Unternehmen müssen den einzelnen Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen, wenn sie Höchstleistungen erwarten. Sie müssen mehr Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen und zur "sozialen Organisation" werden. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie zur Zukunft der Arbeit.

Viele Menschen messen Unternehmen eine zentrale Bedeutung für Einkommenssicherheit, Diversity oder Gesundheitsvorsorge bei und vertrauen ihnen mehr als der Politik, deuten die Autoren der "Global Human Capital Trends"-Studie 2018 die Ergebnisse. Wichtig werden demnach vor allem die folgenden sechs Trends.

1. Soziale Verantwortung für mehr Mitarbeiterzufriedenheit

Millennials erwarteten von ihren Arbeitgebern verstärkt eine soziale und gesellschaftliche Positionierung ihres Unternehmens, etwa zu Themen wie Diversity, fairer Entlohnung, Zuwanderung und Klimawandel.

2. Neue Führungskultur soll dazu beitragen, Welt gerechter zu machen

Unternehmen  sollen dazu beitragen, die Welt für ihre Mitarbeiter gerechter zu machen. Dazu gehöre, die eigene Führungskultur kritisch zu hinterfragen und zu verändern. Top-Manager sollten in der Lage sein, ein Unternehmen als Team zu führen und selbst  in cross-funktionalen Teams zu agieren. In Deutschland ist das der Ansicht von 62 Prozent der Studienteilnehmer zufolge nur rudimentär der Fall.

3. Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Zwar werde die Mitarbeiterzufriedenheit zur strategischen Priorität. Die Studie zeige jedoch bei den deutschen Teilnehmern eine Lücke zwischen Erwartung und Realität. Ob flexible Arbeitszeiten, Mobile Working, Kinderbetreuung, oder Prävention: Nachfrage und Angebot klaffen jeweils um 30 bis 40 Prozentpunkte auseinander.

4. Ältere Arbeitnehmer mit Chancen

Ältere Arbeitnehmer mit ihrer langjährigen Erfahrung böten Unternehmen viele Chancen, hätten aber auch Ansprüche, wie mehr Arbeitszeit-Flexibilität, Umschulungen sowie Weiterbildungoptionen. Tatsächlich arbeiteten in Deutschland mehr ältere Arbeitnehmer mit ihren jüngeren Kollegen zusammen als international.

5. Flexibilität bei Belegschaften gefragt

Gig Economy, Crowd Working und Freelancing zeigten, dass Flexibilität in jeder Hinsicht gefragt sei und der traditionelle Vollzeitmitarbeiter auf dem Rückzug. Darauf müssten sich Unternehmen sowohl beim Onboarding bis hin zu adäquaten Kommunikationsstrukturen einstellen. Gefragt seien außerdem intelligente und flexible Incentivierungs- und Vergütungsmodelle sowie mehr Karriere-Gestaltungsmöglichkeiten. 

6. Menschliche und digitale Kompetenzen gleichermaßen wichtig

Unternehmen sollten ein Modell kultivieren, in dem sich menschliche und digitale Eigenschaften ergänzen, so die Studie. Wie genau der ideale Mix aus digitaler und menschlicher Befähigung aussehen und strategisch entwickelt werden solle, davon habe ein gutes Drittel der Befragten eigenen Angaben zufolge noch keine Vorstellung. Die Grundstimmung ist dennoch positiv. Immerhin 61 Prozent der deutschen Studienteilnehmer sehen ihr Unternehmen gut auf die Digitalisierung vorbereitet – international sind es nur 31 Prozent.

Der Megatrend 'Soziale Organisation'

"Konkret bedeutet der Megatrend 'Soziale Organisation': Unternehmen müssen den einzelnen Menschen in den Mittelpunkt stellen, wenn sie Höchstleistung von ihren Mitarbeitern einfordern und erwarten. Dass diese Aufgabe in eine Zeit fällt, in der auch die Digitale Transformation die Führungsetagen intensiv beschäftigt, erleichtert die Aufgabe nicht", erklärt Dr. Udo Bohdal-Spiegelhoff, Leiter Human Capital Advisory Services bei Deloitte.