Deutsches Ausbildungssystem als Exportschlager – auch in China
2011 wurde die Weidmüller Academy Asia als erster internationaler Ableger der Weidmüller Akademie aufgebaut.
wirtschaft + weiterbildung: Wie kam es dazu?
Eberhard Niggemann: Die Weidmüller Gruppe ist ein globales Unternehmen. Schon etwas mehr als die Hälfte der Mitarbeiter arbeitet nicht in Deutschland, sondern ist weltweit verteilt. Unser Umsatz in Deutschland beträgt heute 25 Prozent. Das heißt, ein Großteil des Wachstums passiert außerhalb von Deutschland. Und eine große Niederlassung in Asien mit fast 1.000 Mitarbeitern liegt eben in China. Dort haben wir schon vor Längerem Maßnahmen in der Weiterbildung ergriffen. So haben wir zum Beispiel Studenten Praktika bei Weidmüller angeboten, um den jungen Leuten einerseits Praxiseinblicke zu ermöglichen und andererseits das Netzwerk mit den Hochschulen aufzubauen. Mit dem Aufbau der Akademie haben wir diese und weitere Maßnahmen in Strukturen gebündelt und ausgebaut.
wirtschaft + weiterbildung: Wie ist das Angebot der Weidmüller Academy Asia aufgebaut?
Niggemann: Wir haben einerseits die Bereiche Ausbildung und Hochschulen eingerichtet, andererseits betreiben wir Produktschulungen im Trainingscenter und bieten Weiterbildungen über die Personalentwicklung an. Zudem nutzen wir die Strukturen der Akademie auch, um unsere Netzwerke zu Hochschulen, Schulen, anderen Unternehmen und Institutionen wie der Deutschen Außenhandelskammer wie auch zu regionalen Initiativen zu stärken. Die grundlegenden Strukturen haben wir vom deutschen Headquarter aus vorgegeben. Darum sind die Angebote ähnlich aufgebaut. Schließlich sind unsere Bedürfnisse im Personalmanagement in China auch so ähnlich wie in Deutschland. Es ist zum Beispiel genauso wichtig, gut qualifizierten Nachwuchs im Ingenieurbereich zu haben.
wirtschaft + weiterbildung: Das deutsche Ausbildungssystem gilt inzwischen als Exportschlager…
Niggemann: Ja, das stimmt. Seit einiger Zeit ist es in China auf hoher politischer Ebene gewollt, die duale Ausbildung flächendeckend einzuführen. Inzwischen gibt es Vereinbarungen zwischen der chinesischen und deutschen Regierung.
wirtschaft + weiterbildung: Kann man das deutsche System denn einfach so auf die Gegebenheiten in China übertragen?
Niggemann: Es muss natürlich an die Gegebenheiten in China angepasst werden. Das ist nicht ganz einfach, da das Ausbildungssystem dort ein ganz anderes ist. In China gibt es zwar berufliche Schulen; die sind jedoch sehr theoretisch orientiert. Noch wird eine solche praktische Ausbildung nicht als wertig wahrgenommen. Aber wir sind auf einem guten Weg. Jedes Jahr stellen wir vier bis fünf Azubis ein. Das sind noch nicht viele. Doch es braucht Zeit, um Akzeptanz zu schaffen und die jungen Leute dafür zu begeistern.
wirtschaft + weiterbildung: Welche weiteren Herausforderungen sind mit dem Akademieaufbau verbunden?
Niggemann: Die größte Herausforderung liegt darin, dass das deutsche Bildungssystem in China nicht bekannt ist und die Einstellung zum Lernen eine andere ist. Wir wollen mit unserer Aus- und Weiterbildung eine hohe Handlungskompetenz aufbauen. Die erlangt man aber nur, wenn man theoretisches Wissen in der Praxis ausprobieren darf und dabei auch Fehler erlaubt sind. Bisher ist in China aber eher das reine Lernen und Wiedergeben gefragt und weniger das selbstständige Anwenden des Wissens. Wir müssen also erst noch viel Überzeugungsarbeit leisten und für unsere Lernphilosophie werben – bei Schülern und Lehrern.
wirtschaft + weiterbildung: Wie sehen die Zukunftspläne aus? Soll die Akademie künftig noch ausgebaut werden?
Niggemann: Die grundlegenden Herausforderungen haben sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Da wir ein global agierendes Unternehmen sind und kontinuierlich wachsen, werden wir unser Bildungsangebot und unser Netzwerk auch in Zukunft bedarfsorientiert weiter ausbauen – und das weltweit, kontinuierlich und nachhaltig.
Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redaktion Personal.
Das gesamte Interview mit Eberhard Niggemann finden Sie im Magazin "Wirtschaft + Weiterbildung", Ausgabe 02/2014.
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