Unternehmen streichen Benefits und Privilegien
Im dritten Krisenjahr in Folge stehen Arbeitgeber und Arbeitnehmende unter Druck - insbesondere in finanzieller Hinsicht. Ihre Wünsche und Forderungen könnten demnächst kollidieren, wie eine Befragung des Business-Netzwerks Linkedin unter knapp 3.000 Führungskräften (250 davon in Deutschland) zeigt. Denn viele Unternehmen planen, Mitarbeiterbenefits und Privilegien wie das Homeoffice zu streichen. Und obwohl knapp drei Viertel der befragten Führungskräfte in Deutschland (73 Prozent) befürchten, dass sich Einsparungen negativ auf die Motivation der Mitarbeitenden auswirken könnten, scheinen ihre Prioritäten festzustehen.
Einsparungen auf Kosten der Angestellten
Für zwei von fünf deutschen Unternehmen (39 Prozent) ist das oberste Gebot, sich in den nächsten Monaten auf die bevorstehenden finanziellen Herausforderungen vorzubereiten. Das bedeutet vor allem, dass sie Einsparungen auf Kosten der Angestellten in Erwägung ziehen. Für Mitarbeitende verheißt dieser Plan nichts Gutes, wie weitere Ergebnisse der Befragung zeigen.
Spürbare Einschnitte bei Benefits und technischer Ausstattung
Denn Unternehmen wollen nicht nur die Investitionen in ihre technische Ausstattung und IT (40 Prozent) oder das Marketing (34 Prozent) kürzen, sondern auch ihre Mitarbeiterbenefits reduzieren: Jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) hat an dieser Stelle bereits Kürzungen vorgenommen, ein weiteres Viertel (26 Prozent) plant dies noch zu tun. Mit 74 Prozent der Unternehmen, die ihre Benefits kürzen (wollen), liegt Deutschland nicht nur über dem internationalen Durchschnitt von 66 Prozent, sondern erreicht in Europa sogar den zweithöchsten Wert hinter Schweden (80 Prozent).
Unternehmen streichen Zuschüsse oder zusätzliche freie Tage
Bei mehr als einem Drittel der Unternehmen betreffen die Einsparungen aktuell die Kostenübernahme für die technische Ausstattung im Homeoffice (35 Prozent), zusätzliche freie Tage (35 Prozent) und Zuschüsse zu den Internetkosten, die durch die Arbeit Zuhause entstehen (34 Prozent). Diese Maßnahmen sind insofern überraschend, weil Führungskräfte sich sehr wohl der finanziellen Belastung ihrer Mitarbeitenden bewusst sind: 44 Prozent von ihnen glauben sogar, dass dies derzeit die größte Sorge ihrer Angestellten ist. Dahinter folgt die Angst, aufgrund der wirtschaftlichen Situation entlassen zu werden (36 Prozent). Einsparungen könnten also ein fatales Signal senden und die Sorgen sogar verstärken.
Kommt das Aus fürs Homeoffice?
Unternehmen wollen nicht nur sparen, sondern auch ihre Produktivität erhöhen – und ihre Mitarbeitenden deshalb wieder öfter im Büro sehen. Denn mehr als jede vierte Führungskraft (28 Prozent) befürchtet nach wie vor, dass Arbeitnehmende im Homeoffice weniger produktiv sind. Entsprechend plant gut ein Viertel (24 Prozent), die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder verstärkt ins Büro zurückzuholen. Grundsätzlich würden es sogar 58 Prozent der Befragten präferieren, wenn ihre Angestellten in dieser wirtschaftlich unsicheren Situation öfter im Büro arbeiten würden. Bei dieser Frage erreicht nur Irland europaweit einen höheren Wert (65 Prozent) als Deutschland.
Konfliktpotenzial droht
Hier droht Konfliktpotenzial, denn Arbeitnehmende haben das Homeoffice und die damit einhergehende Flexibilität in den letzten Jahren zu schätzen gelernt. Dass die unterschiedlichen Vorstellungen bei dieser Thematik schon jetzt aufeinanderprallen, zeigt auch der aktuelle Linkedin Global Talent Trends Report. Demnach war im September2022 lediglich jede zehnte ausgeschriebene Stelle in Deutschland (10 Prozent) als Remote Job (also zu 100 Prozent im Homeoffice) ausgewiesen. Gleichzeitig haben diese Positionen jedoch mehr als ein Fünftel der Bewerbungen (22 Prozent) erhalten. Während dieser Wert seit Anfang des Jahres auf gleichem Niveau verharrt, nimmt die Anzahl der Remote Jobs (12 Prozent) seit Januar 2022 stetig ab.
Motivation der Mitarbeitenden könnte erheblich beeinträchtigt werden
"Unternehmen sollten vorsichtig evaluieren, in welchem Umfang sie die Flexibilität ihrer Mitarbeitenden in der aktuellen Situation beschränken wollen. Das Homeoffice hat sich bewährt, diese Option zu streichen oder einzuschränken, könnte die Motivation und Zufriedenheit erheblich beeinträchtigen", sagt Barbara Wittmann, Country Manager und Senior Director Talent Solutions bei Linkedin DACH. "Unternehmen sollten gemeinsam mit ihren Angestellten nach Lösungen suchen oder zumindest ein hohes Maß an Transparenz und Offenheit schaffen. Dadurch können sie Vertrauen aufbauen und Enttäuschungen vermeiden. Gerade in Krisenzeiten sollte das Miteinander an erster Stelle stehen."
Immerhin teilen drei von fünf Befragte in Deutschland (59 Prozent) diese Einschätzung. Sie glauben, dass ein demokratischer Führungsstil, bei dem sie nicht allein Entscheidungen treffen, in der aktuellen Situation der richtige Weg für ihr Unternehmen ist. Zudem fragt jeder/jede Zweite (52 Prozent) seine Mitarbeitenden nach Verbesserungsvorschlägen und Möglichkeiten, um die Effizienz zu steigern.
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