Kreislaufwirtschaft in der Praxis: Chancen und Herausforderungen
DBU und Projektpartner zu Besuch bei Kunststoffverarbeiter Pöppelmann
Für das Kooperationsprojekt „Wege zum zirkulären Geschäftsmodell“ vom Verband Klimaschutz-Unternehmen und dem Fachgebiet umweltgerechte produkte und prozesse (upp) der Universität Kassel waren die Projektpartner und die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) als Förderermittelgeberin diese Woche vor Ort beim Kunststoffverarbeiter Pöppelmann im niedersächsischen Lohne. Sie diskutierten, wie gut zirkuläre Geschäftsmodelle bisher in der Praxis funktionieren und wie digitale Produktpässe umgesetzt werden können.
Schon seit 2018 setzt Pöppelmann mit Pflanztöpfen für den Gartenbau konsequent auf Kunststoffprodukte aus PCR (Post Consumer Rezyklat, also Materialien, die nach ihrer ursprünglichen Verwendung durch Endverbrauchende gesammelt, sortiert, aufbereitet und dann in den Produktionsprozess zurückgeführt werden). „Über die letzten Jahre haben wir immer mehr Anwendungsbereiche für PCR erschlossen. Wo wir können, arbeiten wir mit Rezyklaten, wie bei Produkten für die Automobilindustrie“, erklärt Benjamin Kampmann, zuständig für Kreislaufwirtschaft und Klima bei Pöppelmann.
Rezyklateinsatzquoten bieten Chancen – aber auch Risiken
Zukünftig wird es für Verpackungen und Fahrzeuge EU-weite Rezyklateinsatzquoten geben. Pöppelmann ist für mehr Rezyklateinsatz durch eine Quote, sieht aber auch Risiken: „Damit mehr PCR genutzt wird, können solche Vorgaben hilfreich sein. Es besteht jedoch die Gefahr, dass Verpackungen zukünftig aus den Rezyklaten hergestellt werden müssen, die heute beispielsweise für Rohre und landwirtschaftliche Folien genutzt werden. Denn auf dem Markt gibt es nicht genug PCR und Unternehmen müssen künftig die Quoten erfüllen. Wir befürchten, dass für alle Produkte, für die keine Quoten gelten, dann neuer Kunststoff statt Rezyklat eingesetzt wird und insgesamt gar nicht mehr Rezyklate verwendet werden.“
Professor Jens Hesselbach von der Universität Kassel ergänzt: „Solche Vorschriften machen es Betrieben nicht leicht, auf Kreislaufwirtschaft umzustellen. Zirkuläres Wirtschaften kann Probleme mit vorgeschriebenen Recyclingquoten bedeuten: Wenn Unternehmen langlebige Produkte auf den Markt bringen, werden diese länger genutzt, Bauteile oder Rohstoffe später recycelt und können deutlich später erst als Rezyklate wiederverwendet werden. Da sie ihre Recyclingquoten erfüllen müssen, haben Unternehmen dadurch zu wenig Anreize, langlebige Produkte zu entwickeln. In der Praxis kann Kreislaufwirtschaft also die Entwicklung langlebiger Produkte hemmen, obwohl genau das ein Ziel von zirkulärem Wirtschaften ist.“
Vorteile zirkulären Wirtschaftens
„Durch zirkuläres Wirtschaften lassen sich wesentliche Umweltbelastungen reduzieren, natürliche Ressourcen schonen und Klimaschutz aktiv vorantreiben“, sagt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. „Wir unterstützen Unternehmen dabei, lineare durch zirkuläre Geschäftsmodelle zu ersetzen, damit Kreislaufwirtschaft umfassend funktioniert.“ Bonde zufolge hilft das DBU-geförderte Projekt „Wege zum zirkulären Geschäftsmodell“ den teilnehmenden Unternehmen dabei, Probleme zu erkennen, negative Wechselwirkungen, etwa mit rechtlichen Vorgaben, auf ein Minimum zu reduzieren und Lösungen zu erarbeiten. Zudem werden Empfehlungen für diese und andere Betriebe entwickelt, die Richtung Kreislaufwirtschaft gehen wollen.
Auch der Geschäftsführer der Klimaschutz-Unternehmen, Philipp Andree, wünscht sich eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. „Kreislaufwirtschaft ist in aller Munde, wir haben eine nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie, aber wie viele Unternehmen haben wirklich schon ihre Geschäftsmodelle umgestellt und arbeiten zirkulär? Wir stehen kurz vor den Bundestagswahlen und unsere Mitglieder wünschen sich von einer neuen Bundesregierung, dass sie das Thema Kreislaufwirtschaft weiter voranbringt. Damit es in der Praxis funktioniert, müssen noch viele Fragen geklärt werden. Zum Beispiel können digitale Produktpässe (DPP) Kreislaufwirtschaft stärken und Umweltauswirkungen von Produkten transparent machen. Aber für Unternehmen darf das nicht noch mehr Bürokratie bedeuten oder dass sie wettbewerbsrelevante Informationen preisgeben müssen. Politik und Wirtschaft müssen zusammenarbeiten, damit Deutschland ein Kreislaufwirtschaftsland wird.“
Projekt „Wege zum zirkulären Geschäftsmodell“
Das 18-monatige Projekt mit 13 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen wie Kunststoff, Logistik, Medizin, Metall oder Textil, mit unterschiedlichen Funktionen in Kreisläufen wie Produktion, Dienstleistungen oder Recycling läuft seit September 2024. Zehn der Betriebe sind Klimaschutz-Unternehmen. Derzeit untersuchen die Projektpartner Herausforderungen bei der Transformation und mögliche Lösungen für die einzelnen Unternehmen. Mehr Informationen zum Projekt gibt es hier.
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