Wo sind all die Emotionen hin?
Befehl und Gehorsam, viel Kritik und wenig Lob: Für 24 Prozent der Arbeitnehmer ist dieses Szenario tägliche Realität, so die Studie. Immerhin: 23 Prozent der Befragten haben das Glück, einen fortschrittlichen Chef zu haben, der eine coachende Art des Führens verfolgt, die Mitarbeiter individuell fördert und Aufgaben sinnvoll delegiert.
Das sind Ergebnisse der Studie "Emotionale Führung am Arbeitsplatz" des Personalberaters Rochus Mummert. Die Studienautoren befragten rund 1.000 Arbeitnehmer in Deutschland dazu, wie weit verbreitet emotionsorientierte und andere Führungsstile in deutschen Büros und Werkhallen verbreitet sind.
Emotionale Intelligenz auf die Führung übertragen
Mit der "emotionalen Führung", die der Studie ihren Namen gegeben hat, berufen sich die Autoren auf das Konzept der Emotionalen Intelligenz, das der Management-Vordenker Daniel Goleman in den 1990er Jahren bekannt gemacht hat – vor allem in seinem Buch "EQ Emotional Intelligence".
Anfang der 2000er Jahre verfasste er dann zusammen mit Professor Richard Boyatzis und Professorin Annie McKee ein Buch, in dem dieses Konzept auch auf die Führung übertragen wurde: "Emotionale Führung" ("Primal Leadership").
Boyatzis und seine Co-Autoren zeigen darin unter anderem, dass die (positiven oder negativen) Gefühle der Führungskraft ansteckend auf ihre Mitarbeiter wirken und belegen dies mit neurologischen Prozessen – etwa durch die Funktionen des Limbischen Systems, jenen Teil des Gehirns, der unter anderem dafür sorgt, dass Menschen voneinander subtile emotionale Hinweise aufnehmen können.
Emotionale Führung ist keine Gefühlsduselei
Der deutsche Titel "emotionale Führung", der sowohl das Buch als auch das Konzept selbst schmückt, mag jedoch etwas irreführend sein: Mitnichten geht es nämlich darum, dass die Führungskraft ihre Mitarbeiter nur auf einer emotionalen Ebene ansprechen soll.
Vielmehr ist eine wahrhaft "emotionale" Führungskraft in der Lage, blitzschnell zwischen kognitiver und emotionaler Intelligenz hin und her zu wechseln – und genauso schnell zu erkennen, wann welche Art von Intelligenz gefordert ist.
Das Buch der drei Professoren war ein internationaler Bestseller, konnte in Deutschland allerdings seinen internationalen Erfolg nicht fortsetzen – laut Überzeugung von Co-Autor Boyatzis aufgrund seines leicht sentimentalen deutschen Titels "Emotionale Führung", wie der Professor auf einer Leadership-Veranstaltung der Hay Group im Jahr 2013 mutmaßte (mehr dazu lesen Sie in Ausgabe 09/2013 der "Wirtschaft + Weiterbildung").
Ob es auch daran liegt, dass emotionsorientiere Führungsstile in deutschen Büros immer noch wenig Verbreitung finden?
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