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| Resonanzfeedback

Wie Kritik nicht zum Angriff wird

Beim Feedbackgeben schwingt oft einiges mit – etwa unterschwellige Aggressionen.
Bild: Haufe Online Redaktion

"Feuer frei": So erleben viele Mitarbeiter es, wenn ihr Chef – etwa im Mitarbeitergespräch – zum Feedbackgeben ansetzt. Chris Wolf und Heinz Jiranek plädieren daher für eine neue Art der Kritik: das Resonanzfeedback. Die Kunst dabei: Den Mitarbeiter so ansprechen, dass er die Kritik akzeptieren kann.

Zum Thema "Feedback" haben die beiden Psychologen Chris Wolf und Heinz Jiranek im vergangenen Jahr ein Buch veröffentlicht: "Feedback – Nur was erreicht, kann auch bewegen". Darin sprechen sich die Autoren für eine neue Art des Feedbacks aus, das "Resonanz-Feedback".

Den Begriff wählen sie deshalb, weil das Feedback, für das sie plädieren, beim Feedbacknehmer Resonanz erzeugen soll. Das erfordert vom Feedbackgeber eine große Aufmerksamkeit auf alles, was beim Feedback mitschwingt. "Nur dann wird es wirksam sein und nur dann kann es bewegen", sagen Chris Wolf und Heinz Jiranek.

Mitschwingende Aggressionen entschärfen

Damit dies gelingt und das Feedback den Mitarbeiter als Feedbacknehmer bewegt, sollten Führungskräfte beim Kritisieren Folgendes beachten:

  • Ihr Feedback beschreibt das Verhalten des Feedbacknehmers.
  • Es beschreibt eine Beobachtung oder eine Einschätzung, die das Verhalten des Feedbacknehmers hatte oder haben könnte.
  • Es enthält einen Wunsch für zukünftiges Verhalten des Feedbacknehmers.

Damit ein so formuliertes Feedback wirkt, ist es zudem notwendig, dass in den Worten der Führungskraft Wertschätzung deutlich mitschwingt, so Wolf und Jiranek. Auf diese Weise kann es dem der Feedbackgeber auch gelingen, mitschwingende  Aggressionen zu entschärfen.

Feedbackgeber hat keine Deutungshoheit

Wie ein solches Feedback idealerweise aussieht, verdeutlichen Wolf und Jiranek anhand eines Bilds: Gutes Feedback vergleichen sie mit einer Situation, in der jemand einem anderen ein Video von dessen Verhalten zeigt. Dabei sind die Bilder von der subjektiven Wahrnehmung des Feedbackgebers geprägt. Der Feedbackgeber hat nicht die Deutungshoheit über das Video. Unterschiedliche Perspektiven werden als Bereicherung gesehen.

Der Feedbackgeber sagt beim Resonanz-Feedback daher nicht: "So geht es", sondern er lenkt die Aufmerksamkeit des Empfängers auf die beobachtbaren Wirkungen und Gegenwirkungen. Der Fokus liegt auf dem Interaktionsprozess. Im Übrigen achtet der Feedbackgeber darauf, was er dem Feedbacknehmer zumuten kann. Er bezieht die Wirkung des Feedbacks auf den Nehmer ständig mit ein und er hat vorher die Frage geklärt, was er sich eigentlich vom Feedbacknehmer wünscht.

Kritik an den klassischen Feedbackregeln

Der Geber lässt also beim Feedback nicht etwa nur Dampf ab, sondern will eine Wirkung auslösen. Deshalb sollte er auch nicht alles ansprechen, was ihm auffällt, sondern sich auf seine Botschaft konzentrieren. Der Feedbackgeber sollte sich der Subjektivität seiner Überzeugung bewusst sein. Im Idealfall kommt es zu einer Erweiterung der Wahrnehmung bei beiden Parteien.

Um gutes Kritisieren zu üben, werden in Seminaren gerne Feedbackregeln als Poster an die Wand gehängt. Wolf und Jiranek warnen davor: Durch die phrasenhaften Regeln entstehe nur ein "trügerisches Korsett an Sicherheit". Die Regeln hemmten das freie Denken und die Gefahr möglicher Kränkungen werde leider überhaupt nicht verringert. Die bekannten, traditionellen Feedbackregeln seien gut gemeint, aber zu Floskeln geworden, die nicht "resonanzfördernd" seien.

Hinweis: In Ausgabe 04/2014 der Wirtschaft + Weiterbildung schreiben Chris Wolf und Heinz Jiranek in einem Fachbeitrag ausführlich zum Thema "Wie Feedback seinen Angriffscharakter verliert".

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