18.07.2014 | Personalentwicklung

Wer übt, leistet mehr – doch weniger als bisher gedacht

Im Schach kann Übung den Meister machen – in Beruf und Bildung eher weniger, so die Ergebnisse einer Studie.
Bild: John Foxx Images

Übung macht den Meister: Von dieser Überzeugung müssen sich Personaler, Führungskräfte, Trainer und Coachs womöglich verabschieden. Denn eine neue US-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Übung sich weit weniger auf die Leistung auswirkt als bisher angenommen.

Ob Übung wirklich zu meisterlichem Können führt? Das wollten Wissenschaftler der US-Universitäten Princeton, Michigan State und Rice wissen. Für ihre gemeinsame Studie, die in der Zeitschrift "Psychological Science" erschienen ist, überprüften die US-Amerikaner diese These in Hinblick auf verschiedene Bereiche, unter anderem Musik, Spiele, Sport, Beruf und Bildung. Für ihre Meta-Analyse werteten sie 88 wissenschaftliche Studien zu den Themen "Übung" und "Leistung" mit insgesamt 11.135 Teilnehmern aus und überprüften, ob sie bestimmte Regelmäßigkeiten in den Studien erkennen konnten.

Leistungsunterschied durch Übung fällt gering aus

In fast allen Studien konnten sie einen positiven Zusammenhang zwischen Übung und Leistung erkennen, wie die Universität Princeton auf ihrer Website berichtet: Je mehr Übung die Studienteilnehmer in einem Bereich haben, desto mehr leisten sie. Die Forscher stellten zudem fest, dass die Ergebnisse sich von Bereich zu Bereich unterscheiden. Allerdings fällt der Leistungsunterschied insgesamt weit geringer aus, als die Verfechter von "Übung macht den Meister" bisher angenommen haben: Bei Spielen – wie etwa Scrabble und Schach – ist Übung ungefähr für 26 Prozent der persönlichen Leistungsunterschiede verantwortlich; im musischen Bereich sind es 21 Prozent und im Sport 18 Prozent.

In Beruf und Bildung ist der Unterschied gering

Besonders bitter für alle Personalentwickler und Trainer dürfte die Erkenntnis sein, dass im Beruf Übung noch weniger Erfolg verspricht als in anderen Bereichen: Hier wirkt sich Übung auf weniger als ein Prozent der Leistungsunterschiede aus. Auch Pädagogen und andere Lehrkräfte haben keinen Grund zur Freude, denn auch im Bildungsbereich ist der Anteil mit vier Prozent nicht bedeutend höher. Durchschnittlich kann Übung demnach die individuelle Leistung nur um zwölf Prozent verbessern.

"Es gibt keinen Zweifel daran, dass Übung wichtig ist, sowohl von einem statistischen als auch theoretischen Standpunkt aus betrachtet", zitiert Princeton.edu Co-Studienautorin Brooke Macnamara. "Sie ist nur nicht ganz so wichtig wie vorher angenommen."

Weitere Forschung: Wovon hängt Leistung sonst noch ab?

Die Autoren möchten nun herausfinden, wovon Leistung sonst noch abhängt. Die Wissenschaftler vermuten, dass dabei unter anderem das Alter, in dem eine bestimmte Tätigkeit aufgenommen wird, eine Rolle spielen könnte. Ebenso im Visier der Forscher sind kognitive Fähigkeiten wie das Erinnerungsvermögen.

Ausgangspunkt der Meta-Analyse ist eine Diskussion, die der Journalist Malcolm Gladwell vor einigen Jahren mit dem Buch "Outliers" (zu deutsch: "Überflieger") in die Öffentlichkeit getragen hat. In seinem Buch vertritt Gladwell die These, dass Übung allein der Schlüssel zum Erfolg sei.

Schlagworte zum Thema:  Personalentwicklung, Leistung

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