Digitale Helfer für das „Neue Normal“ mit Corona

Anfang November wurden große Teile des Freizeitlebens und auch der Wirtschaft in Deutschland wieder zurückgefahren. Klar ist damit in jedem Fall, dass die Pandemie nach wie vor gegenwärtig ist und wir uns darauf einstellen müssen, dass uns Corona im Alltag noch länger begleiten wird. Digitale Helfer können dabei unterstützen, die für die Verminderung des Infektionsgeschehens wichtigen AHA+L+C-Regeln einzuhalten, insbesondere auch im betrieblichen Umfeld.

Die AHA-Regel beziehungsweise die erweiterte Regel, AHA + L + C bedeutet: Abstand halten – Hygiene-Maßnahmen beachten – Alltagsmasken tragen, ergänzt um (geschlossene Räume) Lüften und die Corona-Warn-App nutzen.

Abstandswarner im Betrieb – A für Abstand

Während die von der Bundesregierung beauftragte Corona-Warn-App unsere Begegnungen mit anderen Personen aufzeichnet und so potenziell Betroffene reaktiv, also nachträglich, informiert, haben findige Sensor-Hersteller kleine Tools entwickelt, die proaktiv vor einer Begegnung mit zu geringem Abstand und somit vor einer potenziellen Übertragung von Viren warnen. Sie können mit einem Lanyard um den Hals getragen werden, aber auch als Wearable am Handgelenk.

Funktional nutzen alle diese Tools denselben Ansatz wie den der Corona-Warn-App:Sie messen den Abstand und die Dauer untereinander, also zwischen den Sensoren. Da sie aber, anders als bei den iOS- und Android-Apps, nicht auf in Smartphones vorhandene Technologien wie Bluetooth aufsetzen müssen, können andere Verfahren und Technologien (beispielsweise Ultrabreitband-Technologien) verwendet werden, die genauere Daten liefern.

Idealerweise werden alle Personen, die das Firmengelände betreten, also sowohl Mitarbeiter wie auch Kunden, Lieferanten oder Besucher, mit einem solchen Sensor ausgestattet. Dies können feste, Personen für einen längeren Zeitraum zugeordnete Sensoren, aber auch täglich neu und flexibel verteilte Sensoren sein.

Einige der im Markt befindlichen Systeme warnen die Träger der entsprechenden Sensoren bereits, wenn der Abstand noch ausreichend groß ist. Sobald der Abstand jedoch zu gering wird, alarmieren die Sensoren dann in der Regel akustisch und visuell die Nutzer, dass sie sich in einem Bereich befinden, in dem potenziell Viren übertragen werden können.

Die Warnungen und Alarme werden bei einfachen Sensoren nicht aufgezeichnet und es ist die Aufgabe des Trägers, den zur Einhaltung der Hygienevorschrift notwendigen Abstand einzuhalten. Der ist in der Regel übrigens auf die empfohlenen 1,5 Meter eingestellt, kann aber ebenso wie die Zeitdauer der Begegnung, nach der gewarnt wird, bei komfortableren Lösungen individuell eingestellt werden.

Intelligentere Sensoren zeichnen diese Begegnungsdaten sogar auf und – unter der Voraussetzung, dass sie eindeutig Personen zugeordnet und somit quasi personalisiert sind – können im Nachgang bei bestätigten Infektionen die betroffenen Kontaktpersonen direkt warnen. Um dem Datenschutz zu genügen, werden keine persönlichen Daten und Positionsdaten gespeichert, eine Alarmierung erfolgt also wie bei der Corona-Warn-App pseudonymisiert, in der Regel über Sensor-IDs.

Bei einigen Lösungen kann das Betriebsgelände in verschiedene Zonen eingeteilt werden. Durch eine Softwarelösung, die die Anzahl und Dauer der Regelverstöße visualisiert, können so besonders gefährliche Bereiche identifiziert und die Infektionsgefahr beispielsweise durch ein verändertes Wegekonzept reduziert oder beseitigt werden.

Solche Sensoren können übrigens auch in Strahlenschutz- oder Sicherheitsbereichen, in denen Handys und somit rein auf Software basierende Tracing-Apps verboten sind, meist eingesetzt werden.

Positiv für (auch längerfristige) Ausnahmesituationen, wie wir sie mit einer Pandemie gerade haben: Es gibt Anbieter, bei denen die Sensoren nicht nur gekauft, sondern auch gemietet werden können.

Sicher einkaufen - Nicht anstecken

Verschiedene Einkäufe für das Büro oder auch das Essen der Mitarbeiter in der Mittagspause erfolgen auch heute noch nicht online, sondern ganz herkömmlich in nahegelegenen Geschäften. Auch hier gilt es die Hygienevorschriften zu beachten, Abstand zu halten und Maske zu tragen, aber die oben erwähnten Abstandswarner haben in diesen Fällen natürlich keine Wirkung.

Dennoch kennt wahrscheinlich jeder, der im letzten halben Jahr häufiger einkaufen war, die Situationen, wenn Lebensmittelgeschäfte zu voll sind und es schwer fällt, den Mindestabstand zu halten, oder sich andere einkaufende Personen im Gedränge über die Abstandsregel hinwegsetzen.

Um dem großen Andrang im gewünschten Geschäft zu entgehen, gibt es von einem deutschen Startup eine App, die dem Nutzer den aktuellen „Füllgrad“ von Geschäften mit Ampelfarben und einer Prozentzahl für die Auslastung anzeigt und ihm so hilft das aktuelle (Infektions-) Risiko zu bewerten.

Die Anzeige ist allerdings eine Schätzung des Füllgrads mit Informationen aus verschiedenen Quellen und basiert nicht auf personenbezogenen Echtzeitdaten. So werden historische Daten, Suchanfragen nach Läden, geortete Handysignale, die auf Google Maps für Live-Besuchsdaten verwendet werden, oder auch der Verkehr in der näheren Umgebung analysiert und ein Algorithmus errechnet daraus die wahrscheinliche Auslastung.

Über die App kann zusätzlich jeder Nutzer aktiv werden und melden, ob die Schätzung zutreffend ist beziehungsweise wie groß die tatsächliche Auslastung ist. Dazu meldet er die aus seiner Sicht zutreffende Ampelfarbe zurück. So können die Daten mit der Zeit immer genauer werden.

Hände waschen – H für Hygiene beachten

Regelmäßiges und ausreichendes Händewaschen ist aus hygienischen Gründen nicht erst seit der COVID-19 Pandemie empfehlenswert. Oft hapert es jedoch mit der Einhaltung der empfohlenen Mindestdauer, typischerweise 20 bis 30 Sekunden, die für eine wirkungsvolle Reinigung notwendig ist.

Verständlicherweise ist es unpraktisch, zur Unterstützung beim Händewaschen eine App auf dem Smartphone zu nutzen. Intuitiver ist da schon die Nutzung einer smarten Armbanduhr, die man auch am Waschbecken trägt und einfach bedienen kann.

So gibt es beispielsweise von Samsung eine App, die die Träger ihrer Uhren mit einem 25-Sekunden-Countdown unterstützt und anzeigt, wann das letzte Mal und wie oft am aktuellen Tag die Hände gewaschen wurden.

Apple geht mit seiner smarten Watch noch ein wenig weiter. Durch die eingebauten Sensoren erkennt die Watch mehr oder weniger gut, wenn der Nutzer beginnt, seine Hände zu waschen und startet automatisch einen 20-Sekunden-Countdown. Am Ende signalisiert sie akustisch oder durch Vibration dem Träger, dass die empfohlene Mindestzeit erreicht wurde.

Mit der Definition des Standortes „Zuhause“ im eigenen Kontakt kann die Apple Watch über GPS sogar feststellen, wenn der Nutzer nach Abwesenheit wieder zurückkehrt. Ist die Erinnerung ans Händewaschen aktiviert, so erinnert die Apple Watch nach einer gewissen Zeit, wenn sie keinen Waschgang erkannt hat, an das Händewaschen nach der Rückkehr.

CO2-Ampel – L für Lüften

Das Infektionsrisiko steigt gerade in geschlossenen Räumen mit „stehender Luft“. Allerdings können die Aerosole, die möglicherweise Viren enthalten und so Infektionen übertragen können, nicht direkt gemessen werden. Deshalb behilft man sich, in dem man den CO2-Wert in diesen Räumen misst. So schließt man dann von der CO2-Konzentration in einem Raum über die Zeit auf die Aerosolkonzentration und damit auf das Infektionsrisiko.

CO2-Ampeln gibt es in den verschiedensten Ausführungen, in der einfachsten tatsächlich mit einer Ampelanzeige, also grüner Farbe für gute Luft, gelbe Farbe für Achtung und rote Farbe für Lüften notwendig. Auch CO2-Ampeln, die die gemessenen CO2-Werte direkt in ppm (parts per million) darstellen oder sogar Push-Nachrichten bei Überschreiten eines Grenzwertes versenden, werden angeboten.

Auf heise.de berichtet eine Pädagogin von wichtigen Lehren, die sie ziehen konnte, nachdem sie nicht nur eine Ampel benutzte, sondern eine Messung und Beobachtung konkreter CO2-Werte in ihren Klassenzimmern vornahm. So ist ein Luftaustausch beispielsweise nur effizient, wenn ein entsprechender Unterschied zwischen der Innen- und der Außentemperatur herrscht. Gerade im Winter ist es also wichtig, zu lüftende Räume nicht zu sehr auskühlen zu lassen, um den Luftaustausch zu optimieren.

Reine Software-Lösungen – C für Corona-Warn-App

Die von der Bundesregierung bei SAP und der Telekom in Auftrag gegebene Corona-Warn-App wurde mittlerweile über 20 Millionen Mal heruntergeladen (Stand Mitte Oktober). Dabei geht beispielsweise die Zeitschrift „Der Spiegel“ – basierend auf der Anzahl der täglichen Abgleiche mit den Codes auf dem Backend-Server – von einer Nutzung durch rund 16 Millionen Personen aus.

Die Funktion beziehungsweise das Ziel, Infektionen einfacher nachzuverfolgen beziehungsweise Infektionsketten durch frühzeitige Warnung von potenziell angesteckten Personen zu unterbrechen, erfüllt sie natürlich auch im innerbetrieblichen Kontext und auf dem Unternehmensgelände. Begegnungen mit infizierten Personen werden, nach deren Eingabe ihrer Infektion in die App, über die Corona-Warn-App kommuniziert. Das korrekte weitere Vorgehen wird den Betroffenen in der App gleich mit empfohlen.

Nachdem anfänglich isolierte nationale Lösungen implementiert wurden, wird nun die länderübergreifende Vernetzung vorangetrieben. Technisch einfach funktioniert das mit – aus deutscher Sicht – allen Apps beziehungsweise Ländern, die die gleiche, nämlich eine dezentrale Architektur zugrundeliegen haben.

So können im aktuellen ersten Schritt Deutschland, Irland und Italien beziehungsweise ihre Apps Daten grenzüberschreitend austauschen und Mitarbeiter bei Dienstreisen in diese Länder mit der deutschen Corona-Warn-App auch über Begegnungen mit Infizierten in den genannten Reiseländern gewarnt werden.

In der Zwischenzeit gibt es noch weiter entwickelte Apps, die aus den mit Bluetooth gemessenen Abstandsdaten und eingegebenen Infektionen auch gruppierte Übersichten für Betriebe, Abteilungen oder Standorte als Dashboard bereitstellen. Hiermit können im Unternehmen im Zweifelsfall einzelne Ausbrüche schnell erkannt und durch adäquate Maßnahmen isoliert werden. 

Voraussetzung ist die Installation einer weiteren, speziellen Corona-Warn-App, mit der vom Bund veröffentlichten App funktioniert das nicht.

Statistik

Wenn diese Regeln alle eingehalten werden, dann sollte die Zahl der infizierten Personen in Deutschland deutlich heruntergehen. Auch um diese Zahlen im Blick zu behalten, gibt es übrigens einfache Tools.

Für Handys mit iOS oder Android gibt es beispielsweise sogenannte Widgets, die direkt auf den Screens der Handys die absolute Anzahl der Neuinfektionen mit COVID-19 für Deutschland in den letzten 24 Stunden oder für den Landkreis des aktuellen Standortes die Inzidenz in den letzten sieben Tagen pro hunderttausend Einwohner anzeigen.

Aktiver muss der Nutzer bei einem Tool sein, das über den Messenger Threema funktioniert, aber dafür auch flexibler zu nutzen ist. Hier kann der Nutzer seinen Standort oder eine Postleitzahl oder einen Ortsnamen an eine Messenger-Adresse (wie *COVIDDE) senden und bekommt für diesen Ort umfangreiche quantitative Daten zu COVID-19-Infektionen zurückgemeldet.

Individuelle Entscheidung im Betrieb

Nicht alle aufgeführten digitalen Hilfsmittel passen in jede Situation und helfen in jeder Konstellation weiter. Jeder Betrieb und jede verantwortliche Führungskraft muss individuell entscheiden, was Sinn macht und an welcher Stelle eine Investition überflüssig ist.

Wahrscheinlich müssen wir alle diese Entscheidungen in Zukunft regelmäßig und in Anbetracht der jeweils aktuellen Pandemie-Situation treffen. Genügend unterstützende Tools zum besseren Umgang mit COVID-19 gibt es jedenfalls.

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