbeitsbereichen zunehmend zu den Grundlagen des Arbeitsschutzes gehören.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz
Auch durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) entstehen neue Probleme für den Arbeitsschutz. Diese technologischen Entwicklungen haben im Vergleich zu den anderen Trendthemen auch Vorteile. Sie bieten viele Möglichkeiten, Aufgaben im Arbeits- und Gesundheitsschutz ressourcensparend umzusetzen: Digitale Anwendungen ermöglichen virtuelle Begehungen, Online-Sprechstunden und videogestützte Auswertungen in Verbindung mit KI, z. B. um herauszufinden, ob Bewegungsabläufe bei der Arbeit ergonomisch sind.
Cyberrisiken
Es gibt heute kaum einen Bereich ohne IT-gesteuerte Vorgänge - und meist sind die Anwendungen vernetzt. Entsprechend angreifbar sind die Datennetze. Dabei können die Folgen eines Cyberangriffs gravierend sein: Werden sicherheitsrelevante Einrichtungen manipuliert, kann es zu Unfällen und damit auch zu Gefährdung der Gesundheit und des Lebens der Beschäftigten kommen. Der TÜV Rheinland empfiehlt daher dringend, Cyberrisiken in der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen.
Klimawandel
Der Klimawandel führt zu diversen Wetterextremen, die es in dieser Intensität in der jüngeren Vergangenheit zumindest in Mitteleuropa nicht gegeben hat. Daher sind Unternehmen in der Pflicht, ihre Mitarbeitenden vor diesen neuen Risiken zu schützen. Dies gilt insbesondere für „Outdoor Worker“ wie Gärtner, Landwirte, Bauarbeiter oder Dachdecker. Durch die immer höheren Sommertemperaturen sind aber auch Beschäftigte in Büros, Lagerhallen und Fabriken zunehmend betroffen. Zudem treten durch invasive Insekten und andere Krankheitsüberträger indirekt weitere neue Gefährdungen durch den Klimawandel auf. Aufgrund der Vielzahl und Unterschiedlichkeit dieser Gefahren und Gefährdungen müssen, so der TÜV, spezifische Lösungskonzepte umgesetzt werden.
Kaum erwähnt: Psychische Belastungen
Interessanterweise erwähnt der TÜV Rheinland bei der Aufzählung der wichtigsten Trends aber nicht explizit die Entwicklung, die wie keine andere in den vergangenen Jahren die Arbeitswelt verändert: die zunehmenden psychische Belastungen am Arbeitsplatz. Lediglich im Zusammenhang mit der Gewaltprävention wird dieses Problem kurz genannt. Neben der Gewalt sind psychische Belastungen vor allem die Folge von zunehmendem Zeitdruck, ständiger Erreichbarkeit infolge der Digitalisierung, wirtschaftlich-beruflicher Unsicherheit und Mobbings. Sie führen zu Stress, Leistungsabfall und sogar körperlichen sowie psychischen Erkrankungen. Mittlerweile fühlen sich laut Umfragen der AOK bereits mehr als 25 % der Beschäftigten psychisch belastet. Die Dunkelziffer dürfte höher sein. Psychisches leiden wird auch in der heutigen Arbeitswelt als individuelle Schwäche wahrgenommen. Deswegen wollen sich vermutlich nicht alle Betroffenen „outen“.
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