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| Doping am Arbeitsplatz

Zukunftsforscher: "Hirndoping wird zum großen Trend"

Sven Gábor Jánszky, Direktor des Trendforschungsinstituts "2 B Ahead Think Tank"
Bild: Sven Gábor Jánszky

Der Doping-Bericht hat heiße Debatten im Sportmanagement ausgelöst. Für Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky ist Doping aber nicht nur Sache des Sports, sondern er hält das Thema für den prägendsten Trend der Gesellschaft. Im Interview erklärt er zudem, warum deutsche Manager dopen.

Die chemische Leistungsmanipulation scheint im Sport ungebrochen zu sein, zeigt die Studie über das Doping im westdeutschen Sportsystem. Kann dieser Trend auch auf andere gesellschaftliche Bereiche übergreifen?

Sven Gábor Jánszky: Der Trend hat schon längst übergegriffen. Die Optimierung seines Körpers ist vermutlich das Ziel des Menschen seit es ihn gibt. Schon der wöchentliche Gang ins Fitnessstudio oder der Friseurbesuch sind Methoden der Körperoptimierung. Doch auch die chemischen Manipulationen sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das beginnt mit der Tasse Kaffee am Morgen zum wach werden, geht über den Joghurt, der Manager für die nächsten Stunden einer Verhandlung etwas schneller im Kopf sein lässt und endet beim Energydrink, der einen nachts länger durchhalten lässt. Das ist alles nichts Neues. Wir Trendforscher erwarten, dass in wenigen Jahren nahezu die Hälfte aller Lebensmittel aus "Functional Food" besteht. Die machen nicht nur satt, sondern haben auch eine sinnvolle Nebenwirkung. Wir werden eine Gesellschaft der Doper.

Die Einnahme solcher Mittel ist allerdings nicht verboten im Gegensatz zu den Dopingfällen im Sport. Ist also eine mithilfe eines Energydrinks bestandene Klausur zumindest moralisch genauso verwerflich wie ein pharmazeutisch beeinflusster Weltrekordlauf?

Jánszky: Der entscheidende Unterschied ist die Wettkampfsituation. Wenn im Sport Mann gegen Mann läuft, dann ist die Manipulation verwerflich, wenn nicht alle gedopt sind. Dieses Erschleichen eines Vorteils ist aus meiner Sicht der einzige Grund, warum der Sport so harsch gegen Doping vorgeht. Wenn wir aber nicht in Wettkampfsituationen sind, sondern nur für uns allein das Beste aus uns herausholen wollen, dann haben wir in der Gesellschaft kein Problem damit. Dies tut eine Masse an Freizeitsportlern in Fitnessstudios, dies tut eine Masse der Studenten beim Klausuren schreiben. So lange wir damit keinem anderen schaden, ist das kein Problem. Oder anders gesagt: Wenn Sportler nur zuhause im Fitnesscenter dopen und nie einen Wettkampf bestreiten, würde sich niemand darum scheren.

Studenten oder Manager stehen doch auch im Wettstreit miteinander, sei es um die besten Noten, die zum besseren Job führen oder um den nächsten Auftrag, der zur nächsten Beförderung führt.

Jánszky: In meiner Wahrnehmung ist das Schreiben einer Klausur der Kampf eines Menschen gegen eine bestimmte Norm, also in diesem Fall eine Note. Wenn ich mich optimiere, um diese Norm zu erreichen, dann schade ich keinem anderen. Das kann man natürlich anders sehen, denn es entsteht natürlich irgendwann ein sozialer Druck auf die wenigen Dopingverweigerer. Darüber müssen wir eine gesellschaftliche Debatte führen und die Konsequenz wären irgendwann Dopingtests vor Prüfungen. Die wahrscheinlichere Folge wird jedoch eher sein, dass die Leistungen an Universitäten steigen und die Normen ganz einfach angepasst werden müssen.

In Umfragen steigt die Zahl der Studenten, die zu leistungssteigenden Mitteln greifen mit schöner Regelmäßigkeit an. Wohin führt das in unserer Lern- und Arbeitswelt?

Jánszky: Die wirkliche Neuerung ist, dass wir langsam verstehen, dass Doping nicht nur im Körper geht, sondern auch im Hirn. Hirndoping wird zum großen Trend der kommenden Jahre. Es sind ja nicht nur die Studenten. Ich halte viele Reden im Management von Unternehmen. Jedes Jahr hören da etwa 20.000 Menschen zu. In jeder dieser Reden stelle ich eine Frage: Wer von Ihnen würde Hirndoping nutzen, wenn es keine Nebenwirkungen hätte. Die Antwort ist absolut konstant. Zwischen 70 und 80 Prozent sagen sofort ja, nur 20 Prozent lehnen es strikt ab. An diesem Verhältnis sieht man die wirtschaftlichen Potenziale dieses Trends sehr gut. Für die Mehrheit der Menschen wird es in zehn Jahren völlig normal sein, Nahrungsmittel zu konsumieren, die den Körper gesünder, schöner und leistungsfähiger machen.

Haufe Online Redaktion

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