Depressionen und Krankschreibungen wegen psychischen Erkrankungen nehmen zu. Allerdings nehmen nur wenige der Betroffenen psychiatrische und psychotherapeutische Leistungen in Anspruch.

Laut dem Journal of Health Monitoring des Robert Koch Instituts (RKI) haben innerhalb eines Jahres nur 11,3 % der Frauen und 8,1 % der Männer psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen. Der Untersuchung liegen Daten von 20.000 Teilnehmenden zugrunde.

Bei Depressionen gehen vor allem 50- bis 59-Jährige zum Arzt

Am häufigsten geht die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen zum  Psychotherapeuten oder Psychiater. Aus den Zahlen ergibt sich auch, dass Personen, die eine geringe soziale Unterstützung erleben, häufiger als andere eine entsprechende Behandlung in Anspruch nehmen. Allerdings ließen sich insgesamt nur 35 % der Frauen mit depressiver Symptomatik und 31 % der Männer behandeln.

Schlechte Versorgung von Personen mit Depressionen auf dem Land

Rund 66 % der Personen mit depressiver Symptomatik suchen keinen Psychotherapeuten oder Psychiater auf. Ein Grund dafür ist die unterschiedliche Versorgungsdichte. So gibt es in und um Großstädte viele Ärzte und  Therapeuten. In ländlichen Regionen herrscht dagegen oft eine Unterversorgung. Gibt es jedoch am Wohnort viele entsprechende Fachärzte oder Psychotherapeuten nehmen 15 % mehr der Betroffenen das Angebot wahr.

Depressionen vom Hausarzt nicht richtig diagnostiziert

Viele Patienten mit depressiven Störungen werden ausschließlich vom Hausarzt versorgt. Selbst 40 % der Patienten mit schwerer Depression gehen zu Ärzten, die allgemeinmedizinisch oder auf körperliche Erkrankungen spezialisiert sind. Das hat allerdings zur Folge, dass 80 % der beim Hausarzt erfolgten Diagnosen unspezifisch und ohne Schweregradkodierung sind. Doch erst mit einer angemessenen Diagnose kann langfristig eine fachärztliche Therapie gemäß den Behandlungsleitlinien durch einen psychotherapeutisch oder psychiatrisch tätigen Leistungserbringer erfolgen.