Gründerstory

Steuern mit Herzblut und Feierabend

Steuerberaterin Daniela Sadlauer und Personalverrechnerin Claudia Rauter gründen in Linz eine Kanzlei, die anders tickt: keine Überstunden, kein Konzerndenken, dafür echte Zusammenarbeit zwischen Steuerrecht und Lohnbuchhaltung.

LED Schild

"Wir wollen nicht reich werden, sondern mit Herzblut arbeiten können und daneben auch noch Zeit zum Leben haben", sagt Steuerberaterin Daniela Sadlauer, wenn man sie fragt, mit welchem persönlichen Ziel sie die Hallo Steuer Unternehmens- und Steuerberatungs GmbH Mitte Februar 2026 gegründet hat. Obwohl in Gründung, arbeitete sie jetzt schon weniger als zuvor, mehr als 40 Stunden sollen es nicht werden, auch den Besuch von Abendveranstaltungen schreibt die Steuerberaterin als Stunden mit auf.

Jahrzehntelang war das Arbeitsleben der Niederösterreicherin ganz anders getaktet: Überlange Bürotage, hohe Arbeitsdichte, keine Energie mehr für andere Dinge. Als dann die mittelständische Kanzlei, in der Sadlauer tätig war, von einem Konzern aufgekauft wurde, änderten sich die Bedingungen noch einmal. "Du musst dich sowieso schon nach so vielem richten, wenn du Steuern machst, da brauchst du nicht noch künstliche Hürden bei Entscheidungen oder Vorgaben, wie du zu sein hast."

 

Eine Auffassung, die auch ihre langjährige Freundin, Claudia Rauter, teilt. In den 2010er Jahren lernen sie sich bei der Beschäftigung in derse lben Kanzlei kennen, arbeiten knapp drei Jahre lang zusammen. Rauter wechselt die Kanzlei, die Freundschaft bleibt, ebenso das, was sie verbindet: die Leidenschaft für Steuern und Lohn. Denn Rauter ist Personalverrechnerin, in Deutschland nennt sich dieser Beruf Lohnbuchhalterin, und fachsimpelt gern mit der Steuerberaterin über die Schnittstellen und die fachlichen Herausforderungen.

Nur Lohn und Steuern im Kopf

"Immer wenn wir zu viert mit unseren Partnern unterwegs waren, haben die bald die Augen verdreht, wenn wir wieder angefangen haben", sagt Sadlauer. Die Unzufriedenheit nach der Kanzleiübernahme ist ein großes Thema zwischen den beiden Frauen, auch Rauter ist unzufrieden in ihrem Job, vor allem wegen der übermäßigen Arbeitsbelastung. "Es waren normalerweise weit über 40 Stunden, intensive Arbeitstage, nach denen ich erledigt war und sich deshalb gesundheitliche Probleme einstellten", erinnert sie sich.

Das müsste man alles anders machen, so die einhellige Meinung der beiden. Eines Abends steht dann plötzlich der Gedanke im Raum: "Warum machen wir es nicht einfach selbst?" Dabei, sagt Sadlauer, habe sie als junge Frau keinen großartigen Plan vom Leben gehabt, nach der Matura, dem österreichischen Abitur, schnell eine Anstellung in einer Kanzlei gefunden, zunächst in der Verwaltung, anschließend im Rechnungswesen gearbeitet, die Ausbildung zur Bilanzbuchhalterin absolviert und schließlich ein Studium angeschlossen, da Steuern ihr Herzensthema geworden waren. "Eines wusste ich zu dieser Zeit: Selbstständig machen will ich mich nie", sagt sie.

Interdisziplinär ganz anders

Doch nach dem denkwürdigen Abend kommt es anders, beide Frauen lässt der Gedanke nicht mehr los, sie überlegen, hin und her, rechnen finanzielle Aspekte durch und fragen sich intensiv, "ob wir uns das wirklich antun wollen", so Sadlauer. Sie tun es, und treffen auf unerwartete bürokratische Hürden. Denn die Vision der Gründung ist es, Personalverrechnung und Steuerberatung nicht zufällig nebeneinander gemeinsam anzubieten, sondern intensiv zusammenzuarbeiten.

Daniela Sadlauer

"Das ist normalerweise nicht der Fall, die Steuerberater denken, sie können das schon, schaffen für die Mandantschaft Strukturen oder unterstützen bei Gehaltsmodellen, die so in der Praxis auf dem Schreibtisch des Personalverrechners dann gar nicht funktionieren", erklärt Rauter. Ein typischer Fall, bei dem es oft Schwierigkeiten gebe, seien Gesellschafter-Geschäftsführer von GmbHs. Was also ergibt mehr Sinn, als im Vorfeld die beiden Fachkompetenzen aus Steuerrecht und Lohnbuchhaltung zu verbinden?

Doch die Verwaltungsbürokratie und das Standesrecht in Österreich fragen nicht nach Sinn, sondern setzen den Buchstaben des Gesetzes um. Und das besagt im Fall der beiden Frauen: Claudia Rauter kann als Nicht-Berufsangehörige nicht Gesellschafterin einer Steuerberatungs-GmbH werden, möglich ist das erst, wenn sie den Status einer Bilanzbuchhalterin erreicht hat. Also büffelt Rauter: absolviert nach 20 Jahren Hands-on-Personalverrechnungsjob im Dezember 2025 zunächst die Fachprüfung zu Personalverrechnerin, im ersten Halbjahr 2026 folgt die zur Bilanzbuchhalterin. Dabei hat sie einen Uniabschluss in Arbeitsrecht, das sie zwischen 2019 und 2022 studiert hat.

Handschlagqualität für die Zukunft

Alles hinfällig, es zählt allein die Bestellung zur Bilanzbuchhalterin. "Es ist absurd", sagt Sadlauer, "ich dürfte das alles beraten, obwohl ich lediglich einen Fünf-Stunden-Kurs inklusiv einer kleinen Prüfung absolviert habe, Claudia mit ihrer gesamten Kompetenz aber nicht." Noch laufen die Bestellungsprozesse, die den Prüfungen folgen, deshalb ist Rauter derzeit noch als Mitarbeiterin der Kanzlei angestellt. "Wir hoffen, dass es bis Jahresende alles durch ist und Claudia endlich Gesellschafterin werden kann", so Sadlauer.

Dieses Vorhaben, den Einstieg von Rauter in die Gesellschaft, haben die Frauen nicht vertraglich abgesichert, "es gibt kein Schriftstück, das dies besagen würde, es hat Handschlagqualität", so Rauter. Ganz blauäugig sei man aber nicht in die Partnerschaft gegangen, so Sadlauer. Gleich zu Beginn habe man eine Wirtschaftsmediatorin beauftragt, mit ihr auch Szenarien erarbeitet, wie man vernünftig wieder auseinandergehen könne, sollte die Strategie nicht aufgeben. "Abgemacht ist, dass wir uns wieder an die Mediatorin wenden, falls sich eine von uns nicht mehr wohlfühlen sollte und alles in der Kommunikation klären", sagt die Steuerberaterin.

Claudia Rauter

Derzeit sieht es überhaupt nicht danach aus, die ersten Erfolge haben sich eingestellt, zwar mussten sämtliche Mandate neu gewonnen werden, da in Österreich eine Sperre nach dem Ausscheiden aus einer Kanzlei gilt. Rauter akquiriert über Social Media, Sadlauer besucht Veranstaltungen und überzeugt dort vor allem Gründerinnen und Gründer. "Das ist super, weil wir hier unser Know-how aus der eigenen Erfahrung auch gleich noch weitergeben können", sagt sie. Eine Zielgruppe habe die Kanzlei gleichwohl: "Es ist keine bestimmte Branche, keine bestimmte Unternehmensgröße, sondern unser Wunschmandant soll aufrichtig und motiviert sein, umsetzbare Ideen und klare Ziele haben. Dann passt er zu uns."

Beratung von Kolleginnen und Kollegen

Nicht nur in diesem Anspruch, auch in ihrem generellen Marktauftritt unterscheidet sich die Kanzlei von anderen, Hallo Steuer – das ist nicht nur der Name der GmbH, sondern auch ihre Mission. Den Mandanten wirklich auf Augenhöhe begegnen, runterkommen vom Hohen Ross der Steuerberatung, das ist Sadlauer wichtig. "Außerdem haben wir keinerlei Konkurrenzdenken, wir wollen niemandem etwas nehmen, das unterscheidet uns vielleicht auch noch von anderen", sagt sie.

Nicht zuletzt deshalb hat sie ein Zertifikat mit dem Titel "StB-Fibu-Klientenbetreuer" ihres Kanzleisoftwareanbieters erworben. "Ich bin großer Fan dieses Buchhaltungsprogramms, in dem unheimlich viele Beratungsmöglichkeiten stecken", sagt sie. Durch die Qualifizierung ist sie nun in der Lage, Berufskolleginnen und Kollegen im gesamten DACH-Raum zu unterstützen, damit sie mehr aus ihrem Programm herausholen können. "Es ist mir wichtig, dass alle besser beraten können, dazu bedarf es der Prozessoptimierung, die ich unterstütze", sagt sie, das schaffe letztlich mehr Nutzen für die Mandantschaft und mehr Freiraum für die Beraterinnen und Berater, den sie wie die beiden Gründerinnen für das "wirkliche Leben", wie Rauter sagt, nutzen können.

Leben und Leben lassen in Linz

Die Kanzleiräume liegen am Südwestrand von Linz, in Pasching, einer Gemeinde mit weniger als 10.000 Einwohnern, in der Mitte der beiden Privatwohnungen von Rauter und Sadlauer in einer Umgebung, die dazu einlädt, die Freiräume intensiv zu nutzen. Nach der Lernphase, die gerade erst zuende gegangen sei, habe sie zum ersten Mal wieder im Garten gelegen und entspannt ein nicht-fachliches Buch gelesen, berichtet Rauter. Sadlauer sagt, sie habe sich ein Fahrrad gekauft, um zum ersten Mal seit 20 Jahren wieder regelmäßig Sport zu treiben.

 

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