16.05.2013 | Behandlungsfehler durch Ärzte

Operationen: Bei einem Drittel der Verdachtsfälle liegen Behandlungsfehler vor

Behandlungsfehler bei Therapien von Zähnen treten oft auf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Patienten haben sich in Deutschland mehr als 23.000 Mal wegen des Verdachts auf fehlerhafte Operationen und Therapien beschwert. Diese Anzahl an Vorwürfen ging 2012 allein bei den Krankenkassen und zuständigen Ärztestellen ein. Das Patientenrechtegesetz hat daran nichts geändert.

In knapp einem Drittel der untersuchten Fälle bestätigten die Gutachter den Verdacht auf Ärzte- und andere medizinische Fehler. Patienten riskieren in Operationssälen weiterhin oft «Pfusch am Bauch» - trotz aller Bemühungen um mehr Sicherheit.

Behandlungsfehler auch in Arztpraxen

Auch in den Arztpraxen ist man alles andere als jederzeit sicher. 3.932 Behandlungsfehler wurden allein von den Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) bestätigt - insgesamt dürfte es weit mehr als 7.000 bestätigte Fehler gegeben haben. Die MDK-Gutachter erstellten 12.483 Expertisen zu vermuteten Behandlungsfehlern in teils detektivischer Arbeit, wie der MDK am Mittwoch in Berlin mitteilte.

Pfusch im Operationssaal und schlechte Aktenführung

Auch Fälle von unzureichend geführten Akten nach Pfusch im Operationssaal seien aufgedeckt worden. Die Zahlen lagen leicht unter denen des Vorjahres. Bei den Gutachterstellen der Ärzte wurden 2012 zudem erneut Patienten in rund 11.000 Fällen vorstellig, wie aus Ärztekreisen zu erfahren ist. Auch hier liegt die tatsächliche Fehlerquote den Angaben zufolge bei rund einem Drittel der untersuchten Fälle. Die Ärzteschaft will ihre Daten offiziell im Juni vorstellen.   

Dauerhafte Beeinträchtigungen und Todesfälle

Fehlerhafte Behandlungen kamen laut MDK am häufigsten bei Therapien von Zahnmark und -wurzel vor, Hüft- und Knie-Operationen sowie Behandlungen von Karies und Brüchen. «Die Zahl der Vorwürfe und der nachgewiesenen Behandlungsfehler geht nicht zurück», sagte MDK-Expertin Astrid Zobel. «Es stehen auch schwere Schicksale dahinter bis hin zu Todesfällen oder dauerhaften Beeinträchtigungen.» Die Dunkelziffer ist hoch. Denn ungezählte Fälle bei Gerichten und Versicherungen kommen hinzu. Es wäre daher reine Spekulation, eine Gesamtzahl zu nennen, sagte Stefan Gronemeyer, Vize-Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Kassen-Spitzenverbandes.

Verdachtsfälle in Krankenhäusern

Insgesamt beanstandeten nach früheren Schätzungen rund 40.000 Versicherte pro Jahr ihre Behandlung bei Ärztestellen, Kassen oder direkt vor Gerichten. Rund zwei Drittel der Verdachtsfälle beim MDK beträfen die Krankenhäuser, ein Drittel die Praxen, sagte Zobel. Vor allem bei Operationen falle einfach häufiger auf, wenn etwas schief laufe. «Die Anzahl der Vorwürfe werden ganz klar angeführt von den operativen Fächern.» Orthopädie und Chirurgie führten mit fast 6.000 Vorwürfen die Liste an.  

Patientenrechtegesetz nicht ausreichend

Gronemeyer unterstrich, in vielen Fällen sei kein einzelner Behandler verantwortlich, sondern das gesamte Therapiemanagement. Zu den Problemen zählten fehlende Kontroll-Listen, mangelnde Absprachen oder schlechte Planung. «Wir brauchen eine neue Sicherheitskultur, die nicht nur ein Lippenbekenntnis bleibt», forderte er. Das Patientenrechtegesetz der Koalition, das vor rund 3 Monaten in Kraft trat, stärke zwar Fehlermelde-Systeme in Kliniken. Doch ein bundesweites Behandlungsfehler-Register fehle. Politik und Gesundheitssektor müssten mehr Wert auf die Probleme legen.

Schlagworte zum Thema:  Krankheit, Operation, Behandlungsfehler

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