DGUV Barometer zeigt deutlichen Negativtrend auf
Vier von fünf Befragten bemerken deutliche negative Veränderungen bei der Arbeit, wie aus einer Umfrage für das 2025 erstmals erhobene DGUV Barometer Arbeitswelt der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hervorgeht. Demnach hätten Stress und daraus resultierende Gereiztheit in den vergangenen zwei Jahren stark zugenommen.
Wichtigste Ergebnisse
51 % der Befragten berichteten von höherem Zeitdruck, 43 % von einem gereizteren Betriebsklima und 29 % von einer sinkenden Fehlerkultur. Nur 21 % bemerkten keine dieser Veränderungen. Diese und andere Daten des DGUV Barometers wurden von der forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH mittels einer repräsentative Online-Befragung unter 2018 Erwerbstätigen, darunter 578 Führungskräfte und Unternehmer, erhoben. Angesprochen wurden Beschäftigte und Arbeitgeber in Unternehmen mit mindestens zwei Mitarbeitern im Zeitraum zwischen dem 28. Februar bis 7. März 2025.
Gründe für Stress und Gereiztheit
Was aber sind die Ursachen für diesen Negativtrend? 50 % sahen in erster Linie eine hohe Arbeitsbelastung und Zeitdruck als Risikofaktor. Für 32 % waren es Überstunden aufgrund von Personalmangel, für 27 % unzureichende Information und Kommunikation, für 25 % fehlende Erholungszeit und Pausen sowie für 24 % ein schlechtes Betriebsklima.
Die Gründe für diesen Negativtrend erkennt DGUV-Hauptgeschäftsführer Stefan Hussy vor allem im Zeitdruck aufgrund der überall zunehmenden Arbeitsverdichtung. Ursachen hierfür wiederum seien Digitalisierung, ein „Übermaß“ an Bürokratie und vor allem der Mangel an Personal und Fachkräften, weshalb die vorhandenen Arbeitnehmer noch mehr Arbeit übernehmen müssten und die Belastung für sie dadurch noch weiter steige.
Widerspruch Digitalisierung?
Das DGUV Barometer benennt die Digitalisierung als einen der wichtigen Ursachenfaktoren für die oben erwähnten Probleme, lässt aber offen, ob damit ein Zuviel an Digitalisierung oder ein Zuwenig gemeint ist. Denn laut der Umfrage benannten vor allem Beschäftigte in der Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie in der öffentlichen Verwaltung die Digitalisierung als „Herausforderung“.
Aber erhöht sie nun die Arbeitsverdichtung, den Zeitdruck und damit den Stress oder entlastet sie die Belegschaften vielmehr, weil z. B. Bots repetitive und zeitraubende Routinearbeitsprozesse für die Beschäftigten übernehmen? Leider gibt das Barometer hierzu keine klare Antwort.
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Bewertung des Arbeitsschutzes
Schließlich sagten 22 % der Befragten aus, dass Gesundheit und Sicherheit in ihren Unternehmen öfter vernachlässigt wird. Die große Mehrheit der Erwerbstätigen (78 %) dagegen meinte, dass sie und ihre Kollegen im eigenen Unternehmen „sehr gut oder gut dabei unterstützt werden, sicher und gesund arbeiten zu können.“ Andere Befunde der Umfrage lassen diesen Wert sehr hoch erscheinen, denn es zeigt sich noch immer viel Verbesserungsbedarf.
Denn rund ein Fünftel der Befragten gab an, von ihrem Arbeitgeber nicht regelmäßig über Risiken am Arbeitsplatz unterwiesen zu werden. Nur zwei Drittel der Erwerbstätigen konnten sich grundsätzlich vorstellen, ihre derzeitige Arbeitstätigkeit bis zum Erreichen des Renteneintrittsalters sicher und gesund auszuüben. Vor allem aber: Weniger als zwei Drittel (61 %) der Befragten mit Führungsrolle gaben an, dass in ihrem Unternehmen die gesetzlich vorgegebene Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wird.
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