Personalarbeit: Firmenchefs fordern mehr strategisches Denken

Die Forderung ist bekannt: HR soll strategischer Partner für das Top-Management sein und auf Augenhöhe agieren. Doch wo steht HR heute wirklich? Laut einer aktuellen Studie sind die Unternehmensführer mit HR zwar recht zufrieden, aber wichtige Wünsche bleiben unerfüllt.

Trotz intensiver Diskussion um eine partnerschaftliche Zusammenarbeit der Personalabteilung mit dem Top-Management werden HR-Manager den steigenden Erwartungen ihrer unternehmensinternen Kunden aktuell noch nicht gerecht. Das ist das Ergebnis der Studie "HR aus Sicht der Geschäftsführung", die die Promerit AG in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen und dem Personalmagazin aus der Haufe Gruppe erstellt hat. Für die Untersuchung hat Promerit 158 Unternehmensentscheider - Geschäftsführer, Vorstandsvorsitzende und andere Vorstände außerhalb der Personalabteilung - danach befragt, wie zufrieden sie mit HR und den Kompetenzen von HR sind.

Die Firmenchefs haben in der Umfrage einen besonders intensiven Blick auf die Bedeutung von sieben Schlüsselziele von HR geworfen. Diese sind:

  • qualifizierte Führungskräfte
  • engagierte Mitarbeiter
  • Top-Leister auf Schlüsselpositionen
  • gute Positionierung als Arbeitgeber
  • wettbewerbsfähige Personalkosten
  • effiziente Personalorganisation
  • langfristige HR-Strategien

Diese Schlüsselziele werden von den befragten Unternehmensentscheidern auf einer Skala von 0 (gar nicht wichtig) bis 10 (sehr wichtig) allesamt mit Werten zwischen 8 und 9 Punkten hoch priorisiert. Die Manager rechnen zudem mit einem künftigen Anstieg der Bedeutung.  

Operativ gut – strategisch Mittelmaß

Insgesamt sind die Unternehmensleitungen mit der Arbeit von HR und der Kompetenz der HR-Vertreter derzeit nicht unzufrieden: 78,4 Prozent der Befragten sind mit der Kompetenz der HR-Vertreter eher zufrieden bis sehr zufrieden (Bewertung mit 7-10 Punkten auf einer 10er Skala). Zufrieden bis sehr zufrieden sind dagegen nur noch 57,6 Prozent (8-10 Punkte). Das Bild trübt sich weiter ein, wenn man die Manager außerhalb von HR nach der Performance der Personaler bei den Schlüsselzielen befragt. Mit dem Beitrag von HR zu Zielen wie dem Employer Branding oder der Besetzung von Schlüsselpositionen mit Top-Leistern ist nur noch eine Minderheit der Manager zufrieden bis sehr zufrieden: Im Durchschnitt der Bewertungen für alle sieben Schlüsselziele sind 43,9 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden ( 8-10 Punkte), 44,9 Prozent sind nur mittelmäßig zufrieden (5-7 Punkte) und 11,2 Prozent sind gar nicht oder wenig zufrieden (0-4 Punkte).

Größerer Beitrag bei wertschöpfenden Zielen gewünscht

Bei besonders wertschöpfenden Schlüsselzielen wie "qualifizierte Führungskräfte" und "Top-Leister auf Schlüsselpositionen" trauen die Unternehmenslenker HR besonders wenig zu: für kompetent bis sehr kompetent halten hier 38 Prozent der Unternehmensentscheider HR. "Viele HR-Abteilungen haben es sich in der Verwalterrolle bequem gemacht und vernachlässigen die in den Augen ihrer Kunden besonders wichtigen wertschöpfenden Ziele“, sagt Kai Anderson, Partner der Promerit AG. Unzufrieden sind die Manager auch mit der Umsetzungsleistung ihrer HR-Verantwortlichen bei den wertschöpfenden Schlüsselzielen: Jeder dritte Befragte findet die Performance hier nur mittelmäßig.

Begleitung bei Themen der Unternehmensführung

Bei Herausforderungen der strategischen Unternehmensführung wie Internationalisierungen, Investitionen und Mergers & Acquisitions wünschen sich die Unternehmenslenker eine starke Begleitung durch die Personaler (6,7-8,7 Punkte auf einer Skala von 0 "keine Begleitung" bis  10 "sehr starke Begleitung"). "Dieses Ergebnis hat uns überrascht. Wir können die weit verbreitete These nicht bestätigen, dass das Top-Management HR hier lieber außen vor lässt. Vielmehr handelt es sich wahrscheinlich eher um eine selbstauferlegte Beschränkung auf die klassischen HR-Themen – und einen Mangel an Phantasie in der Ausgestaltung der eigenen strategischen Rolle im Unternehmen", sagt Anderson.

Quantitative Befragung und Tiefeninterviews

Für die Studie hat Promerit im Februar 2013 insgesamt 158 Unternehmensentscheider per Telefoninterview befragt. Die Ergebnisse aus der quantitativen Befragung wurden im Anschluss mit 13 Geschäftsführern und Vorständen außerhalb des Personalbereichs in Tiefeninterviews validiert, bewertet und eingeordnet. Wissenschaftlich begleitet wurde die Untersuchung von der HBM Unternehmerschule der Universität St. Gallen. Das Personalmagazin berichtet in der Juniausgabe über die Ergebnisse der Studie.

Interessierte können den detaillierten Studienband per E-Mail bei Anna-Lena Müller von Promerit bestellen: Anna-Lena.Mueller@promerit.com.