Pharmabranche will Ärztezuwendungen veröffentlichen
Die forschenden Arzneimittelhersteller wollen ihre Zahlungen an Mediziner offenlegen. Basis soll ein freiwilliger Kodex für Transparenz bei den Zuwendungen werden. Krankenkassen und Ärzte begrüßten den vom Pharmaverband vfa angekündigten Schritt, der aber möglicherweise zu spät kommt.
Umsetzung des Transparenz-Kodex bis Ende 2013
Einen Transparenz-Kodex des europäischen Pharma-Dachverbands EFPIA soll es bis zum Sommer 2013 geben. «Derzeit beraten die Pharmaverbände über die nationalen Grenzen hinweg,» sagte vfa-Kommunikationschefin Susan E. Knoll. «Ab Anfang 2015 sollen alle Daten erfasst und ab 2016 veröffentlicht werden.» Für Deutschland läuft die Planung bis Jahresende 2013. Es gehe nicht schneller, da die Unternehmen für Umstellung oder Aufbau von Datensystemen Zeit benötigen.
«Das zeigt, wie ernst es den forschenden Pharma-Unternehmen mit dem Thema Transparenz ist», sagte Knoll.
Krankenkassen: Es ist höchste Zeit für mehr Transparenz
Der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz, hingegen meinte: «Es ist mehr als überfällig, dass die Pharmaindustrie endlich Klarheit schafft, warum und wie viel Geld sie extra an die einzelnen Ärzte zahlt.» Er forderte, dass jede Zahlung an Ärzte oder Krankenhäuser veröffentlicht werden sollte. Patienten müssten sich informieren können, ob sein Arzt für die Verschreibung zusätzliches Geld von einem Pharmaunternehmen bekommen habe.
Nun soll "alles" offengelegt werden
Der Geschäftsführer der Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie, Holger Diener, kündigte umfassende Veröffentlichungen an: «Die Spanne reicht von Honoraren für wissenschaftliche Vorträge über Vergütungen für Beratungsleistungen der Ärzte bis zu Einladungen zu wissenschaftlichen Kongressen.»
Urteil des Bundesgerichtshofs löste Diskussion aus
Korruption niedergelassener Ärzte ist nach geltendem Recht nicht strafbar - etwa die Annahme von Zuwendungen für die Verordnung bestimmter Arzneien, bestätigte der BGH im Sommer 2012.
Gesundheitsminister Daniel Bahr hat eine Gesetzesänderung angekündigt: Im Verdachtsfall sollen Staatsanwälte gegen Ärzte ermitteln können. Derzeit laufen nach Ministeriumsangaben Auswertungen von Regelungen in den Ländern und Ärztekammern.
Regelungen sind derzeit nicht eindeutig
Der Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, kritisierte: «Europa hat hinsichtlich der Transparenz von finanziellen Zuwendungen an Ärzte und Forschungseinrichtungen spät nachgezogen.» Das Vertrauen in den Arztberuf sei gefährdet und der geplante Kodex der Industrie könne nur ein erster Schritt sein. Es fehle an Regeln, was erlaubt sei.
Ein Vorzeigebeispiel sei die USA. Dort werde 2013 ein Register mit allen Zahlungen öffentlich.
Dagegen betonte Holger Diener, dass es unangemessen sei, von Missständen zu sprechen. Denn die bereits existierenden strengen Vorgaben etwa zu Geschenken an Ärzte würden weiterentwickelt. Es sei ein enormes Datenvolumen zu bewältigen, das 100-prozentig korrekt sein müsse.
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