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"Personal-Profis, die Geflüchtete unterstützen"

Thomas Batsching ist Initiator von HR-Integrate, einem Mentoring-Programm für Flüchtlinge.
Bild: privat

Die Initiative HR-Integrate bietet eine Plattform, auf der Geflüchtete, die eine Arbeitsstelle suchen, und Personaler in Kontakt treten können. Ziel ist, dass Personaler Flüchtlinge auf ihrem Weg in den deutschen Arbeitsmarkt begleiten. Initiator Thomas Batsching über das Mentoring-Konzept.

Haufe Online-Redaktion: Wie hoch ist die Nachfrage von Unternehmen nach Arbeitssuchenden, die aus ihren Heimatländern geflohen sind? Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beschäftigen aktuell nur etwas mehr als acht Prozent der Unternehmen in Deutschland Flüchtlinge oder haben dies in den vergangenen zwei Jahren getan.

Thomas Batsching: Nach der "Willkommenseuphorie" im Sommer 2015 dachten alle, dass die Nachfrage der Unternehmen sehr hoch sei. Das war leider nicht so. Es wurden eher weniger Geflüchtete eingestellt. Derzeit stellen wir aber einen Anstieg bei der Beschäftigung von Geflüchteten fest. Insofern sind Unternehmen bereit, Geflüchtete einzustellen, wenn sie gut Deutsch sprechen und wenn die Qualifikation passt.

Haufe Online-Redaktion: Ihre Initiative HR-Integrate hat das Ziel, Geflüchtete, die eine Arbeitsstelle in Deutschland suchen und sich qualifiziert bewerben wollen, sowie Personaler, die diese Arbeitssuchenden persönlich unterstützen wollen, zusammenzuführen. Wie funktioniert diese Art des Mentorings?

Batsching: Eigentlich funktioniert das ganz einfach: Geflüchtete und Personaler registrieren sich auf der Plattform www.hr-integrate.com und nehmen dann gegenseitig Kontakt auf. Bei einem persönlichen Treffen verabreden sie dann – wenn alles passt – zusammen daran zu arbeiten, dass der oder die Geflüchtete eine Arbeitsstelle in Deutschland findet. Das kann manchmal, aber eher selten, ganz schnell gehen. Üblicherweise dauern das Mentoring und die Arbeitssuche eine ganze Weile.

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HR-Integrate ist als Pro-bono-Initiative ohne wirtschaftliche Interessen deutschlandweit tätig. Durch unsere Netzwerke haben wir bundesweit Zugang zu HR-Profis und zu regionalen Initiativen. Das wollen wir für die Geflüchteten nutzbringend einsetzen.

Haufe Online-Redaktion: Wie viele Mentoren haben sich bislang zur Verfügung gestellt? Gibt es schon Mentor-Mentee-Paare?

Batsching: Deutschlandweit haben sich bereits mehr als 30 Personaler als Mentoren zur Verfügung gestellt. Da die Nachfrage nach Betreuungen sicherlich noch steigen wird, freuen wir uns über weitere Personal-Profis, die Geflüchtete unterstützen wollen. Es gibt bereits einige Mentor-Mentee-Paare, beispielsweise mit einem Biochemiker in Süddeutschland oder mit IT-Experten an unterschiedlichen Orten in der Bundesrepublik.

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Haufe Online-Redaktion: Kann ich als Personaler auch teilnehmen, wenn ich nur ein begrenztes Zeitbudget habe?

Batsching: Ja, natürlich! Genau das ist einer der Vorteile von HR-Integrate. Auch Personal-Profis mit geringem Zeitbudget können teilnehmen. Wichtig ist, mit dem oder der Mentee über die begrenzten Kapazitäten zu sprechen und die passenden Absprachen zu treffen. Dann wird das gut funktionieren.

Haufe Online-Redaktion: Welche Unterstützung bieten Sie mir Ihrer Erfahrung als internationaler Personalmanager?

Batsching: Da Personal-Profis Expertise in Sachen Qualifizierung, Bewerbung et cetera mitbringen, setzen wir auf deren Wissen und Erfahrung. Daher ist keine große Unterstützung notwendig. Wir unterstützen aber beim Vernetzen mit Unternehmen und mit anderen Initiativen. Und wir machen die Initiative HR-Integrate bei unterschiedlichen Partnern bekannt.

Thomas Batsching hat unter anderem bei M+W Asia, der Mann + Hummel Group und Bauknecht Hausgeräte Erfahrung in HR-Management-Positionen gesammelt. Seit 2012 ist er als Berater in Karlsruhe tätig.  

Das Interview führte Daniela Furkel, Redaktion Personalmagazin.

 

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Schlagworte zum Thema:  Personalmanager, Flüchtlinge, Mentoring

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