06.05.2014 | Freihandelsabkommen

Krankenkassen für mehr Sicherheit bei Implantaten

Mehr Sicherheit durch strengere US-Standards bei Implantaten
Bild: Haufe Online Redaktion

Krankenkassen beklagen, dass Patienten in Deutschland nicht ausreichend vor Risiken durch Stents und andere Implantate geschützt werden. Aufgrund der strengeren US-Standards sehen die Kassen durch das Freihandelsabkommen nun Chancen für mehr Sicherheit.

Die deutschen Krankenkassen sehen Chancen für mehr Sicherheit bei Implantaten, Prothesen und anderen Medizinprodukten durch die Freihandels-Verhandlungen zwischen Europa und den USA. Das geht aus einem Brief der Vorsitzenden des Kassen-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, an EU-Handelskommissar Karel De Gucht hervor, der der Nachrichtenagentur dpa in Berlin am Sonntag vorlag. Bei den Verhandlungen über das Freihandels- und Investitionsschutzabkommen mit den USA (TTIP) wird aktuell auch über diese Themen beraten.

Krankenkassen setzen auf Verhandlungen über Freihandelsabkommen

Die Krankenkassen beklagen seit Jahren, Patienten in Deutschland würden nicht genügend vor Risiken durch Medizinprodukte geschützt. Aus Kassensicht verwenden Ärzte viele dieser Produkte zu oft, die hiesigen Zulassungsverfahren seien zudem zu lasch.

Nun setzen die Krankenkassen auf die TTIP-Verhandlungen. In Europa würden die Patienten profitieren, wenn Sicherheitsanforderungen an das entsprechende US-System angepasst würden, heißt es in einer Stellungnahme des Kassenverbandes. Verbandschefin Pfeiffer schrieb dazu an De Gucht: «Besonders der Marktzugang und die Überwachung sind nach unserer Auffassung in den USA besser und transparenter geregelt als in Europa.» US-Behörden veröffentlichten etwa wichtige Daten zu Sicherheit, Wirksamkeit und Einschränkungen der Produkte wegen möglicher Gefahren.

Zudem sei ein weltweit einheitliches System zur Identifizierung der Produkte durch Nummern ratsam. Bei Problemen mit einzelnen Produkten könnten betroffene Chargen schneller identifiziert werden. Ziel der Verhandlungen zwischen der EU und den USA ist der Abbau von Handelshemmnissen auch bei Medizinprodukten. Die gesetzlichen Kassen geben rund 18 Milliarden Euro pro Jahr für Medizinprodukte aus.

Kritik der Krankenkassen am Umgang mit Implantaten und Prothesen

Beispiel Wirbelsäulen-Versteifung: Dabei wird mit Implantaten aus Kunststoff oder Titan die Wirbelsäule stabilisiert. Wurden damit 2006 noch gut 10 000 Patienten in Deutschland behandelt, waren es fünf Jahre später schon mehr als 46 000. Gegen die Rückenschmerzen, mit denen die Betroffenen zum Arzt gegangen sind, hilft die Therapie nach Einschätzung der Kassen oft aber gar nicht.

Beispiel Herzklappenprothese: Statt über große Operationen können künstliche Herzklappen auch schonender über einen Katheter eingesetzt werden. Diese neuere Variante kann aber auch ein höheres Schlaganfallrisiko nach sich ziehen. Die Kassen kritisieren, dass trotzdem immer mehr Patienten damit behandelt werden.

Auch Stents bei verengten Blutgefäßen sowie neue Methoden etwa zur Behandlung eines Lungenemphysems (Überblähung der Lunge) oder bei Prostatakrebs sind in der Kritik der Krankenkassen. Sie monieren unter anderem, die Verfahren würden ohne ausreichende Erkenntnisse aus Studien in deutschen Kliniken angewendet.

Für Arzneimittel, die auch Gegenstand der TTIP-Verhandlungen sind, pochen die Kassen darauf, dass die in Deutschland geltenden Regeln zur Prüfung und zur Regulierung der Erstattungspreise erhalten blieben.

Schlagworte zum Thema:  Krankenkasse, Prothese, Implantat, Freihandelsabkommen, Arzneimittel

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