Mehr Macht und Autonomie für die Mitarbeiter ist ein Wunsch, der zurzeit viele Organisationen umtreibt. Wie der Stand in deutschen Unternehmen aber wirklich ist und warum die Mitarbeiterpartizipation dort scheitern könnte, hat ein Beratungsunternehmen untersucht.

Die meisten deutschen Arbeitnehmer wünschen sich mehr Autonomie am Arbeitsplatz. In der Studie des Beratungsunternehmens Comteam, die der Haufe Online-Redaktion vorab vorliegen, gibt dies die überwältigende Mehrheit (90 Prozent) der Umfrageteilnehmer an. Neue Herausforderungen könnten nur durch eine Umstrukturierung der Verantwortlichkeiten gemeistert werden, so ihre Überzeugung.

An der Studie haben sich 461 Personen beteiligt, darunter 33 Prozent Personaler und 13 Prozent Top-Manager.

Mitarbeiterpartizipation treibt Unternehmen um

Auf diesen Wunsch ihrer Mitarbeiter reagieren die Unternehmen offenbar auch: Denn drei Viertel der Befragten berichten davon, dass die Stärkung von Eigenverantwortung in ihrem Unternehmen gerade sehr präsent ist. Das heißt im Klartext: Das Thema wird diskutiert, es ist grundsätzlich ein Bewusstsein dafür vorhanden. Und es sind gerade die oberen Führungskräfte und Vorstände, die die Ansicht vertreten, dass eine stärkere Verteilung von Verantwortlichkeiten relevant ist.Woran die Mitarbeiterpartizipation scheitern könnte

Von einer konkreten Umsetzung von Partizipation im Unternehmen können hingegen weniger Befragte aus eigener Erfahrung berichten. Immerhin knapp die Hälfte der Angestellten sagen, dass es in ihrem Unternehmen Bestrebungen zur Umorganisation von Entscheidungsbefugnissen in ihrem Arbeitsumfeld gibt.

Die Comteam-Studie lässt auch erahnen, warum Organisationsverantwortliche zögern, wenn es darum geht, den Mitarbeitern mehr Macht zu übertragen: Denn obwohl die Angestellten mehr Autonomie fordern, scheuen viele von ihnen die damit verbundene Verantwortung.

Missstände im Mittelmanagement

Die Studienautoren wollten von den Befragten auch wissen, wie sie das Verhältnis von Macht und Verantwortung in ihrem Unternehmen bewerten. Im Top-Management empfinden die meisten Befragten beides als gleichmäßig verteilt. Einige kritisieren aber, dass die oberste Führungsriege, gemessen an ihrer Verantwortung, zu viel Macht hat.

Eine Gruppe von Managern zeigt sich mehrheitlich unzufrieden: 80 Prozent der Mittelmanager erleben in ihrer Rolle ein starkes Missverhältnis zwischen Macht und Verantwortung. Laut der Umfrage besitzt diese Unternehmensebene kaum Einfluss auf Entscheidungen. Diese werden meist vom oberen Management festgesetzt und an das Mittelmanagement weitergereicht.

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