ESG Techradar 2026

Überblick zur ESG-Softwarelandschaft - diese Erkenntnisse lassen sich ableiten


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Das Angebot im Bereich der ESG-Software entwickelt sich ständig weiter. Kürzlich hat der Marktbeobachter Sven Rückert einen Überblick über den Markt für Nachhaltigkeitssoftware erstellt. In diesem Gastbeitrag stellt er drei zentrale Erkenntnisse daraus vor.

Eine unübersichtliche Karte ist besser als keine Karte. Mit diesem Gedanken haben wir den ESG Techradar 2026 veröffentlicht. Der Markt ist lauter, dichter und dynamischer geworden. Für Nachhaltigkeitsmanager, CFOs und Geschäftsführer – insbesondere im Mittelstand und in Familienunternehmen im DACH‑Raum – wird Orientierung immer wichtiger. Das Ziel des Techradars ist es daher, die Dynamik und Vielfalt des ESG-Softwaremarktes realistisch abzubilden und eine belastbare Grundlage für Austausch und Einordnung zu schaffen. 
 
In einer Phase, in der: 

  • sich regulatorische Anforderungen mit hoher Dynamik verändern, 
  • ESG vom Reporting‑Thema zum Management‑ und Wertschöpfungsthema wird, 
  • und gleichzeitig neue Technologien wie GenAI die Eintrittsbarrieren massiv senken, 

 braucht es Formate, die Diskussion ermöglichen statt Scheinsicherheit suggerieren. Der Radar ist deshalb bewusst als Gesprächsanlass gedacht – für Events, Workshops, LinkedIn‑Diskussionen und den Austausch unter Praktikern. 

Insight #1: ESG- Tools entwickeln sich weiter – vom Reporting zur Wertschöpfung

Eine der klarsten Beobachtungen aus dem ESG Techradar: ESG-Software ist erwachsener geworden. Viele Anbieter haben ihre Schwerpunkte verschoben – weg von reiner Datensammlung und Berichterstattung, hin zu unternehmerischer Entscheidungsunterstützung. Drei Entwicklungen stechen besonders hervor: 
 
1. Verknüpfung von CO₂ mit € 
Immer mehr ESG-Tools übersetzen Emissionen konsequent in finanzielle Effekte. CO₂-Kosten werden transparent gemacht, der ROI von Reduktionsmaßnahmen berechnet und unterschiedliche Carbon‑Pricing‑Szenarien in Entscheidungsprozesse integriert. Dadurch wird Nachhaltigkeitsmanagement anschlussfähig für finanzielle Steuerung und strategische Entscheidungen auf Geschäftsleitungsebene – ein entscheidender Schritt, insbesondere für mittelständische Unternehmen. 
 
2. KI für Datenerfassung und -qualität 
Statt manueller Excel‑Importe setzen immer mehr Anbieter auf: 

  • KI‑gestützte Datenintegration aus ERP‑, Einkaufs‑ oder Energiesystemen, 
  • automatische Plausibilitätschecks, 
  • Datenqualitäts‑Scoring

3. Fokus auf Maßnahmen statt nur Zahlen 
Der vielleicht wichtigste Wandel zeigt sich darin, dass sich ESG-Lösungen zunehmend von der reinen Bestandsaufnahme lösen. Statt ausschließlich die Frage „Was ist unser Footprint?“ zu beantworten, rückt immer stärker in den Fokus, „Welche Maßnahmen bringen welchen Effekt?“. Moderne Tools unterstützen Unternehmen heute dabei, Reduktionsmaßnahmen systematisch zu priorisieren, fundierte Make‑or‑Buy‑Entscheidungen zu treffen und Lieferanten gezielt unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auszuwählen. Nachhaltigkeit wird damit aus der Analyse‑ und Berichtsebene herausgelöst und konsequent in operative Entscheidungen überführt – und wird so erstmals messbar wertschöpfend. 

Insight #2: Konsolidierung hat begonnen und wird sich beschleunigen

Auch wenn der ESG Techradar auf den ersten Blick voller wirkt als je zuvor und weiterhin neue Anbieter in den Markt drängen, setzt bereits eine klare Konsolidierungsbewegung ein. Sichtbar wird dies sowohl durch klassische Übernahmen wie Novisto durch Minimum und Atlas Metrics durch Novata als auch durch strategische Zusammenschlüsse und Partnerschaften, etwa zwischen Makersite und SiGREEN. Diese Entwicklungen markieren erst den Anfang einer Marktbereinigung, die sich in den kommenden Jahren weiter beschleunigen dürfte. 
 
Eine Konsolidierung ist kaum vermeidbar. Die zunehmende regulatorische Komplexität erfordert Skaleneffekte, während Anwender zunehmend integrierte Plattformen statt fragmentierter Insellösungen erwarten. Gleichzeitig senkt der Einsatz von GenAI die Kosten für grundlegende ESG-Funktionalitäten erheblich, wodurch Differenzierung über reine Basistools immer schwieriger wird. 
 
Für Anwender bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: weniger Anbieter, dafür leistungsfähigere und stärker integrierte Lösungen, ausgeprägtere Plattformlogiken sowie langfristig stabilere Softwarelandschaften. Für Softwareanbieter hingegen steigt der Druck, ihre Positionierung klar zu schärfen und überzeugend zu beantworten, worin ihr tatsächlicher Mehrwert liegt – jenseits von Reporting und Standardfunktionen. 

Insight #3: Datenökosysteme werden zum neuen Wettbewerbsfaktor

ESG-Software wird vernetzter. Viele Anbieter bauen heute Datenökosysteme, die den Austausch zwischen Unternehmen, Lieferanten und Partnern ermöglichen. 
Dabei zeigen sich deutliche Reifeunterschiede: 

  • Einige Lösungen erlauben nur den Austausch einzelner Werte (z. B. ein PCF‑Wert). 
  • Andere entwickeln sich hin zu interoperablen Datenformaten, die mehrere Attribute, Versionen und Kontexte abbilden können. 

 Langfristig wird nicht die schönste Oberfläche gewinnen, sondern die Lösung, die: 

  • anschlussfähig an andere Systeme ist, 
  • Standards unterstützt, 
  • und echte Kollaboration entlang der Lieferkette ermöglicht.

Der ESG Techradar als Einladung zum Dialog  

Genau aus dieser Überforderung heraus ist der ESG Softwarefinder von ESRS Services entstanden. In vielen Gesprächen mit Nachhaltigkeitsmanagern zeigt sich ein wiederkehrendes Bild: Der Markt ist unübersichtlich. Es gibt eine Vielzahl an ESG-Tools, doch echte Vergleichbarkeit fehlt. Gleichzeitig sind belastbare, ehrliche Erfahrungsberichte aus der Praxis selten. Genau diese Kombination aus Tool‑Überangebot, fehlender Orientierung und mangelndem Austausch macht fundierte Entscheidungen schwierig. 
 
Der ESG-Softwarefinder unterstützt Nachhaltigkeitsmanager , indem er über 250 ESG-Softwarelösungen von Reporting über Carbon Management bis Kreislaufwirtschaft auflistet.  
Mehr als 60 Vergleichskriterien ermöglichen eine fundierte Shortlist‑Generierung. 
 
Der ESG Techradar 2026 erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber: Er hilft, Gespräche zu führen. Entscheidungen einzuordnen. Muster zu erkennen. Oder wie es zu Beginn eingeleitet wurde: Eine unübersichtliche Karte ist besser als keine. Wenn Sie sich im ESG-Tool‑Dschungel orientieren möchten, laden wir Sie ein, mitzudiskutieren und Ihre Erfahrungen zu teilen. Denn nachhaltige Transformation gelingt nicht allein – sondern im Austausch. 
 
Über den ESG Techradar: 
Der ESG Techradar 2026 ist keine klassische Marktstudie und kein Ranking. Er ist eine Momentaufnahme – unvollständig, nicht perfekt. Entstanden ist der Techradar in enger Zusammenarbeit zwischen Lina Kindermann von Greensysco und ESRS Services – der Informationsplattform für Nachhaltigkeitsmanager. 



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