| Datenschutz-Studie

Personaler sind keine Digitalisierungsbremsen

Besser als ihr Ruf: Laut einer aktuellen Studie können viele HR-Abteilungen schon eine eigene Digitalisierungsstrategie vorlegen.
Bild: Corbis

Beim Thema "Digitalisierung" wird HR oft eine defensive Haltung vorgeworfen. Dies konnte eine Studie zum Thema "Datenschutz" nun widerlegen. Allerdings weist sie auch auf große Unsicherheit bei HR hin, etwa bei Cloud-Lösungen. Doch in einem Bereich kennt HR kaum datenschutzrechtliche Bedenken.

Inwiefern Personaler schon den Anforderungen der digitalisierten Welt entsprechen, wie weit sie etwa mit der Entwicklung eigener Digitalisierungsstrategien sind, wie offen sie Cloud-Lösungen gegenüberstehen und wie sie ihre Fähigkeiten bewerten, sich beim Thema "Datenschutz" rechtssicher zu bewegen: Zu diesen und anderen Themen haben der Branchenverband Bitkom und die Beratungsgesellschaft Kienbaum mit Unterstützung der Stiftung Datenschutz eine Studie durchgeführt. Dafür befragten sie im vierten Quartal 2015 branchenübergreifend 211 Geschäftsführer, Datenschutzbeauftragte und HR-Verantwortliche aus öffentlichen und privaten Organisationen in Deutschland.

Über die Ergebnisse berichten Horst-Dieter Bruhn, Senior Expert bei Kienbaum, Andreas Schulz, Datenschutzbeauftragter bei Bitkom, und Johannes Kirch von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin nun ausführlich in der aktuellen Ausgabe des Personalmagazins (Die Ausgabe können Sie hier als App lesen).

HR-Digitalisierungsstrategie fast gleichauf mit Firmenstrategie

Was die Digitalisierungsstrategien der Personaler betrifft, können die Studienautoren ein durchaus positives Ergebnis aus der Umfrage ziehen: Denn die Antworten der Befragten widerlegen das oft gehörte Vorurteil, dass HR eine Digitalisierungsbremse sei. Zwar liegen die Personaler mit ihrer Digitalisierungsstrategie in den meisten Unternehmen ein wenig hinter der Gesamtunternehmensstrategie zur Digitalisierung – aber nur minimal (siehe Grafik).

Die Personaler hinken in puncto Digitalisierungsstrategie noch etwas hinter der Firmenstrategie her – doch der Unterschied ist gering.
Bild: Bitkom/Kienbaum

Zudem decken die Personaler mit ihrer Digitalisierungsstrategie nicht nur klassische HR-Themen ab, sondern machen sich auch selbst fit für die Digitalisierung. "Hat HR bereits eine eigene Digitalisierungsstrategie formuliert, beschränkt sich diese nicht nur auf die Entwicklung digitaler Kompetenzen bei der Belegschaft", schreiben die Autoren im Personalmagazin. "Vielmehr arbeitet HR auch aktiv daran, das Potenzial der digitalen Transformation bei den eigenen Prozessen und Instrumenten auszuschöpfen."

40 Prozent der Personaler lehnen Cloud-Lösungen generell ab

Trotz der positiven Ergebnisse im Bereich Digitalisierungsstrategie: Geht es um den Datenschutz, besteht bei den Personalern noch erhebliche Unsicherheit. Das zeigt sich besonders beim Thema "Cloud-Lösungen" (siehe Grafik). Während insgesamt die Hälfte aller befragten Unternehmen Cloud-Lösungen einsetze, schreiben die Autoren, nutze nur ein Drittel die Cloud für die Unterstützung von HR-Prozessen.

Personaler stehen der Cloud weiterhin skeptisch gegenüber, so ein Ergebnis der Datenschutz-Studie von Bitkom und Kienbaum.
Bild: Bitkom/Kienbaum

40 Prozent aller Personalabteilungen lehnen die Cloud als Lösungsoption für HR-Daten demnach sogar generell ab. Immerhin ein Viertel denkt über eine künftige Nutzung nach, wie die Untersuchung ebenfalls zeigt.

Personalakten auszulagern gilt als Tabu

Ob und in welchem Maße sich die Personaler an Cloud-Lösungen herantrauen, hängt den Erkenntnissen der Autoren zufolge stark von der Art der dort zu verwaltenden HR-Daten ab: "Personalakten außerhalb des eigenen Unternehmens zu speichern, gilt fast als Tabu", schreiben die Autoren zu diesem Punkt. "Gehaltsabrechnungen sowie Datenauswertungen in der Cloud erzeugen Unbehagen. Mobile Zugriffe von Personal- und Linienmanagern auf HR-Daten schätzen zwei Drittel aller Befragten als sehr kritisch ein."

Recruiting: Bei Active Sourcing schwinden die Bedenken

Das Unbehagen weicht demnach nur in einem einzigen HR-Prozess auf: "Bei der Personalgewinnung kommt nahezu niemand mehr an Active Sourcing vorbei", heißt es im Personalmagazin. Datenschutzrechtliche Bedenken seien bei HR also dann deutlich geringer, wenn es gelte, in sozialen Netzwerken nach geeigneten Profilen zu suchen und Daten potenzieller Bewerber zu nutzen, schlussfolgern die Autoren.

Tipp zum Weiterlesen: Die kompletten Studienergebnisse finden Sie in Ausgabe 04/2016 des Personalmagazins. Die Ausgabe können Sie hier in der Personalmagazin-App herunterladen. Dort finden Sie auch zusätzliche Grafiken mit weiteren Studienergebnissen.

Schlagworte zum Thema:  Datenschutz, Digitalisierung, Strategie, Recruiting, Active Sourcing, Cloud

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