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| Haftung bei Gefälligkeit

Wenn der Nachbar den Garten gießt und dabei das Haus überschwemmt

Danke Herr Nachbar, nochmal müssen Sie nicht gießen
Bild: Haufe Online Redaktion

Wer gießt im Urlaub den Garten? Wohl dem, der nette Nachbarn hat. Doch auch Nachbarschaftshilfe kann vor Gericht enden: Ein nicht abgedrehter Wasserhahn, an dem ein Gartenschlauch hängt, führt zu einer Überschwemmung. Muss der (un-)verantwortliche Nachbar haften?

Im vorliegenden Fall kümmerte sich der Beklagte während des Kuraufenthalts seines Nachbarn um dessen Haus. Unter anderem bewässerte er auch regelmäßig den Garten des Nachbarn, mit misslichen FolgenNachdem er den Garten mit einem Gartenschlauch gespritzt hatte, vergaß der Beklagte, die Wasserzufuhr abzudrehen. Stattdessen drehte er nur die am Schlauch befindliche Spritze ab. Mit weitreichenden Folgen.

Leitungswasser überschwemmt Untergeschoss

In der Nacht löste sich der unter Wasserdruck stehende Schlauch aus der Spritze. Das austretende Leitungswasser versickerte nicht etwa im Boden. Es floss in das Gebäude des im Kururlaub befindlichen Nachbarn und führte zu erheblichen Schäden im Untergeschoss (11.691 Euro).

  • Die Wohngebäudeversicherung des geschädigten Nachbarn regulierte den Schaden vollständig machte dann bei dem Nachbarschaftshilfe Leistenden den Betrag geltend.
  • Doch dessen Haftpflichtversicherung weigerte sich, für den Schaden aufzukommen.

Nachbar handelte nur einfach fahrlässig

Zu Recht, wie das OLG Koblenz entschied. Anders als in der Vorinstanz kam das Gericht zu der Einschätzung, dass der Beklagte nicht haftet, da er nur einfach fahrlässig gehandelt habe (mittlere Fahrlässigkeit), seine Haftung aber auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränkt ist.

Gegen eine grobe Fahrlässigkeit sprechen nach Ansicht des Gerichts folgende Punkte:

  • Zwar war für den Nachbarn objektiv vorhersehbar, dass die zugedrehte Spritzdüse dem Wasserschlauch nicht standhalten und somit Leitungswasser austreten könnte
  • Auch ein sog. Augenblicksversagen kommt nicht in Betracht. Schließlich hatte der Beklagte Zeit, über erforderliche Maßnahmen zur Vorsorge nachzudenken und diese zu ergreifen
  • Der Schadenseintritt, also der Eintritt des Wassers in das Gebäude, war dennoch nicht voraussehbar
  • Denn es war nicht naheliegend, dass das austretende Wasser ins Untergeschoss des Hauses fließen und dort zu einem  Wasserschaden führen würde.
  • Dass das Wasser zu einem derartigen Schaden führte, lag an den spezielle Boden- und Gebäudeverhältnissen, mit denen der Beklagte nicht rechnen konnte

Fazit:

Bei einer typischen alltäglichen und unentgeltlichen Gefälligkeit unter Nachbarn greift eine Begrenzung der Haftung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit.

(OLG Koblenz, Urteil v. 07.07.2015, 3 U 1468/14).

Vgl. auch:

Nasse Wand in der Duschecke – muss die Versicherung zahlen?

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Hochwasserschaden - wann zahlt die Gebäude-,  wann die Hausratversicherung?

Haufe Online Redaktion

Haftung, Wasserschaden, Wohngebäudeversicherung

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