27.11.2013 | Korruption im Gesundheitswesen

Pharmaindustrie will Geschenke an Ärzte verbieten

Selbstkontrolle der Pharmaindustrie will Ärztegeschenke verbieten
Bild: MEV-Verlag, Germany

Die Pharmaindustrie will einen klaren Schnitt: Geschenke an Ärzte sollen verboten werden. Das Selbstverbot soll alle Geschenke und Zuwendungen an Ärzte betreffen. Mehr Transparenz zu Geldzahlungen an Ärzte soll das zuletzt beschädigte Vertrauen der Öffentlichkeit wieder stärken.

Viele Patienten waren verunsichert: Verschreibt mein Arzt ein Arzneimittel aus medizinischen Gründen? Oder weil der Arzneimittelhersteller den Arzt finanziell unterstützt hat? Die Pharmabranche verspricht für die Zukunft Zurückhaltung bei Geschenken und Transparenz zu Geldflüssen.

Verbot von Geschenken an Ärzte

Der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie, Holger Diener, verkündet am 26.11.2013, dass "ein klarer Schnitt gemacht werden soll". Das Verbot solle unter anderem Geschenke wie Kugelschreiber oder Schreibblöcke betreffen.

Transparenzkodex für Zahlungen an Ärzte

In einem 14-seitigen Kodex will die Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie festgelegen, dass Geldflüsse an Mediziner veröffentlicht werden müssen. Zu den Zahlungen an Ärzte zählen z. B. Beratungshonorare, Spenden oder die Finanzierung von Fortbildungsveranstaltungen.
Die Hauptgeschäftsführerin des Pharmaverbands vfa, Birgit Fischer, spricht von "einem Bewusstseinswandel auf breiter Front" bei den forschenden Pharma-Unternehmen. Der Transparenzkodex solle den Generalverdacht der Einflussnahme ausräumen, unter den das Zusammenwirken von Ärzten und Pharmaindustrie oft gestellt werde.

Zeitschiene zum Transparenzkodek der Pharmaindustrie

Geschenke sollen bereits ab dem 2. Halbjahr 2014 verboten werden. Geldleistungen und Zuwendungen an Ärzte sollen seitens der Pharmaunternehmen erstmals 2016 fürs Vorjahr dokumentiert werden. Die technischen Vorbereitungen in den Unternehmen benötigen die Vorlaufzeit.

Datenschutz: Ärzte müssen Namensnennung erlauben

Diener rief die Ärzteschaft auf, sich zur Nennung der Namen der Ärzte bereitzuerklären. Die Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie könne jedoch aus datenschutzrechtlichen Gründen Namen von Ärzten nicht gegen deren Willen veröffentlichen. Allerdings betonte Diener, dass "beide Seiten nichts zu verbergen hätten.

Geldflüsse von Pharmaherstellern an Ärzte

Es laufen stets zahlreiche kleine Studien, in denen Ärzte gegen Entschädigung Erfahrungen mit neuen Medikamenten bei ihren Patienten an die Hersteller melden. Fortbildungsveranstaltungen und Kongresse werden von Pharmaunternehmen gesponsert. Täglich besuchen tausende von Pharmavertretern Arztpraxen und bringen oft  kleine Geschenke mit.

Verbot der Einflussnahme per Gesetz

Verbreiteter Vorwurf an die Ärteschaft: Viele Arzneimittel würden auch mittels beeinflusster Ärzte breit angewendet, obwohl sie nicht für alle Patienten optimal seien. Womöglich entstünden dadurch sogar Risiken für Patieten.

Ärztekorruption als Straftatbestand

Union und SPD wollen mit einem neuen Gesetz verhindern, dass medizinische Entscheidungen aufgrund von Einflussnahme getroffen werden. Dazu soll ein neuer Straftatbestand der Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen im Strafgesetzbuch aufgenommen werden. Dies geht aus den Entwürfen für den Koalitionsvertrag hervor.

Schlagworte zum Thema:  Korruption, Arzt, Arzneimittel, Straftatbestand

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