Großes Fachkräfteangebot hält Regionen attraktiv
Laut aktueller IAB-Studie wird das Angebot für Arbeitskräfte dauerhaft darüber entscheiden, wie es um Attraktivität und wirtschaftliche Entwicklung einer Region in Deutschland bestellt ist. "Der limitierende Faktor ist nicht mehr die Arbeitslosigkeit, sondern das Arbeitskräfteangebot", kommentierte Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereiches Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen beim IAB. Das bedeutet, Regionen, die eine zunehmend positive Fachkräfteentwicklung aufweisen, werden sowohl in puncto Standortattraktivität sowie wirtschaftlich profitieren. Anders sieht es aus, wenn sich innerhalb einer Region ein permanenter Fachkräfte-Engpass abzeichnet. In diesem Fall verlieren die meist ohnehin strukturschwachen Regionen weiter an Attraktivität, bei den Arbeitskräften selbst wie auch bei den Unternehmen. Das macht den betroffenen Gebieten langfristig auch wirtschaftlich zu schaffen. Weitere Einflussfaktoren, die sich zudem auf den Stellenmarkt und nachgelagert auf die Regionen auswirken, sind die schrumpfende Bevölkerungszahl sowie der technologische Wandel.
Wie sich diese Umbrüche am Arbeitsmarkt heute bereits auf die Fachkräfte-Nachfrage in bestimmten Industriebereichen und Regionen niederschlagen, hat Hays über den Fachkräfte-Index im Bundeslandvergleich herausgefunden. Der Index umfasst alle Stellengesuche dieser Branchen über den Zeitraum von 12 Monaten hinweg.
Süddeutschland ist Top-Region für IT und Ingenieure
Demnach werden in Summe die meisten Fachkräfte erwartungsgemäß in den Bundesländern Bayern (140.000), Baden-Württemberg (126.000) sowie Nordrhein-Westfalen (125.000) gesucht. Schlusslicht ist das Saarland mit gerade einmal 2.500 Stellenangeboten für das gesamte Jahr 2019. Betrachtet man hingegen einzelne Berufsgruppen, ändert sich das Bild. Zwar scheint Bayern (insbesondere der Raum Stadt München) mit insgesamt 61.000 Stellengesuchen nach IT-Spezialisten, unangefochtene Nummer eins zu sein, wenn es um den High-Tech Standort in Deutschland geht. Allerdings hat Baden-Württemberg die Nase vorn, wenn es um die Nachfrage nach Ingenieuren geht. Mit rund 25.000 Stellengesuchen liegt diese Region an der Spitze. Schaut man auf Landkreis-Ebene, wird deutlich, dass die Suche nach Fachkräften sich vorwiegend dort konzentriert, wo Forschung und Entwicklung sowie die Großindustrie angesiedelt ist (zum Beispiel Karlsruhe und Böblingen). Dass laut Angaben des IAB die Bedeutung des produzierenden Gewerbes abnimmt, erkennt man auch am Nachfrage Rückgang des Fachkräfte-Index für das vierte Quartal 2019 sehr gut. Über alle qualifizierten Berufsgruppen hinweg gab es weniger Stellengesuche. Das wird besonders im Raum Baden-Württemberg spürbar.
Stadtstaaten weisen hohe Attraktivität für Fachkräfte auf
Die stärkste Beschäftigungskonzentration befindet sich laut Index in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg. Allein Berlin sucht, mit 56.000 Angeboten, jährlich insgesamt mehr Fachkräfte als die Bundesländer Niedersachsen und Rheinland-Pfalz zusammen. Aber auch Hamburg ist als Medien- und Digitalstandort mit jährlich rund 40.000 Suchen ein attraktives Pflaster für Fachkräfte. Die dauerhaft am stärksten nachgefragte Berufsgruppe sind die IT-Experten (rund 300.000), gefolgt von den Vertriebs- und Marketingexperten mit knapp 200.000 Stellengesuchen sowie auf Platz drei die Ingenieure mit rund 100.000 Nachfragen im Jahresmittel. „Die aktuellen Ergebnisse spiegeln wider, welche Regionen auf welchen Gebieten wirtschaftlich stark sind. Im Zuge des Strukturwandels in einigen Industrien und der weiter fortschreitenden Digitalisierung wird sich hier in den kommenden Jahren im regionalen Jobmarkt einiges spürbar verändern. Hier ist ein enges Zusammenspiel von Unternehmen, Wissenschaft und Forschung sowie der Politik gefragt, Chancen aktiv zu nutzen“, kommentiert Frank Schabel, Marketing- und Kommunikationschef der Hays AG, die Ergebnisse.
Den ausführlichen Fachkräfte-Index für das Quartal 4/2019, auch nach weiteren Branchen aufgeschlüsselt, finden Sie hier: hays.de/fki
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