08.07.2013 | Führung

Von Psychopathen lernen

Eine Studie von Kevin Dutton legt nahe, dass es unter den CEOs besonders viele Psychopathen gibt.
Bild: Keith Beaty/ ZUMA Press/ Corbis

Manchmal könnten wir alle den psychopathischen Regler etwas höher drehen, rät der Psychologe Kevin Dutton. Was man von Psychopathen lernen kann, wo diese in der Arbeitswelt anzutreffen sind und wie Personaler sie erkennen, verrät Dutton im Interview mit Bärbel Schwertfeger in der aktuellen "Wirtschaft und Weiterbildung".

wirtschaft und weiterbildung: Was zeichnet Psychopathen aus?

Kevin Dutton: Sie sind selbstsicher, schieben nichts auf, fokussieren sich aufs Positive, nehmen Dinge nicht persönlich und sie machen sich keine Vorwürfe, wenn etwas überhaupt nicht geklappt hat. Sie bleiben cool, wenn sie unter Druck stehen. Sie sind furchtlos, charmant und gewissenlos. Es gibt Situationen im Leben, wo das eine oder andere Merkmal durchaus nützlich sein kann.

wirtschaft und weiterbildung: Sie meinen, wir alle sollten etwas psychopathischer sein?

Dutton: Ja, stellen Sie sich vor, Sie könnten alle diese Merkmale wie an einem Mischpult in verschiedenen Kombinationen hoch- und runterdrehen. Manchmal wäre das durchaus hilfreich. Zum Beispiel, wenn Sie mehr Gehalt von ihrem Chef wollen. Für viele ist das eine schwierige Situation. Sie denken daran, was passiert, wenn es nicht klappt. Sie machen sich Gedanken, was der Boss oder die Kollegen sich denken. Psychopathen beschäftigen sich nicht mit einem möglichen Scheitern. Sie fokussieren sich nie auf das Negative, sondern immer auf die gewünschte Belohnung. Dadurch werden sie automatisch auch selbstsicherer und überzeugender. Sich selbst in einen richtigen Psychopathen zu verwandeln ist weder wünschenswert noch empfehlenswert. Aber wir alle können den psychopathischen Regler manchmal etwas höherdrehen.

wirtschaft und weiterbildung: Gibt es Berufe, wo Psychopathen besonders häufig anzutreffen sind?

Dutton: Im Jahr 2011 habe ich eine Umfrage durchgeführt. Sie hieß "Great British Psychopath Survey" und war die erste Studie, die auch die beruflichen Tätigkeiten miteinbezog. Die Leute wurden über das Radio auf meine Website gelenkt, wo sie einen speziell für die Normalbevölkerung validierten Test, die Levenson Self Report Scale, ausfüllten und zudem noch Angaben zu ihrem Job machten. Die meisten Psychopathen gab es – wenig verwunderlich – bei den CEOs, dann kamen Anwälte, Verkäufer, Chirurgen, Journalisten und Polizisten. Auf Platz acht standen die Geistlichen. Das hat mich zunächst doch sehr erstaunt. Aber Psychopathen sind einfach erfolgreicher in Organisationen mit einer klaren Hierarchie, wo sie an den Regeln drehen können und das ist zum Beispiel bei der Kirche der Fall.

wirtschaft und weiterbildung: In Unternehmen können Psychopathen großen Schaden anrichten. Was raten Sie HR-Managern bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter?

Dutton: Wenn Sie vermuten, dass ein Kandidat psychopathisch ist, müssen Sie unbedingt entsprechende Persönlichkeitstests machen. In Großbritannien machen die HR-Manager das auch. Natürlich kann man denen keinen Psychopathen-Test vorlegen, aber es gibt andere Persönlichkeitstests, aus deren Ergebnissen man durchaus herauslesen kann, ob der Kandidat diese Züge hat. Zudem müssen Sie Tiefeninterviews machen und seine Unterlagen sehr sorgfältig checken. Psychopathen sind gut darin, Ihnen einen Bären aufzubinden. Und Sie müssen darauf achten, ob ihre Worte auch mit ihren Taten übereinstimmen. Sofern möglich sollten Sie zudem ein 360 Grad-Feedback einholen.

Schwertfeger: In Führungstrainings geht es oft darum, dass Manager reflektierter werden. Ist das der falsche Weg?

Dutton: Oft gibt es einfach keine Zeit für Nabelschau im mörderisch harten Geschäft. Da muss man schnell und unter Druck entscheiden und manchmal richtig hart sein. Ein CEO sagte mir mal: "Wenn Du nachts wach liegst und darüber grübelst, was Du getan hast, dann wäre es besser gewesen, Du wärst kein CEO geworden." Wir leben nun mal in keiner idealen Welt. Das ist sicherlich nicht schön, aber wir müssen letztlich doch auch pragmatisch sein. Das ist übrigens auch einer der Punkte, warum Frauen oft nicht so erfolgreich sind. Sie sind empathischer und reflektierter und machen sich selbst mehr Vorwürfe, wenn Dinge schiefgehen.

wirtschaft und weiterbildung: Sind Männer häufiger psychopathisch?

Dutton: Bei Männern liegt die Verbreitung zwischen ein und zwei Prozent, bei Frauen zwischen 0,5 bis 0,75 Prozent, wobei man nicht genau weiß, warum das so ist.

Kevin Dutton ist Psychologe und Buchautor. Sein aktuelles Werk "Psychopathen: Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann" ist im April 2013 in deutscher Übersetzung im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen.

Das komplette Interview können Sie in der aktuellen Ausgabe (Juli/ August 2013) der Wirtschaft und Weiterbildung lesen.

Schlagworte zum Thema:  Führung, Lernen

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