Rund 50 Gäste sind unserer Einladung zur feierlichen Ehrung der "40 führenden HR-Köpfe 2025" am 3. Juli 2025 in Frankfurt am Main gefolgt. Ausgezeichnet wurden 20 Managerinnen und Manager, zehn Spitzenforscherinnen und -forscher, zehn Beraterinnen und Berater sowie die Ehrengäste aus der Sonderkategorie "Big Five". Sie alle erhielten eine individualisierte Ausgabe des Personalmagazins mit ihrem Porträtbild auf dem Cover.
Doch wie kam es zur Auszeichnung dieser Persönlichkeiten? Wer steckt hinter dem Ranking? Und was ist das Besondere an der Liste 2025? Ein Blick hinter die Kulissen.
40 führende HR-Köpfe: ein Rückblick
Nachdem die Coronapandemie bewältigt war, konnten viele CHROs Erfolgsgeschichten erzählen. Sie hatten sie als Gesundheits- und Krisenmanager in den Unternehmen einen Namen gemacht. Aus der Krise war eine Aufbruchsstimmung in HR entstanden. Ein bisschen heldenhaft fühlte sich mancher Top-Manager, der in einer schwierigen Zeit mutig vorangegangen war und Orientierung gegeben hatte. Und wir griffen das Narrativ dankbar auf – und inszenierten die Preisverleihung der "40 führenden HR-Köpfe" in den Jahren 2021 und 2023 als Heldenreise (im Neonlicht und KI-Antlitz). Der Übertreibung waren wir uns bewusst, doch sie entsprach dem Zeitgeist. Der ist heute ein anderer, Glanz und Glamour sind verflogen.
Wir leben im Juli 2025 in einer Zeit des Umbruchs, Pessimisten warnen vor dem Niedergang, Optimisten hoffen auf den Aufbruch. Die Metapher ist nicht neu, ein bisschen Transformation war schließlich immer. Und doch beschreibt das Bild vom Umbruch das Land, die Menschen und die Wirtschaft heute ziemlich treffend. Kriege, Zölle und gesellschaftliche wie geopolitische Verwerfungen prägen die Stimmung, die Rahmenbedingungen für die Zukunft sind fragil. Was müssen CHROs heute in den Unternehmen leisten, um das Morgen möglich zu machen? Das war unsere Ausgangsfrage. Damit begann unsere Suche nach den 40 führenden HR-Köpfen 2025, die unsere Redaktion fast ein halbes Jahr lang beschäftigte.
Die Automobilindustrie ist gewissermaßen das Sinnbild des Umbruchs. Hersteller und Zulieferer sind nicht nur von Zöllen und Lieferkettenunterbrechungen betroffen, sie befinden sich auch inmitten einer technologischen Transformation. In der E-Mobilität ist die Software das Herzstück der Fahrzeuge – und da hinken die deutschen Ikonen global betrachtet hinterher. Noch scheint der Weg zurück an die Spitze möglich, doch die Zeit drängt. Die Unternehmen und damit auch die CHROs müssen den größten Umbruch managen, den diese Branche jemals erlebt hat. Dabei geht es um gute Transformationskonzepte für das jeweilige Unternehmen und sein Ökosystem, aber auch um Lösungen für den Strukturwandel in den betroffenen Regionen, die von den einzelnen Firmen geprägt sind.
Produktivitätsfortschritte erzielen
Wer das Morgen gestalten will, muss heute die Innovationskraft der Unternehmen stärken. Auch das war ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der 40 führenden HR-Köpfe. Doch das ist nur ein Teil der Herausforderung. Der zweite liegt darin, die Produktivität in den Betrieben zu erhöhen. Historisch betrachtet trugen Produktivitätsfortschritte dazu bei, Wochenarbeitszeiten zu senken und betriebliche Zusatzleistungen zu erhöhen. Diese Zeiten dürften vorerst vorbei sein – zum Leidwesen vieler Beschäftigter. Die Produktivität der Wirtschaft stagniert seit Jahren, die lahmende Konjunktur und die steigenden Lohnkosten am Standort Deutschland drücken auf die Rendite der Unternehmen. Investiert wird deshalb weniger oder anderswo. CHROs sind gefordert, sich verstärkt den Themen Arbeitsorganisation, Fehlzeiten, Qualifizierung und Leistungsmanagement zu widmen. Die mögen nicht populär sein, notwendig sind sie allemal.
Die Debatten zur Zukunft der Arbeit hatten vor der Coronapandemie den CHROs Rückenwind gegeben. Häufig ging es um positiv besetzte Themen (New Work, Diversität; Talentmanagement), mit denen die Top-Personaler in Vorstandsrunden punkten konnten. Heute werden manche dieser Entwicklungen in Frage gestellt, Konfliktpotenziale zwischen Management und Beschäftigten nehmen zu. CHROs brauchen neue Antworten, müssen Position beziehen. Müssen wir in Deutschland wieder mehr arbeiten? Brauchen wir mehr Leistung? Halten wir an Diversitätsinitiativen fest, auch angesichts einer Anti-Diversitätsbewegung?
Viele CHROs nehmen diese Aufgaben beherzt wahr, sie haben ihre Personalstrategie mit der Unternehmensstrategie verknüpft. Viele beteiligen sich an der öffentlichen Debatte, wie der Umbruch organisiert werden kann. Für die Redaktion des Personalmagazins ist die Wirksamkeit von CHROs innerhalb des Unternehmens ein wichtiges Kriterium, um in unsere Liste aufgenommen zu werden.
Einfluss nehmen ist mehr als Tweets absenden
Doch die Wirksamkeit allein im Unternehmen reicht nicht aus, um als führender Kopf zu zählen. Der Anspruch geht darüber hinaus: Dabei denken wir nicht in erster Linie an Social-Media-Aktivitäten, die in der Branche üblich geworden sind und die CHROs teilweise besser beherrschen als andere Unternehmensfunktionen. Die Sozialen Medien sind zweifellos ein wichtiger und wesentlicher Bestandteil der Kommunikation geworden, um Mitarbeitende, Kunden, Bewerber oder die interessierte Öffentlichkeit zu erreichen.
Die 40 führenden HR-Köpfe sind kein Influencer-Ranking für Social Media. In unserer Liste finden sich CHROs wie Thomas Ogilvie oder Ilka Horstmeier, die dort ganz bewusst nicht präsent sind. Entscheidendes Auswahlkriterium bleibt für uns, dass die Preisträgerinnen und Preisträger Einfluss ausüben, Vorbildliches schaffen, sich am Erfahrungsaustausch beteiligen und die HR-Community voranbringen (mehr zum Auswahlverfahren am Textende).
40 führende HR-Köpfe 2025: Veränderungen im Management
Wir zeichnen Köpfe in den Kategorien Management, Wissenschaft und Beratung aus. In der Kategorie Management sind traditionell die meisten Wechsel zu beobachten, daran hat sich auch 2025 nichts geändert. Unter den 20 CHROs, die wir gelistet haben, sind neun neue Gesichter: Charlotte Beissel, Bettina Dietsche, Ilka Horstmeier, Thomas Kreiter, Katrin Krömer, Carmen-Maja Rex, Emmanuel Siregar, Sophie von Saldern und Jenny Zeller-Grothe. Andererseits heißt das aber auch: Elf von 20 haben ihre Position behauptet, ihre herausragende Leistung bestätigt.
Eine Person soll an dieser Stelle herausgehoben werden: Ariane Reinhart, Personalvorständin von Continental, deren Amtszeit in diesem Sommer endet. Wir haben sie bereits zum fünften Mal ausgezeichnet, sie hat nicht nur die Personalarbeit beim DAX-Konzern Continental über ein Jahrzehnt geprägt, auch die HR-Community. Als die DGFP am Boden lag, hat sie den Vorstandsvorsitz übernommen und den Verband aus der Krise geführt. Mit der Allianz der Chancen hat sie ein neuartiges Netzwerk geschaffen, um für Beschäftigte, deren Jobs wegfallen, betriebsübergreifend neue Chancen zu eröffnen. Wie Thomas Sattelberger die Nuller-Jahre prägte, so hat Ariane Reinhart die vergangene Dekade mit ihren Ideen geprägt.
Vormarsch der Frauen
Für uns als Redaktion erweist sich das Auswahlverfahren auch als Seismograph, um Veränderungen in der HR-Community zu beobachten. Die auffälligste Veränderung, die kaum noch überrascht: Frauen sind in der HR-Community weiter auf dem Vormarsch und haben die erste Ebene erobert. In der Kategorie Management unserer Liste liegt der Frauenanteil bei 80 Prozent (2023 waren es 65 Prozent), das entspricht etwa dem Anteil der Frauen unter den Personalvorständen im DAX.
40 führende HR-Köpfe: Bewegung in der Wissenschaft
Während im Management Geschäft und Karrieren wechselhaft verlaufen, gilt das nicht für die Wissenschaft. Wer einmal einen Lehrstuhl eingenommen hat, gibt diesen häufig erst mit der Emeritierung wieder ab. Veränderungen in der Liste der Wissenschaftler schafft vor allem unsere im Jahr 2023 eingeführte Big-Five-Regelung, die besagt: Wer mehr als fünfmal als führender HR-Kopf ausgezeichnet wurde, also mindestens eine Dekade geprägt hat, rückt auf in den Kreis der "Big Five" und macht damit Platz für neue Gesichter in der Liste der 40.
Bei den Wissenschaftlern hat sich unsere Liste gegenüber dem Jahr 2023 stark verändert, von den zehn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind vier neu hinzugekommen: Anne Burmeister, Katharina Hölzle, Patrick Kampkötter und Hannes Zacher. Der Frauenanteil in der Kategorie Wissenschaft liegt bei 50 Prozent. Auf eine für die HR-Community erfreuliche Entwicklung sei an dieser Stelle hingewiesen: Die Wissenschaft interessiert sich wieder mehr für die Praxis. Das liegt einerseits am Vormarsch der empirischen Forschung, andererseits scheinen junge Forscherinnen und Forscher Freude an der Zusammenarbeit mit Unternehmen zu haben. Einige davon haben es in unsere Liste geschafft.
Gründer sind in der Beratung prägend
Am Beratermarkt setzt sich eine Entwicklung der vergangenen Jahre fort: Die großen internationalen Unternehmensberatungen bauen auf ihre Marken und ihre Frameworks, Köpfe spielen eine untergeordnete Rolle. Eine Ausnahme ist Philipp Kolo, Partner bei der Boston Consulting Group, der sich in Debatten einmischt und es so ins diesjährige Ranking geschafft hat. Wir verstehen die Auszeichnung deshalb auch als ein Signal an die Practice-Leader dieser Beratungen, sich stärker in der HR-Community zu engagieren.
Mercer hat seine Stellung in der HR-Beratung durch den Zukauf der 100-köpfigen HKP Group ausgebaut. Die Integration ist bereits weit vorangeschritten, Gründer Michael Kramarsch ist aus dem Management ausgeschieden. Die HR-Community verliert damit eine der prägenden Beraterpersönlichkeiten der vergangenen 20 Jahre, er ist 2025 Teil unserer Big Five. In die Berater-Rubrik gewechselt ist Cawa Younosi, der 2023 noch als Deutschland-Personalchef von SAP in unserer Liste war. Als Geschäftsführer hat er die Charta der Vielfalt neu ausgerichtet und hat bereits gezeigt, wie er mit Gegenwind umgeht und Kräfte für die Charta neu mobilisiert.
Die Tops unter den Big Five
In unserer Sonderkategorie Big Five sind alle HR-Köpfe gelistet, die mehr als fünfmal ausgezeichnet wurden. Es ist keine Ehrung für das Lebenswerk und auch keine Ruhmeshalle für verstaubte Helden. Voraussetzung für die Big Five bleibt, dass die Köpfe beruflich aktiv sind und durch ihr aktuelles Tun Einfluss auf die Entwicklung der HR-Community nehmen. Zu den Big Five gehören inzwischen 16 Persönlichkeiten. Die meisten Auszeichnungen in der Kategorie Beratung erhielten Björn Gaul (CMS) und Walter Jochmann (Kienbaum) mit zwölf, gefolgt von Michael Kramarsch mit neun Ehrungen. In der Wissenschaft gehören zum Spitzenfeld Heike Bruch (Uni St. Gallen) und Gregor Thüsing (Uni Bonn), die beide elfmal gelistet wurden. Es folgen Jutta Rump (Hochschule Ludwigshafen) und Dirk Sliwka (Uni Köln), beide mit zehn Ehrungen. Im Management haben es in den letzten 20 Jahren nur ganz wenige geschafft, mehr als fünfmal gelistet zu werden: Stefan Lauer, Gunther Olesch und Thomas Sattelberger. In diesem Jahr sind es zwei Personen: Rupert Felder (vormals Heidelberger Druckmaschinen) und Alexander Zumkeller (ABB). Beide waren und sind neben ihren CHRO-Jobs auch im BVAU unterwegs.
40 führende HR-Köpfe: Eckpunkte unseres Auswahlverfahrens
Für die Erstellung der Liste haben wir ein halbes Jahr lang recherchiert und sind in mehreren Stufen vorgegangen: Wir haben unsere Leserschaft und unser Netzwerk aufgerufen, Vorschläge einzureichen. Daraus ist eine Nominierungsliste mit 100 Personen entstanden. Alle Redakteurinnen und Redakteure haben ihre Kontaktnetze genutzt, um Einschätzungen zu den Nominierten einzuholen. Die Auswahlentscheidung wurde in mehreren Redaktionsmeetings getroffen. Wo es unterschiedliche Einschätzungen zu einer Person gab, galt das Mehrheitsprinzip.
Unsere Auswahlkriterien
Mit der Auswahl bilden wir das Ökosystem HR ab: Management, Beratung und Wissenschaft. Im Zentrum steht das Management, das mit 20 CHROs die größte Gruppe stellt. Auswahlkriterien für CHROs waren Exzellenz in HR, Fokus auf Transformation und Wirksamkeit über das Unternehmen hinaus.
In der Beratung haben wir uns auf klassische Unternehmensberater beschränkt. Softwarehersteller, Startups, Headhunter und viele andere Dienstleister bleiben ausgeklammert. Auswahlkriterien in dieser Kategorie waren Exzellenz in der Beratungspraxis mit Fokus auf Transformationsprojekte, Wirksamkeit über die eigene Beratungsgesellschaft hinaus und Persönlichkeit mit Anstand.
In der Kategorie Wissenschaft waren die Auswahlkriterien Exzellenz in der Forschung (zum Beispiel in Forschungsrankings), Zusammenarbeit mit Unternehmen und Wirksamkeit in der HR-Community.
Details zu unserem mehrstufigen Auswahlverfahren sowie zu den Auswahlkriterien können Sie auf unserer Themenseite "Die 40 führenden HR-Köpfe" sowie in Personalmagazin Ausgabe 08/2025 nachlesen.