So gelingt generationenübergreifende Zusammenarbeit
Während 71 Prozent der jungen Beschäftigten glauben, dass es in der Arbeitswelt generell einen Generationenkonflikt gibt, bestätigten lediglich 31 Prozent diese Einschätzung für ihr eigenes Unternehmen. Demnach sind Konflikte eher ein Medienphänomen und seltener in der betrieblichen Realität zu finden.
Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der aktuellen Studie "Generationendialog statt Generationenkonflikt: Erkenntnisse und Potenziale für die Arbeitswelt von morgen" der Charta der Vielfalt e. V. Darin wurden das Thema Generationenmanagement und die Bedeutung generationenübergreifender Zusammenarbeit für die moderne Arbeitswelt untersucht.
Generationenkonflikte widerlegt
Der Analyse zufolge existieren bei den unterschiedlichen Altersgruppen zwar gegenseitige Vorurteile und Klischees, diese sind aber nicht besonders stark ausgeprägt. Entsprechend gering dürften auch die Barrieren sein, diese zu überwinden.
Entscheidend für mögliche Konflikte sind die unterschiedlichen Rollen in Organisationen, die Personen in bestimmten Altersphasen einnehmen. Denn Erwartungen, Haltungen und vor allem Erfahrungen ändern sich im Laufe eines Arbeitsverhältnisses. Gängige Generationsmodelle wie "Gen X, Y, Z", die in den Medien weit verbreitet sind, vernachlässigen diesen Aspekt komplett.
Generationenübergreifende Zusammenarbeit und Wissenstransfer
Dennoch identifiziert die Analyse einen klaren Handlungsbedarf zur Verbesserung der intergenerationellen Zusammenarbeit. So wünschen sich junge Mitarbeitende mehr Eigenverantwortung und einen klaren Karriereweg. Dies steht im Gegensatz zur Wahrnehmung der Führungskräfte, die davon ausgehen, ausreichend Möglichkeiten zu bieten. Hier zeigt sich ein Bedarf an besserer Kommunikation und einer gezielten Förderung jüngerer Talente.
Ein zentrales Ziel des Generationenmanagements ist der Wissensaustausch zwischen jungen und älteren Beschäftigten. Die Studie zeigt jedoch, dass die Richtung des Transfers häufig von "Alt zu Jung" verläuft. Während junge Beschäftigte in ihren Unternehmen eher kreative Impulse einbringen, zeigt sich ein Defizit an strukturierten Maßnahmen für einen gezielten Wissenstransfer. Die Studie empfiehlt daher den Ausbau von Mentoring-Programmen und die Einführung von Reverse Mentoring, um diesen Austausch aktiv zu fördern.
Altersdiversität stärkt sozialen Zusammenhalt
Altersdiversität wird in allen Befragten-Gruppen als wertvolles Gut betrachtet, das den Zusammenhalt im Team stärkt und die Identifikation mit dem Unternehmen fördert. Die Studie zeigt, dass 62 Prozent der jungen Mitarbeitenden Diversity als einen wichtigen Wert ansehen und dass gerade generationenübergreifende Projekte das Gemeinschaftsgefühl positiv beeinflussen. Organisationen profitieren langfristig, wenn sie gezielt in Programme investieren, die den sozialen Austausch und gegenseitigen Respekt fördern.
Diversity als strategischer Erfolgsfaktor
80 Prozent der Führungskräfte, deren Unternehmen die Charta der Vielfalt unterzeichnet haben, betrachten Diversity als wesentlichen Erfolgsfaktor. Sie berichten, dass Diversity-Maßnahmen nicht nur Innovation und Kreativität steigern, sondern auch die Arbeitgeberattraktivität nachhaltig stärken. Dies bestätigt die Bedeutung von Diversity als strategischen Vorteil und nicht nur als reine Imagepflege.
Studie gibt konkrete Empfehlungen für die Praxis
Die Studie greift Erkenntnisse aus den Projekten des Wettbewerbs "Diversity Challenge" auf, an dem sich von 2018 bis 2023 rund 1.890 junge Talente im Alter von 16 bis 27 Jahren beteiligten. Sie gibt konkrete Empfehlungen für ein modernes Generationenmanagement, das sowohl Wissensaustausch als auch Inklusion im Arbeitsumfeld fördert.
Unterstützt wurde das Studienprojekt durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). "Diese Studie ist ein Kompass für alle, die heute Impulse für Veränderung setzen wollen und nach Handlungsansätzen suchen. Sie hilft, Diversity als transformative Kraft in der Arbeitswelt zu nutzen - damit sich die Vielfalt unserer Gesellschaft in Zukunft noch stärker in Arbeitsplätzen widerspiegelt", so Sven Lehmann, Parlamentarischer Staatssekretär im BMFSFJ.
Ausblick: Best-Practice-Datenbank ab 2025 verfügbar
Als Ergänzung zur Studie wird im Frühjahr 2025 eine öffentliche und kostenfreie Best-Practice-Datenbank veröffentlicht, die konkrete Fallbeispiele und bewährte Methoden für ein erfolgreiches Generationenmanagement bereitstellt. Diese Ressource soll Unternehmen eine praxisnahe Orientierungshilfe bieten und sie darin unterstützen, nachhaltige Diversity-Maßnahmen zu etablieren.
Das könnte Sie auch interessieren:
So gelingt generationenübergreifende Führung
Von falschen Generationenkonflikten zu intergenerativer Zusammenarbeit
So funktioniert Reverse Mentoring
Kompetenztransfer von Älteren zu Jüngeren
-
Wenn KI das Coaching übernimmt
37
-
Die besten Business Schools für Master in Management
33
-
Nicht jeder Change ist eine Transformation
28
-
Die verschiedenen Führungsstile im Überblick
21
-
MBAs zum Schnäppchenpreis
21
-
Microlearning: Beispiele, Nutzen und Kosten im Überblick
16
-
Investitionen in Weiterbildung nehmen zu, aber verpuffen
16
-
Kooperativer Führungsstil
15
-
Weiterbildungsplattform "Mein NOW" bleibt hinter Erwartungen zurück
15
-
Sieben Tipps für den Start in eine Führungsposition
15
-
Wie Zertifikatskurse Führungskräfte gezielt weiterbilden
28.04.2026
-
Lernökosysteme – wie Lernen zum lebenden System wird
28.04.2026
-
Wenn "exponentielle Leistung" zur Überlebensfrage wird
24.04.2026
-
Der Markt für Lernplattformen wächst weiter
23.04.2026
-
KI treibt den Markt für digitales Lernen
22.04.2026
-
Selbstwirksamkeit als Schlüssel für den Lerntransfer
22.04.2026
-
Podcast Folge 79: Podium der ZP Nord zu Transformation und Führung
21.04.2026
-
Digitale Weiterbildung als System- und Überlebensfrage
20.04.2026
-
Jetzt auf den Coaching- und Training-Award des DVCT bewerben
15.04.2026
-
Microlearning: Beispiele, Nutzen und Kosten im Überblick
10.04.2026