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Groß angelegte Studie: Wie HR-Maßnahmen auf den Wirtschaftserfolg wirken

Wie wirken HR-Maßnahmen auf Arbeitsqualität und Wirtschaftserfolg? Das untersucht eine neue Längsschnittstudie.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Von Weiterbildung bis Vergütung: Das Personalmanagement verfügt auf zahlreichen Feldern über vielfältige Instrumente, um Arbeitsbedingungen zu beeinflussen. Wie sich deren Einsatz auf die Arbeitsqualität auswirkt, untersucht eine neue Längsschnittstudie. Erste Ergebnisse liegen nun vor.

"Systematisches Personalmanagement ist positiv mit dem Engagement der Mitarbeitenden und deren Bindung an den Betrieb verbunden. Das zeichnet sich schon in der ersten Befragungswelle der Studie ab", so Dr. Susanne Steffes, Senior Researcher am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW). Sie ist Mitglied im Forschungsteam der Längsschnittstudie "Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg", die vom Bundesarbeitsministerium und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gefördert wird. Es handelt sich nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums um einen in Deutschland bisher einzigartigen Datensatz.

Bestandsaufnahme belegt wachsende Sorge um Fachkräftemangel

Die Erkenntnisse der ersten Erhebungswelle stellen zunächst vor allem eine Bestandsaufnahme der genutzten Personalinstrumente zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften dar. Die Forscher können damit belegen, dass mehr als jeder zweite deutsche Betrieb (60 Prozent) für die kommenden zwei Jahre mit einer Verschärfung von Fachkräfteengpässen und mit einem verstärkten Wettbewerb um die besten Köpfe rechnen. Die Folge: Um Mitarbeitende zu rekrutieren und zu binden, setzen nicht nur große, sondern auch kleine und mittelständische Betriebe mehrheitlich auf gezielte Personalplanung. Dementsprechend verfügen fast zwei Drittel der Betriebe über Personalpläne, jedoch plant nur jeder fünfte Betrieb (22 Prozent) länger als drei Jahre im Voraus.

"Das Thema Mitarbeiterbindung wird angesichts drohender Fachkräfteengpässe immer mehr in den Vordergrund rücken", erläuterte Professor Dirk Sliwka, Lehrstuhlinhaber des Seminars für Personalwirtschaftslehre an der Universität zu Köln und Mitglied des Forschungsteams, bei der Veröffentlichung der Ergebnisse.

Weitere zentrale Ergebnisse der Studie:

  • Jeder zehnte Betrieb sucht auch im Ausland nach Mitarbeitern. 27 Prozent der Betriebe rekrutieren Fachkräfte über Social Media.
  • 71 Prozent der Betriebe führen mindestens einmal im Jahr strukturierte Mitarbeitergespräche durch.
  • Ein Großteil der Beschäftigten empfindet, dass ihr Betrieb spürbar an ihrer Weiterentwicklung interessiert ist. Allerdings fällt die Zustimmung bei Angestellten stärker aus als bei Arbeitern (72 vs. 55 Prozent).
  • Mehr als die Hälfte der Betriebe (58 Prozent) nutzen variable Vergütung, um die Leistung des Teams oder des Beschäftigten zu belohnen. Teamvergütung hat vergleichsweise wenig Gewicht im Vergütungsmix. Die Analyse der Daten zeigt jedoch, dass gerade diese ein glaubwürdiges Signal für höheres Engagement, Zufriedenheit und Bindung der Mitarbeiter ist.
  • Kleine und mittelständische Betriebe haben deutlich höhere Frauenanteile in Führungspositionen als größere. 42 Prozent der größeren Betriebe wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Dieses Ziel möchten sie vor allem mit flexiblen Arbeitszeiten (47 Prozent), Teilzeitangeboten für Führungskräfte (43 Prozent) und speziellen Weiterbildungen (40 Prozent) erreichen.

Künftige Befragungen stellen die Wirkung in den Fokus

Mit den nächsten Untersuchungswellen der Studie soll sich die Chance eröffnen, Wirkungszusammenhänge zwischen Personalarbeit und wirtschaftlichem Erfolg wissenschaftlich zu belegen. Für 2014 ist eine zweite Befragungswelle geplant.

Über die Studie "Arbeitsqualität und wirtschaftlicher Erfolg"

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit (Inqa) hat die Studie initiiert mit dem Ziel, die Wirkung von Personalmaßnahmen auf die Arbeitsqualität der Beschäftigten und den wirtschaftlichen Erfolg von Betrieben zu untersuchen. Die repräsentative Erhebung basiert auf der Befragung von 1.219 Personalverantwortlichen aus privatwirtschaftlichen Betrieben mit mehr als 50 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sowie von 7.508 Beschäftigen.

Die Studie wird durchgeführt vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit (IAB), dem Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Personalwirtschaftslehre an der Universität zu Köln und dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

Schlagworte zum Thema:  Mitarbeiterbindung, Recruiting

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