Für kreative Aufgaben oder IT-Jobs setzen viele Unternehmen Selbstständige ein. Doch die Freelancer werden selten als Teil der gesamten Workforce behandelt. Bild: 123rf/ racorn

Die meisten Unternehmen beschäftigen Selbstständige. Aber HR nimmt Selbstständigkeit fast ausschließlich unter dem Aspekt eines rechtlichen Risikos in den Blick - nicht unter dem Aspekt einer ganzheitlichen Gestaltung der gesamten Workforce des Unternehmens. Das belegt eine neue Online-Umfrage.

Neue Organisationskonzepte in den Betrieben zielen darauf ab, die Unternehmen agiler und flexibler zu machen. Für die Entwicklung von Projekten oder zum Abfedern von Auftragsspitzen sind die Betriebe auf die Zusammenarbeit mit flexiblen Arbeitskräften angewiesen.

Der Gesetzgeber hat mit der jüngsten Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes die Zusammenarbeit mit Zeitarbeitnehmern erschwert, sodass im Markt die Unsicherheit zugenommen hat, wie Betriebe mit flexiblen Ressourcen zusammenarbeiten können. Das betrifft insbesondere auch die Zusammenarbeit mit Solo-Selbstständigen. 

Positiver Blick auf Selbstständige

Wie blicken HR-Verantwortliche derzeit auf Selbstständige, die für ihr Unternehmen tätig sind? Dieser Frage sind das Personalmagazin und Softgarden mit einer Online-Umfrage unter 141 HR-Managern und Managern mit Personalverantwortung nachgegangen.

Zunächst fällt auf, dass die befragten HR-Verantwortlichen mehrheitlich durchaus positiv auf Selbstständige blicken. Geschätzt werden etwa die Spezialisierung der Selbstständigen, ihre Unabhängigkeit sowie ihr unternehmerischer Blick.

51 Prozent der befragten Unternehmen rechnen im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel mit einem Anstieg der Beauftragung von Selbstständigen in ihrem Unternehmen.

Auf dem Radar von HR ist nur ein Teil der Workforce

In nicht einmal der Hälfte der befragten Unternehmen (44 Prozent) kümmert sich die Personalabteilung um Selbstständige. Meist beschäftigen sich die Personaler zudem ausschließlich mit den rechtlichen Risiken, insbesondere der Frage nach Scheinselbstständigkeit.

Eine ganzheitliche Gestaltung der gesamten Workforce des Unternehmens kommt nicht in den Blick. Die flexiblen Ressourcen, zu der neben Zeitarbeitnehmern auch die Selbstständigen gehören, werden häufig direkt von den Fachbereichen gesteuert. 65 Prozent der HR-Verantwortlichen geben an, keinen Überblick über den Einsatz von flexiblen Arbeitskräften zu haben.

Selbstständigkeit als arbeitsrechtliches Problem

Die Betriebsprüfer und Sozialversicherungsträger haben in jüngster Zeit ihre Kontrollen Richtung Scheinselbstständigkeit verstärkt. Darauf reagieren derzeit die Betriebe. Die meisten der befragten Unternehmen (97 Prozent) versuchen sich hier in der einen oder anderen Form abzusichern. 64 Prozent haben Regelungen in den Verträgen mit Selbstständigen installiert. 43 Prozent setzen ausschließlich Selbstständige mit gesichertem Status ein und 35 Prozent beschränken ihre Einsatzdauer. Weitere 29 Prozent lassen nur eine Zuarbeit von Extern zu und stellen keinen Arbeitsplatz im Unternehmen zur Verfügung.

In 37 Prozent der befragten Unternehmen hat sich der Umgang mit Selbstständigen in den vergangenen fünf Jahren verändert. Hintergrund ist meist eine Änderung der Gesetzeslage und gestiegene rechtliche Risiken in der Zusammenarbeit mit Selbstständigen. Die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG) vom April 2017 hat in der Wahrnehmung von 35 Prozent der Befragten den Einsatz von Selbstständigen erschwert.

Viele Arbeitnehmer liebäugeln mit Selbstständigkeit

Parallel zur Arbeitgeberseite haben das Personalmagazin und Softgarden auch die Arbeitnehmerseite zum Thema Selbstständigkeit befragt. Die Online-Umfrage unter 2.121 Bewerbern zeigt, dass Selbstständigkeit von ihnen vornehmlich positiv gesehen wird. Sie schätzen vor allem die Freiheit des Selbstständigen-Daseins. 82 Prozent der Befragten liebäugeln im Laufe ihres Berufslebens mit dieser Alternative. Jedoch halten es nur 36 Prozent der Befragten für wahrscheinlich, tatsächlich irgendwann selbstständig zu arbeiten. Als Nachteile der Selbstständigkeit treten aus Perspektive der Bewerber vor allem ein unsicheres Einkommen, schlecht eingrenzbare Arbeitszeiten sowie Steuerrisiken hervor.


Hinweis: Die kompletten Ergebnisse der Arbeitgeber-Umfrage können Sie kostenfrei hier herunterladen.


In der Ausgabe 01/2018 des Personalmagazins erscheint ein ausführlicher Beitrag über die Ergebnisse der beiden Befragungen. Sie können diese auch in der Personalmagazin-App nachlesen.

Schlagworte zum Thema:  Beschäftigung, Selbstständige Arbeit

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