Rehiring: So gewinnen Arbeitgeber Ehemalige zurück

Das Gehalt ist besser, die Aufgabe interessanter oder das Produkt cooler: Es gibt viele Gründe, weshalb Beschäftigte kündigen und zu einem anderen Arbeitgeber wechseln. Stellen sie fest, dass das Gras dort auch nicht grüner ist, wollen sie zurück. So funktioniert das Rehiring von Ehemaligen.

Der Fachkräftemangel führt dazu, dass das Recruiting neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunehmend zum Abwerben wird. Da das Angebot an freien Arbeitskräften immer weiter abnimmt, gehen immer mehr Arbeitgeber dazu über, Beschäftigte ihrer Wettbewerber ins eigene Haus zu locken - sei es mit einer besseren Bezahlung oder anderen verlockenden Arbeitgeberleistungen.

Andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kündigen aus eigenem Antrieb, weil sie neue Erfahrungen machen wollen, weil sie sich mit einem Wechsel einen spannenderen Arbeitsalltag versprechen oder weil sie einfach gelangweilt sind. Die Chancen auf eine neue, interessante Position sind so gut wie nie. Der Arbeitsmarkt ist längst zu einem Arbeitnehmermarkt geworden.

Warum Rehiring im Trend ist

Verlässt eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer das Unternehmen, heißt das nicht zwangsläufig, dass diese Person auf Dauer verloren ist. Nach einigen Wochen im neuen Job stellt sich oftmals heraus, dass dieser doch nicht so toll ist. Oder es gibt Unstimmigkeiten im Team. Häufig müssen die Jobwechsler und Jobwechslerinnen auch feststellen, dass die versprochenen Arbeitgeberleistungen nicht mit der Realität im Betrieb übereinstimmen.  

Vorausschauende Arbeitgeber halten qualifizierten Leuten daher die Türen zur Rückkehr offen. "Rehiring" oder "Boomerang Hiring" lauten die Fachbegriffe für das erneute Einstellen ehemaliger Beschäftigter. Bildlich gesprochen geht es darum, dass die ausgeflogenen Beschäftigten wie ein Bumerang zum Unternehmen zurückkehren.

Die Vorteile von Boomerang Hiring

Die Vorteile von Boomerang Hiring liegen klar auf der Hand: Arbeitgeber kennen bereits die Stärken und Schwächen der Personen, die sie wieder einstellen. Umgekehrt wissen die Wiedereingestellten, wie sich die Abläufe im Unternehmen gestalten und sind mit der Firmenkultur vertraut. Darüber hinaus haben die Rückkehrer bei ihrem zwischenzeitlichen Arbeitgeber neue Erfahrungen gesammelt und können nun andere Perspektiven und Ideen mit einbringen.

Boomerang Hiring spart dem Unternehmen auch Geld, das normalerweise für mehrstufige Recruiting- und Auswahlprozesse sowie für das Onboarding aufgewendet werden muss. Und das Wiedereinstellen ehemaliger Beschäftigter kann sogar dazu führen, dass diese weitere Kolleginnen und Kollegen von ihrem zwischenzeitlichen Arbeitgeber mitbringen – Personen, denen sie in den Wochen und Monaten im neuen Job von den Vorteilen ihres ehemaligen Arbeitgebers vorgeschwärmt hatten.

Mögliche Risiken der Wiedereinstellung

Allerdings besteht auch die Gefahr, dass eine Person, die das Unternehmen vor einer Weile verlassen hat, nach der Wiedereinstellung erneut kündigt oder gekündigt wird. Denn für die damalige Kündigung gab es einen Grund. Möglicherweise existiert dieser immer noch latent. So kann es schlichtweg sein, dass die Person für den Job nur bedingt geeignet ist oder nicht richtig zur Firmenkultur passt.

Zahlreiche weitere Faktoren können dazu führen, dass sich das Rehiring als Flop erweist: Alte Zwistigkeiten mit dem Team oder den Vorgesetzten können wieder aufkommen. Die ehemaligen Kollegen, die dem Unternehmen die ganze Zeit über die Treue gehalten haben, haben Vorbehalte gegen die Rückkehrerin oder den Rückkehrer. Während des Austrittsprozesses sind Unstimmigkeiten aufgetreten, die wieder hochkochen. Die zurückgekehrte Person möchte neue Impulse von ihrem anderen Arbeitgeber einbringen und kommt damit bei den Kolleginnen und Kollegen oder den Vorgesetzten nicht an.

Faktoren für ein erfolgreiches Rehiring

Um mögliche Risiken von Rehiring gering zu halten und den ehemaligen Beschäftigten die Tür zum Wiedereintritt offen zu halten, sollten Arbeitgeber schon vor und während des Austritts geeignete Weichen stellen.

Offboarding ist ein wichtiger Faktor, damit das Rehiring gelingt. In einem professionellen Offboarding-Prozess werden nicht nur Arbeitsmaterialien zurückgegeben und Zugangsdaten gelöscht, sondern es finden auch Gespräche mit HR und den Führungskräften statt, in denen die Gründe für den Austritt sowie mögliche Verbesserungsmaßnahmen besprochen werden. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Trennung ohne gegenseitige Vorwürfe vonstattengeht. (Lesen Sie dazu "Offboarding: Warum auch der letzte Eindruck zählt").

Alumni-Programme tragen dazu bei, dass die ausgeschiedenen Personen weiter auf dem Laufenden gehalten werden und dass die Kontakte nicht abbrechen. Je besser die Ehemaligen in ihr früheres Unternehmen eingebunden bleiben, desto leichter fällt es, sie zu einer Rückkehr zu bewegen.

Talent-Pools werden oftmals mit interessanten Bewerbungen gefüllt, die für die ausgeschriebene Stelle nicht genommen werden konnten. Genauso bietet es sich an, ehemalige Beschäftigte, die sich "im Guten" vom Unternehmen getrennt haben, in diese Pools aufzunehmen und sie mit Informationen zu neuen Vakanzen und Stellenausschreibungen zu versorgen. (Lesen Sie dazu: Wie Sie einen Talent Pool aufbauen).

Fehler beim Recruiting vermeiden

Ein Risiko von Rehiring wurde vorhin schon genannt: Die wiedereingestellte Mitarbeiterin oder der wiedereingestellte Mitarbeiter ist für den Job im Unternehmen nur bedingt geeignet oder passt nicht ins Team. Das ist ein häufiges Problem, das bald eine erneute Kündigung zur Folge haben kann.

Vermieden werden kann dieses Risiko, wenn die potenziellen Rückkehrer den gesamten Recruitingprozess des Unternehmens durchlaufen. Das heißt auch, dass sie wie alle anderen Bewerberinnen und Bewerber für die Vakanz behandelt werden und an den entsprechenden Auswahlrunden teilnehmen. Wer sichergehen will, dass das Rehiring wirklich zum Erfolg wird, sollte sich zudem mit den ehemaligen Führungskräften und Teamkolleginnen und -kollegen austauschen.

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Erfolgreiche Beispiele für Boomerang Hiring

Ein Beispiel eines "erfolgreichen Rückkehrers" ist der Apple-Mitgründer Steve Jobs, der das Unternehmen 1985 verließ, 1996 zurückkehrte und den US-Konzern zu dem machte, was er heute ist, indem er den Grundstein für erfolgreiche neue Technologien wie iPhone und iPad legte.

Dieses und weitere Erfolgsbeispiele prominenter Rückkehrer und Rückkehrerinnen hat die Meinungen zu Rehiring stark geändert. Immer mehr Arbeitgeber zeigen sich offen für die Rückkehr ehemaliger Beschäftigter. Immer mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schließen es nicht von vornherein aus, zu ihrem früheren Unternehmen zurückzukehren. Die Liebe auf den zweiten Blick hat also Potenzial und muss nicht einseitig sein.


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