Rentenanpassung

Zusammenfassung

 
Begriff

Die Renten in der gesetzlichen Rentenversicherung werden in der Regel jeweils zum 1.7. eines Jahres entsprechend der Einkommensentwicklung angepasst. Die Rentenanpassung erfolgt, indem in der Rentenformel der bisherige aktuelle Rentenwert (West) oder aktuelle Rentenwert (Ost) durch einen neuen aktuellen Rentenwert bzw. aktuellen Rentenwert (Ost) ersetzt wird. Durch die Vervielfältigung mit

  • den persönlichen Entgeltpunkten,
  • dem je nach Rentenart unterschiedlichen Rentenartfaktor sowie
  • dem je nach Rentenbeginn individuellen Zugangsfaktor

wird der monatliche Betrag der Rente berechnet.

Im Rahmen des sogenannten Anpassungsverbundes folgen auch Leistungen in der Alterssicherung der Landwirte sowie in der Unfallversicherung der Entwicklung der Renten.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Die Rentenanpassung richtet sich nach den §§ 65, 68 und 68a SGB VI. Für die Bestimmung des aktuellen Rentenwerts (Ost) werden diese Vorschriften bis zum 1.7.2024 um die Besonderheiten der §§ 228b, 255a, 255c und 255d SGB VI ergänzt. Die Werte der Anpassungen werden jährlich durch eine Rechtsverordnung der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats oder in Ausnahmefällen durch ein Gesetz bestimmt.

1 Faktoren

Für die Anpassung der Renten durch die Neubestimmung des aktuellen Rentenwertes bzw. des aktuellen Rentenwertes (Ost) gilt eine Formel mit den folgenden Elementen:

  • Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer unter Berücksichtigung der tatsächlichen Einnahmesituation der Rentenversicherung;
  • Veränderung der Aufwendungen für die Altersvorsorge, dazu zählen neben der Veränderung des durchschnittlichen Beitragssatzes in der allgemeinen Rentenversicherung auch die Aufwendungen der privaten und betrieblichen Altersvorsorge;
  • Nachhaltigkeitsfaktor, der die Veränderung der Relation von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern auf die Rentenanpassung überträgt, sodass sowohl die Entwicklung der Lebenserwartung als auch die der Geburten und Erwerbstätigkeit berücksichtigt wird.

1.1 Lohnentwicklung

Basis für die Anpassung der Renten ist die Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer. Es handelt sich dabei um die Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer

  • der nach § 68 Abs. 2 Satz 1 SGB VI die durch das Statistische Bundesamt ermittelten Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer
  • ohne Personen in Arbeitsgelegenheiten mit Entschädigungen für Mehraufwendungen (sog. Zusatzjobs oder Ein-Euro-Jobs für Bezieher von Arbeitslosengeld II)
  • jeweils nach der Systematik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.

Da diese Werte durch den Einfluss auch nicht beitragspflichtiger Lohnbestandteile von den tatsächlichen beitragspflichtigen Einnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung abweichen, wird der Wert für die Veränderung der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer bestimmt

  • unter Berücksichtigung der Veränderung der beitragspflichtigen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer ohne Beamte
  • einschließlich der Bezieher von Arbeitslosengeld.

Beamte werden bewusst nicht berücksichtigt, um die Wirkung zu beobachten, die die Entwicklung der Arbeitsmarktlage auf die Einnahmesituation der gesetzlichen Rentenversicherung hat. Die erforderlichen Daten ergeben sich aus der Versichertenstatistik der Deutschen Rentenversicherung Bund.

1.2 Aufwendungen für die Altersvorsorge

Die durchschnittlichen Aufwendungen der Arbeitnehmer für die Altersvorsorge werden auf die Rentner wie folgt übertragen: Sowohl die Veränderung des durchschnittlichen Beitragssatzes der gesetzlichen Rentenversicherung als auch die Aufwendungen für private oder betriebliche Alterssicherung in Form des Altersvorsorgeanteils (AVA) bei der Rentenanpassung werden berücksichtigt.[1]

Der Wirkungsgrad der staatlich geförderten Altersvorsorge ("Riester-Rente") wird abstrakt in jeweils 0,5-Prozentpunktschritten bei der Rentenanpassung wiedergegeben. Die steuerliche Förderung der "Riester-Rente" erhöht sich alle 2 Jahre um einen Prozentpunkt, bis der angestrebte Eigenanteil der Arbeitnehmer für die zusätzliche Alterssicherung in Höhe von 4 % erreicht ist. Beginnend mit dem Jahr 2003 hätte die Übertragung im Jahr 2009 die Endstufe von 4 % erreicht. Die Aussetzung des Rentenanpassungstermins 1.7.2004 sowie die stärkere Anpassung der Renten in den Jahren 2008 und 2009 durch die Aussetzung des Formelelements führt dazu, dass die Endstufe erst im Jahr 2013 erreicht wurde. Diese steigenden Aufwendungen zur zusätzlichen Altersvorsorge bewirken im Zusammenwirken mit den übrigen Formelbestandteilen eine jährliche Dämpfung der Rentenanpassung um etwa 0,6 Prozentpunkte.

[1] § 68 Abs. 3 SGB VI.
[2]

1.3 Nachhaltigkeitsfaktor

Im Nachhaltigkeitsfaktor spiegelt sich die Entwicklung des Verhältnisses Relation von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern wider. Dies berücksichtigt sowohl den sich verändernden Altersaufbau der Gesellschaft als auch die Entwicklung der Geburten und der Erwerbstätigkeit. Der Nachhaltigkeitsfaktor kann die Rentenanpassung sowohl erhöhen als auch dämpfen. Weniger Beitragszahler verschlechtern die Relation zu den Rentenbeziehern und führen so zu geri...

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