Aufsichtsräten fehlt es an HR-Wissen
Lediglich je ein Aufsichtsratsmitglied von Bayer, Henkel und der Allianz verfügt über ausreichendes HR-Wissen, belegt eine Kienbaum-Studie. "Gerade einmal zehn Prozent aller Aufsichtsratsgremien können auf einen HR-Experten zurückgreifen und erfüllen damit die gesetzten Mindestanforderungen. Hier müssen die betroffenen Konzerne nachsteuern, wenn sie ihre eigene Personalarbeit ernst nehmen", so Berater Walter Jochmann.
Frauenquote im Aufsichtsrat bisher nur selten erfüllt
Des Weiteren zeigt die Studie "Farbe bekennen: Transparenz der Kompetenz im Aufsichtsrat", für die die Managementberatung Kienbaum die Kompetenzen aller Aktionärsvertreter in den Kontrollgremien der Dax-30-Unternehmen analysiert hat, dass sich die Aufsichtsräte auch in Sachen "Gender-Diversity" Kritik gefallen lassen müssen: Der durchschnittliche Frauenanteil in den untersuchten Aufsichtsräten liegt zwar bei 18 Prozent. Die Kontrollgremien setzen sich im Einzelnen aber sehr unterschiedlich zusammen. Es gibt einige Aufsichtsräte, in denen gar keine weiblichen Mandatsträgerinnen vertreten sind; sieben Dax-30-Unternehmen liegen dagegen bereits oberhalb der 30-Prozentquote. Den höchsten Frauenanteil haben die Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat von Henkel mit 38 Prozent.
Die "Gender Diversity" sei aktuell in den Dax-30-Unternehmen nach den HR-Kompetenzen eine der schwächsten Ausprägungen in den kumulierten Aufsichtsratsprofilen erklärt Jochmann. Er fordert: "Wir brauchen den Mut zu neuen Profilen und Qualifikationen weiblicher Kandidatinnen auf Basis von kreativen Suchprozessen in Leitungs- und Expertenfunktionen – national und international. Die anschließenden Besetzungen müssen dabei anhand eines Gesamtanforderungsprofils für den Aufsichtsrat und resultierender individueller Anforderungsprofile erfolgen. Dafür benötigen wir Transparenz über die Werdegänge und den Auswahlprozess für die Aktionäre."
Aufsichtsräte überzeugen mit Internationalität und Management-Know-how
Überzeugen können die Dax-Aufsichtsräte hingegen in den Kompetenzfeldern "Strategie und Steuerung", "Internationalität" sowie "Aufsichtsratserfahrung". Hier sind sie im Durchschnitt gut bis exzellent aufgestellt. In 29 der 30 Aufsichtsräte sind mehr als die Hälfte der Mitglieder Experten im Bereich "Strategie und Steuerung". In den Kontrollgremien von Daimler und Lanxess liegt der Expertenanteil sogar bei hundert Prozent.
Im Kompetenzfeld „Internationalität“ erfüllen alle Aufsichtsräte die Mindestanforderung, dass mindestens ein Mitglied internationale Kompetenz in Form von fünf Jahren internationaler Erfahrung oder ausländischer Staatsangehörigkeit hat.
In allen Aufsichtsräten bringt mehr als ein Viertel der Mitglieder eine mindestens fünfjährige Erfahrung in anderen Aufsichtsgremien mit. In den Kompetenzfeldern "Finanzexpertise" und "Branchen-Know-how" erfüllen durchschnittlich alle Aufsichtsgremien die Mindestanforderungen eines mindestens 25-prozentigen Anteils an Mitgliedern, die in diesen Bereichen als Experten gelten.
Deutsche Bank liegt über alle Kompetenzfelder hinweg vorne
Aus den Studienergebnissen lässt sich ableiten, welche Unternehmen die am besten aufgestellten Aufsichtsräte haben. Dies ergibt der Durchschnittswert aller Expertenanteile in den sieben analysierten Kompetenzfeldern. Die Top-3-Aufsichtsräte in Sachen Kompetenz haben in dieser Reihenfolge: die Deutsche Bank, Allianz und Eon.
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