"Ich sehe mich als stetig Lernender"
Haufe Online Redaktion: Herr Kempf, Sie standen beim Personalmanagementkongress das erste Mal als Präsident des Bundesverbandes der Personalmanager*innen auf der Bühne. Wie fühlt sich das an?
Matthias Kempf: Gut! Die positive Energie im Saal hat mich nochmals darin bestärkt, dass es eine gute Entscheidung war, dieses Amt zu übernehmen. Jetzt habe ich erst recht Lust anzupacken.
Haufe Online Redaktion: Was hat Sie motiviert, dieses Ehrenamt zu übernehmen?
Kempf: Als das Amt an mich herangetragen wurde, dachte ich zunächst: Oh, Verband! Das klingt nicht besonders dynamisch. Dann habe ich gehört, dass es um den BPM geht und hatte gleich ein besseres Gefühl. Ich bin in einer Lebensphase, in der ich auf viele Erfahrungen zurückblicken kann, und möchte jetzt dazu beitragen, eine neue Generation von HRlern auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten.
Haufe Online Redaktion: Sie haben am Tag der Amtsübergabe Ihren 61. Geburtstag gefeiert. Welche Rolle spielt das Alter in Ihren Überlegungen?
Kempf: Der Wunsch, meine Erfahrungen weiterzugeben, war schon ein Motiv. Aber ich überschätze mich da auch nicht, denn beileibe nicht alles, was ich gemacht habe, war erfolgreich. Doch auch diese Erfahrungen gilt es weiterzugeben. Davor habe ich keine Scheu.
Haufe Online Redaktion: Funktioniert der Erfahrungsaustausch für Sie auch umgekehrt?
Kempf: Absolut. Ich sehe mich als stetig Lernender. Ich kann genauso von der jüngeren Generation lernen. Erst kürzlich habe ich mit den beiden Koordinatorinnen des Young Professionals Netzwerks beim BPM diskutiert und festgestellt: Da ist nochmal eine ganz andere Energie.
Umbruch als Chance sehen
Haufe Online Redaktion: Der BPM genießt einen guten Ruf. Das ist auch das Verdienst Ihrer Vorgängerin Inga Dransfeld-Haase.
Kempf: Das stimmt. Sie und ihr Team haben einen tollen Job gemacht.
Haufe Online Redaktion: Sie übernehmen das Amt von einer Präsidentin, die die Sichtbarkeit des Verbandes enorm gesteigert und darüber hinaus viele Sympathien gewonnen hat. Verspüren Sie Druck?
Kempf: Es ist eine positive Anspannung da. Aber auch ein gewisser Respekt und eine große Freude. Ich stehe schließlich nicht allein da, sondern gemeinsam mit dem Präsidium, der Geschäftsstelle und einem starken Vorstandsteam.
Haufe Online Redaktion: Sie treten Ihre Amtszeit mit einem neuen Präsidium an. Zahlreiche langjährige Mitglieder gingen von Bord. Sehen Sie den personellen Umbruch als Chance oder Risiko?
Kempf: Ganz klar als Chance. Wir wollen die Stärken jedes Einzelnen nutzen, das galt für das alte und gilt für das neue Präsidium. Für mich war deshalb entscheidend, mit welchen Personen ich künftig zusammenarbeiten werde. Passt das? Wird die Arbeit da Spaß machen? Gibt mir das Energie? Meine Antwort lautet Ja.
Haufe Online Redaktion: Sie sind hauptamtlich Chief People Officer der Knauf Gruppe, einem Baustoffhersteller mit rund 45.000 Beschäftigen weltweit. Wie kriegen Sie die ehrenamtliche Präsidentschaft zeitlich unter?
Kempf: Ich habe mich vorab über den vermuteten zeitlichen Aufwand informiert. Aber ich glaube, dass die Schätzung, die ich erhalten habe, leicht untertrieben war (lacht). Trotzdem ist für mich klar: Ich gestalte gerne – und wenn ich etwas mache, dann möchte ich es richtig machen.
Haufe Online Redaktion: Welche Erfahrungen haben Sie in der Medienarbeit bisher gesammelt?
Kempf: Ein intensiver Umgang mit der Presse ist für mich eher etwas Neues. Ich bin auf Panels und Veranstaltungen aufgetreten, hatte zweitweise einen Lehrauftrag an einer Hochschule und habe Artikel für Fachzeitschriften und Fachbücher verfasst. Das sind meine bisherigen Erfahrungen.
Haufe Online Redaktion: Fürchten Sie den Vergleich mit Ihrer Vorgängerin?
Kempf: Im Gegenteil. Wir sind als Personen sehr unterschiedlich, das sollen allen durchaus bewusst sein. Ich werde das Amt auf meine Weise führen. Vielleicht wird es mit mir andere Färbungen geben, das werden wir sehen. Klar ist: Ich möchte auf der Arbeit von Inga und dem Präsidium aufbauen und Einfluss nehmen, sowohl in den Medien als auch in der Politik.
Der BPM und Frauenförderung
Haufe Online Redaktion: Der Personalmanagementkongress stand im Zeichen starker Frauen. Welche Bedeutung hatte das Thema Frauenförderung bisher für Sie?
Kempf: Aktuell blicke ich sozusagen aus verbesserungswürdiger Perspektive auf das Thema. Bei Knauf ist unser Top-Leadership-Team sehr männlich geprägt. Aber das Bewusstsein, dass Diversität einen Mehrwert bringt, ist da und entsprechende Initiativen entwickeln sich stetig weiter.
Haufe Online Redaktion: Der BPM hat sich seit Jahren für eine Frauenquote in Managementpositionen stark gemacht. Wie stehen Sie dazu?
Kempf: Früher habe ich eine Frauenquote abgelehnt. Da hat mich meine Zeit bei Adidas stark geprägt, mit einer sehr diversen und dynamischen Organisation. Dort wurde das Thema Diversity & Inclusion quasi zum Selbstläufer. Aber insgesamt bin ich heute davon überzeugt, dass eine Quote sinnvoll sein kann.
Haufe Online Redaktion: Welches HR-Thema ist Ihnen besonders wichtig?
Kempf: Ich brenne für Leadership- und Kulturentwicklung. Darin liegt für mich der Schlüssel, um Organisationen in die Zukunft zu führen und Menschen zusammenzubringen und weiterzuentwickeln.
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