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Wie das virtuelle Lernen gegen das Internet gewinnt

Kurzfristig geistig abwesend: E-Learner müssen gegen viele Versuchungen kämpfen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Können sich virtuelle Lektionen gegen ständige Versuchungen wie Internet, Fernsehen und E-Mail durchsetzen? Ja, sie können, sagen zwei Forscher von der Harvard-Universität – aber nur, wenn die E-Learning-Programme den Lernerfolg früh und regelmäßig überprüfen.

E-Learning ist im Kommen, auch viele Unternehmen nutzen es bereits zur Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Lerner können die Lektionen zeitlich und räumlich flexibel absolvieren und die Firmen sparen meist die Kosten für einen Übungsleiter. Doch das kann auch ein Risiko sein, erfordert E-Learning doch große Selbstdisziplin von den Lernern. Bisher liegen noch wenige Forschungsergebnisse dazu vor, wie E-Learner im virtuellen Klassenzimmer lernen. Das dachten sich auch zwei Wissenschaftler der amerikanischen Harvard-Universität und machten sich daran zu erforschen, wie E-Learning-Programme gestaltet sein müssen, um die Aufmerksamkeit der Lernenden in ständiger Konkurrenz mit anderen Medien wie Internet, Fernsehen und E-Mail aufrecht zu erhalten. Das Ergebnis: E-Learning-Einheiten sollten für einen optimalen Lernerfolg regelmäßig durch kurze Tests unterbrochen werden. Mit dieser Methode ließen sich geistige Ablenkungen der Lerner um die Hälfte reduzieren und diese würden sich ein Drittel mehr Notizen machen. Außerdem könnten sie sich den Lernstoff insgesamt besser merken, erklärt die Universität in einer Online-Meldung.

E-Lerner bei andauerndem Vorlesungsfluss geistig ab

Die Studienautoren, Daniel Schacter und Karl Szpunar, hatten dazu einige Experimente mit Studenten beim E-Learning durchgeführt: Sie zeigten den Studienteilnehmern dazu jeweils eine Online-Vorlesung in vier Teilen zu je fünf Minuten, dann unterbrachen sie das E-Learning. Nach jeder Sequenz wurden die Studenten getestet. Zunächst mussten alle Teilnehmer Matheaufgaben lösen, dann wurden sie in zwei Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe löste Aufgaben zum E-Learning-Stoff, die Kontrollgruppe musste weiter rechnen. In einem zweiten Experiment teilten die Wissenschaftler die Studenten in drei Gruppen ein: Wieder schauten sich alle die in fünfminütige Sequenzen unterteilte Vorlesung ein. Diesmal unterbrachen die Forscher sie dabei und fragten sie, ob sie sich noch auf den Vorlesungsstoff konzentrierten. Dabei gaben die Studenten in rund 40 Prozent der Fälle zu, geistig abgeschaltet zu haben. Nach den Vorlesungssequenzen mussten alle drei Gruppen zunächst Matheaufgaben lösen. Eine Gruppe wurde im Anschluss über den Vorlesungsstoff getestet, die zweite musste wieder rechnen und die dritte hatte die Gelegenheit, sich das Lernmaterial aus der Vorlesung noch einmal zu verinnerlichen.

Unterbrechungen mit Tests fördern den Lernerfolg

Dabei stellten die Studienleiter fest, dass die Studenten, die zwischen jeder Sequenz getestet worden waren, deutlicher weniger abgelenkt waren und sich den Stoff insgesamt besser merken konnten. Sie schnitten sogar besser ab als die Gruppe, die am Ende der Vorlesung die Möglichkeit bekommen hatte, sich den Stoff noch einmal einzuprägen, erklärt Daniel Schacter der Universitäts-Homepage. Schacter und sein Forscherkollege ziehen daraus den Schluss, dass es nicht genüge, dass eine Lektion kurz sei oder zwischendurch unterbrochen werde. Um geistige Ablenkung zu unterbinden, sei es entscheidend, die Lektion mit Testeinheiten zu unterbrechen. Die Tests, so vermuten die Wissenschaftler, dienten für die Studenten als Motivation, sich mehr auf das E-Learning zu konzentrieren. Außerdem nähmen regelmäßige Überprüfungen den Studenten die Angst vor der Komplexität des Vorlesungsmaterials.

Die Problematik der ständigen Ablenkungen aus der virtuellen Welt war den Wissenschaftlern übrigens aus Unterhaltungen mit Studenten bekannt: Karl Spuznar erzählt, dass einige Studenten ihm berichtet hatten, sie bräuchten vier Stunden, um eine einstündige Online-Vorlesung durchzuarbeiten - weil sie parallel die Ablenkungen der Außenwelt zu bekämpfen versuchten.

Als nächstes, so Schacter auf Harvard.edu, wolle man untersuchen, ob sich die Erkenntnisse auch dazu nutzen lassen, geistige Ablenkung im Präsenzunterricht einzudämmen.

Haufe Online Redaktion

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