Mittelständler halten an starren Hierarchien fest
Viele Unternehmen, die sich mit dem digitalen Wandel aktiv auseinandersetzen, suchen derzeit nach neuen Unternehmensstrukturen. Um schnell auf den dynamischen Markt reagieren zu können, setzen einige einen stärkeren Fokus auf die Mitarbeitereinbindung. Auch eine Demokratisierung der Unternehmen wird diskutiert.
Auch die Manager des Mittelstands sehen die Digitalisierung als Herausforderung. Allerdings prognostizieren 55 Prozent der 400 befragten Mittelstandsmanager, dass sich an den bestehenden Hierarchien nichts ändern wird. Insofern überrascht auch nicht das weitere Ergebnis der Studie unter dem Titel "Digitale Transformation und ihre Auswirkung auf die Führung im Mittelstand": Die Unternehmen tun bisher wenig, um ihre bisherigen Strukturen aufzubrechen. Ausnahmen sind der Finanzsektor und die Gesundheitswirtschaft – hier haben zwei von fünf Firmen erste Personalentwicklungsmaßnahmen in diese Richtung ergriffen.
Hierarchien müssten dynamischer werden
"Das eine wird es ohne das andere nicht geben. Die Unternehmen können nicht erwarten, dass die Arbeitskultur dynamischer wird - die Hierarchien aber so bleiben wie sie sind", sagt Julia Böge, Client Partner der Personalberatung Intersearch Executive Consultants, die die Studie beauftragt hat. "Es geht es darum, eine Brücke zu schlagen und die Vorteile aus bewährten und neuen Modellen zu vereinen. Der Firmenchef kann seine Autorität behalten – doch das Unternehmen muss Führungskräfte unterstützen, über Strukturen hinweg zu agieren, ihre Mitarbeiter in Entscheidungen zu involvieren und themenbezogen in Projektorganisationen zu arbeiten. Sonst werden es die Firmen schwer haben, Fach- und Führungskräfte zu finden, die die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sichern", so Böge.
Größte Herausforderungen: Kommunikation, Wissenstransfer
Was sehen die befragten Top-Manager aus dem Mittelstand statt der Veränderung der Hierarchien also als größte Herausforderungen an? 80 Prozent nennen jeweils eine schnellere interne Kommunikation und den Wissenstransfer. Dahinter folgt die stärkere Zusammenarbeit der IT-Abteilung mit anderen Unternehmensbereichen (73 Prozent).
Zwei Drittel der Manager sehen außerdem eine Veränderung in Entscheidungsprozessen auf sie zukommen: Diese werden deutlich häufiger datenbasiert sein. 62 Prozent sind der Ansicht, dass komplett neue Jobprofile im Unternehmen entstehen. Die Mehrheit geht außerdem davon aus, dass Arbeitszeit- und -ort flexibler wird (57 Prozent). Bestehende Hierarchien werden sich dagegen nicht ändern, prognostiziert mit 55 Prozent die Mehrheit der Manager.
Noch wenig Vernetzung im Unternehmen
Nicht nur beim Thema Führungsstrukturen halten sich die Mittelständler mit Veränderungen zurück – auch die identifizierten Top-Herausforderungen für die internen Prozesse werden nicht konsequent angegangen, belegt die Studie. In weniger als einem Viertel der Firmen ist die Organisationsstruktur bereits so gestaltet, dass Abteilungen wie Produktion oder Marketing eng vernetzt mit der IT zusammenarbeiten können. Bei den Finanzdienstleistern ist der Anteil mit einem Drittel überdurchschnittlich hoch – im produzierenden Gewerbe besonders niedrig (19 Prozent).
Aktives Knowledge-Management mithilfe einer IT-gestützten Wissensdatenbank betreiben nur 17 Prozent. Hier liegen ITK- und Finanzbranche mit jeweils etwa 25 Prozent vorn, Schlusslicht ist auch hier das Produzierende Gewerbe. Ebenfalls erst 17 Prozent fördern branchenübergreifend eine schnelle interne Kommunikation mit „Social Media Tools“. Hier ist der Handel mit 31 Prozent Branchen-Vorreiter, im Anlagen- und Maschinenbau spielen solche Anwendungen fast gar keine Rolle (drei Prozent).
Hinweis: Wie eine demokratischere Arbeitswelt aussehen könnte, lesen Sie im Personalmagazin, Ausgabe 1/2015.
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