Weiterhin Streit um Mindestlohn
Rund ein Dreivierteljahr nach Einführung des Mindestlohns hofft Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) auf eine Erhöhung der Lohnuntergrenze. "Darauf aufbauend können wir darauf hoffen, dass sich das Lohnniveau in Deutschland weiter stabilisiert", sagte Nahles bei einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin. Sie hoffe auf eine Anhebung der Lohnuntergrenze zum 1. Januar 2017. Dafür zuständig ist die Mindestlohnkommission aus Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern, die erstmals im kommenden Jahr eine mögliche Anhebung beraten soll.
Nahles: Ungelernte profitieren vom Mindestlohn
Zugleich zog Nahles eine durchweg positive Bilanz. "Besonders profitiert haben Ungelernte und Angelernte." Ihr Verdienst sei im ersten Quartal im Schnitt um 4,0 beziehungsweise 2,8 Prozent gestiegen, so die Ministerin unter Berufung auf das Statistische Bundesamt.
Sämtliche "Horrorstorys", der Mindestlohn koste Jobs, hätten sich nicht bewahrheitet. Stattdessen habe die Lohnuntergrenze Minijobbern zu regulären Jobs verholfen und den Konsum angekurbelt.
DGB: Mehr Kontrollen müssen den Mindestlohn sicherstellen
DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell sagte, weiterhin beschwerten sich Arbeitnehmer über Umgehungsversuche von Unternehmen. Die Kontrollen durch den Zoll müssten ausgebaut werden. "Wir werden darüber wachen, dass der Mindestlohn überall ankommt."
Arbeitgeber: Arbeitsplätze sind wohl verloren gegangen
Die Arbeitgeber sehen Auswirkungen des Mindestlohns wesentlich negativer. So lasse sich nicht belegen, dass die entfallenen Minijobs in reguläre Arbeitsplätze umgewandelt wurden, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der Deutschen Presse-Agentur. "Vielmehr ist zu befürchten, dass zahlreiche Arbeitsplätze verlorengegangen sind." Seit Inkrafttreten des Mindestlohns seien die Zahl der Minijobs um über 120.000 gesunken, sagte Kramer weiterhin. Zudem würden viele Unternehmen durch Bürokratie belastet.
Weitere negative Auswirkungen des Mindestlohns auf die Beschäftigung seien zu erwarten, auch wenn Probleme am Arbeitsmarkt derzeit durch die gute Konjunkturlage mit niedrigem Ölpreis, niedrigem Eurokurs und niedrigen Zinsen überdeckt würden, so der Arbeitgeberpräsident.
Nachbesserung der Nachbesserung gefordert
Auch nach einer Nachbesserung kritisierte Kramer die Regeln zur Aufzeichnungen der Arbeitszeiten. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hatte die umstrittenen Dokumentationspflichten zur Jahresmitte gelockert. Er forderte: "Es wäre für alle Beteiligten viel einfacher, die Aufzeichnungspflichten bei einem Stundenverdienst von mehr als zehn Euro enden zu lassen." Bei Minijobs sollte die Aufzeichnung der Dauer der wöchentlichen statt täglichen Arbeitszeit genügen.
Der Chef des Parlamentskreises Mittelstand der Unionsfraktion, Christian von Stetten (CDU), sagte der dpa, auch weiter gebe es viele Beschwerden der Firmen. Viele Unternehmen und Vereine würden unter bürokratischen Auflagen leiden. "Ohne eine Gesetzesänderung werden wir die Probleme beim Mindestlohn nicht beseitigen können." Bewege Nahles sich hier nicht, werde der Parlamentskreis Mittelstand die Probleme im Oktober in der CDU/CSU-Fraktion thematisieren.
Auch diese News zum Thema Mindestlohn könnten Sie interessieren:
- Welcher Richter über den Mindestlohn entscheidet
- Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten gelockert
- Mindestlohn-Ausnahme im Sportbereich nicht rechtssicher
-
Essenszuschuss als steuerfreier Benefit
468
-
Workation und Homeoffice im Ausland: Was Arbeitgeber wissen müssen
414
-
BEM ist Pflicht des Arbeitgebers
280
-
Acht rettende Sätze für schwierige Gesprächssituationen
224
-
Probezeitgespräche als Feedbackquelle für den Onboarding-Prozess
202
-
Warum Offboarding an Bedeutung gewinnt
155
-
Das sind die 25 größten Anbieter für HR-Software
153
-
Mitarbeiterfluktuation managen
1254
-
Ablauf und Struktur des betrieblichen Eingliederungsmanagements
118
-
Vorlage: Leitfaden für das Mitarbeitergespräch
118
-
Warum Diversity-Maßnahmen oft scheitern
14.04.2026
-
Wie das "S" in ESG zur Mitarbeiterbindung beiträgt
09.04.2026
-
Arbeit trotz Krankheit – Kommission empfiehlt Teilkrankschreibung
08.04.2026
-
ZP Süd 2026: Zwei Tage HR-Wissen zu „Team Human x AI“
07.04.2026
-
KI-Agenten werden an der Arbeitswelt vorbei entwickelt
02.04.2026
-
Altersdiskriminierung im Berufsalltag – zu jung, zu alt, zu unrecht
01.04.2026
-
Warum Organisationen eine Talent Roadmap brauchen
01.04.2026
-
Fünf Tipps für erfolgreiche HR-Software-Projekte
01.04.2026
-
Warum mehr Tools oft zu mehr Aufwand führen
01.04.2026
-
Relationship-Matching als strategisches HR-Instrument
01.04.2026