| Infografik

Stellenanzeigen strotzen weiterhin vor Phrasen

Füllwörter, Phrasen, Nominalstil: Die Infografik zeigt, warum viele Stellenanzeigen unpersönlich und unattraktiv wirken.
Bild: Textkernel/Jobfeed

Austauschbar, unprofessionell und lustlos getextet: So lautet auch in diesem Jahr wieder das Fazit einer Studie zum Thema "Stellenanzeigen", deren Autoren rund 120.000 Ausschreibungen analysiert haben. Schon im Vorjahr hatten sie kein gutes Haar an der hiesigen Stellenanzeigen-Prosa gelassen.

Für ihre Studie "Club der Gleichen – Edition Stellenanzeigen" haben die Unternehmensberater Manfred Böcker und Sascha Theisen zusammen mit dem Semantik-Spezialisten Textkernel 120.000 Stellenanzeigen von 500 Unternehmen sprachlich ausgewertet und technisch analysiert. Die Ergebnisse zeigen: Nach wie vor wollen viele Arbeitgeber Bewerber auf sich aufmerksam machen, indem sie in ihren Stellenanzeigen auf Füllwörter, vorgestanzte Wortbausteine und ungelenke Substantivierungen setzen.

Bereits bei ihrer Studie im vergangenen Jahr hatten die beiden Studienautoren bemängelt, dass Stelleanzeigen oft ein "Füllhorn an generischen Werbephrasen" enthielten (hier lesen Sie ein Interview mit Böcker und Theisen zur Studie 2015).

Lieblingsphrase 2016: "unter anderem"

Wie die Arbeitgeber den potenziellen Kandidaten konkret die Entscheidung, sich zu bewerben, vergrätzen und wie sie ihnen den Bewerbungsprozess sonst noch erschweren, lassen folgende Kernergebnisse erahnen:

  • Der am häufigsten gebrauchte Schlüsselbegriff in Jobbeschreibungen ist aktuell "unter anderem": Statt eine attraktive Aufgabe zu beschreiben, listen die meisten Arbeitgeber hier lustlos Einzelaufgaben auf.
  • Die Autoren von Stellenanzeigen setzen voll und ganz auf "ung"-Formen. Die Studien-Initiatoren fanden in den untersuchten Stellenanzeigen mehr als eine Million "ung"-Suffixe – ein sprachlicher Hinweis auf einen behördlich wirkenden und abstrakten Nominalstil.
  • Nur in 32 Prozent der untersuchten 120.000 Stellenanzeigen veröffentlichen deutsche Arbeitgeber eine anklickbare E-Mail Adresse. Die genannten E-Mail-Adressen sind zudem auch meist unpersönlich: Die meist genannten Varianten sind "bewerbung@", "karriere@" und "jobs@".

Die meisten Stellenanzeigen sind handwerklich mangelhaft

Kein Wunder also, dass das Fazit der Studienautoren lautet, dass die meisten Stellenanzeigen austauschbar, unprofessionell und lustlos getextet rüberkommen. "Wenn am Ende der Employer-Branding-Verwertungskette die Stellenanzeige steht, müssen wir feststellen: eine Differenzierung findet nicht statt. Was aber bewirkt dann noch Employer Branding?", fragt Manfred Böcker.

"Die meisten Stellenanzeigen, die wir uns angesehen haben, waren aus handwerklicher Perspektive mangelhaft, voller Füllwörter, Bandwurmsätze und Substantivierungen. Dieses so wichtige Werkzeug der Mitarbeitersuche braucht einfach mehr Professionalität und die Kandidaten verdienen mehr Unterscheidungsmerkmale bei Ihrer Suche nach dem richtigen Arbeitgeber", sagt Sascha Theisen.

Wenn Sie wissen wollen, welche Unternehmen zu den größten Phrasendreschern zählen, werfen Sie hier einen Blick auf die Infografik.

Schlagworte zum Thema:  Recruiting, Stellenanzeige, Employer Branding, Personalmarketing

Aktuell

Meistgelesen