Corporate Influencer

Warum Unternehmen Corporate Influencer unterschätzen


Corporate Influencer für Recruiting und Employer Branding

Menschen folgen Menschen, nicht Logos. Diese Erkenntnis ist essenziell für das Employer Branding. Doch nur wenige Unternehmen nutzen die Chance, Mitarbeitende als Corporate Influencer aufzubauen und Einblicke ins Unternehmen geben zu lassen. Das ist beim Corporate Influencing zu beachten.

Während Arbeitgeber Unsummen in perfekt inszenierte Kampagnen investieren, zeigen Studien, dass authentische Stimmen aus dem Unternehmen eine weit größere Wirkung bei potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern entfalten. Denn diese wollen wissen, wie es wirklich ist, dort zu arbeiten – nicht, wie es im Hochglanz-Werbevideo aussieht. Wer offen zeigt, warum sein Job Spaß macht, hat einen direkten Einfluss auf die Außenwirkung des Unternehmens. Trotzdem nutzen nur wenige Firmen diese Möglichkeit, teils aus Unsicherheit, teils aus Angst vor Kontrollverlust. Dabei geht es genau darum: echte Menschen, echte Einblicke, echte Wirkung.

Warum Corporate Influencer unverzichtbar sind

Corporate Influencer sind weit mehr als ein kurzfristiger Trend – sie sind ein entscheidender Gamechanger für Recruiting, Employer Branding und Talentbindung. 92 Prozent der Menschen vertrauen persönlichen Empfehlungen mehr als klassischen Unternehmensbotschaften, ermittelte das Edelman Trust Barometer. Und rund 76 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber informieren sich laut Glassdoor über die Mitarbeitenden eines Unternehmens, bevor sie sich bewerben. Linkedin-Studien zeigen zudem, dass Mitarbeiter-Posts bis zu achtmal mehr Engagement generieren als offizielle Unternehmensbeiträge. Wer dieses Potenzial nutzt, verbessert die Sichtbarkeit als Arbeitgeber und stärkt das Vertrauen in die eigene Arbeitgebermarke.

Wer eignet sich als Corporate Influencer?

Corporate Influencing wird oft schlicht mit der Sichtbarkeit des Managements gleichgesetzt. Doch das greift zu kurz. Im Gegenteil: Die authentischsten Stimmen kommen oft von ganz normalen Mitarbeitenden. Junge Talente, die gerade ins Berufsleben starten, sind unschlagbar als Botschafter für Ausbildungs- und Nachwuchsprogramme. Sie sprechen ihre Zielgruppe auf Augenhöhe an und wirken unverfälscht. Fachkräfte können ihre Expertise und von ihnen umgesetzte Projekte teilen und damit neue Talente anziehen. Besonders spannend sind Mitarbeitende, die sich mit wichtigen Themen wie Nachhaltigkeit, Diversity oder Innovation identifizieren. Sie verleihen diesen Werten ein Gesicht und verbinden sie gleichzeitig automatisch mit dem Unternehmen. Dabei bringen sie eine Authentizität mit, die keine PR-Kampagne ersetzen kann.

Unternehmen wie SAP oder die Deutsche Telekom haben das bereits erkannt. Sie setzen gezielt auf diese Vielfalt an Stimmen. Die Telekom nutzt beispielsweise ihre Azubis als Corporate Influencer, um junge Talente anzusprechen – mit messbarem Erfolg: mehr Bewerbungen, ein frischeres Arbeitgeberimage und eine engere Bindung zur jungen Zielgruppe. Auch Agenturen setzen auf Corporate Influencer, um relevante Branchentrends zu vermitteln. Bei Intermate beispielsweise teilen Mitarbeitende regelmäßig Insights zu Social-Media-Strategien und Entwicklungen in der digitalen Kommunikation. Dabei geht es nicht um klassische Unternehmenswerbung, sondern um praxisnahe Einblicke, die andere Fachleute sowie potenzielle Bewerberinnen und Bewerber ansprechen.

Mitarbeitende für Corporate Influencing gewinnen

Corporate Influencing muss nicht bedeuten, dass einzelne Mitarbeitende allein für sich posten. Unternehmen können interne Netzwerke für Corporate Influencer aufbauen, in denen sich engagierte Mitarbeitende austauschen, voneinander lernen und gemeinsam Strategien entwickeln. Bosch hat zum Beispiel ein Corporate-Influencer-Programm mit über 100 Mitarbeitenden etabliert, die regelmäßig Best Practices teilen und gezielt Inhalte zu ihrer Arbeit und Unternehmenskultur erstellen.

Was Unternehmen aber nicht vergessen dürfen: Corporate Influencing funktioniert nicht auf Knopfdruck. Es kann nicht angeordnet werden, sondern muss organisch wachsen. Social-Media-Workshops und Best Practices helfen, Hemmschwellen abzubauen, während lockere Leitplanken Orientierung geben, ohne Kreativität zu ersticken. Ein entscheidender Faktor sind Vorbilder im Unternehmen. Wenn Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen, trauen sich auch andere, ihre Geschichten zu teilen.

Viele Mitarbeitende stehen jedoch vor der Frage: "Was soll ich überhaupt posten?" KI-gestützte Tools können hier helfen, indem sie Ideen liefern, Texte vorschlagen oder Social-Media-Analysen bereitstellen. Unternehmen wie Siemens und Intermate testen bereits solche Content-Assistenz-Tools, die Mitarbeitenden helfen, ihre Gedanken zu strukturieren und relevante Inhalte für die Zielgruppe zu optimieren.

Über Linkedin hinausdenken

Darüber hinaus sollte sich Corporate Influencing nicht nur auf ein Netzwerk beschränken: Linkedin ist zwar die führende Plattform für Business-Content, aber besonders für jüngere Zielgruppen spielen andere Kanäle eine wichtigere Rolle. Die Deutsche Bahn setzt zum Beispiel auf Tiktok, um Azubis als Corporate Influencer einzubinden. Die kurzen, unterhaltsamen Videos geben einen authentischen Einblick in den Arbeitsalltag und kommen bei jungen Talenten sehr gut an. Otto nutzt Instagram-Reels und Youtube, um Mitarbeitende aus unterschiedlichen Bereichen ihre Arbeit vorstellen zu lassen – locker, nahbar und ohne PR-Sprache. Siemens betreibt einen eigenen Podcast, in dem Mitarbeitende aus verschiedenen Abteilungen über Innovationen und Karrieremöglichkeiten sprechen. Die Beispiele zeigen: Die Möglichkeiten sind in diesem Bereich vielfältiger, als die meisten Unternehmen momentan zu wissen scheinen.

Auch ein spielerischer Ansatz kann die Motivation von Corporate Influencern steigern und mehr kreative Inhalte hervorbringen. So startete DHL eine Social-Media-Challenge für Mitarbeitende, bei der sie den Arbeitsalltag in kurzen Clips auf Instagram und Tiktok zeigen konnten. Die besten Beiträge wurden prämiert – und gleichzeitig bekam DHL authentischen Content für das Employer Branding. Siemens Energy organisierte eine interne Storytelling-Challenge, bei der Mitarbeitende persönliche Geschichten über ihre Karriere teilten.

Mit Vertrauen statt Kontrolle das Recruiting boosten

Corporate Influencer sind nicht nur gut fürs Image. Sie können auch aktiv dabei helfen, offene Stellen zu besetzen. Klassische Stellenanzeigen klingen oft austauschbar und wenig inspirierend. Doch wenn eine Mitarbeiterin erzählt, warum sie ihren Job liebt, wird dieser sofort greifbarer. Mitarbeitende können Stellenangebote nicht nur teilen, sondern durch persönliche Geschichten ergänzen. Sie können Einblicke in den Arbeitsalltag geben, Team-Videos posten oder in Live-Q&A-Sessions auf Linkedin oder Instagram direkt mit Interessierten sprechen.

Viele Unternehmen zögern noch, weil sie befürchten, die Kontrolle über ihre Außenkommunikation zu verlieren. Doch wer Corporate Influencer in ein starres Regelwerk zwingt, zerstört genau das, was sie wertvoll macht – ihre Authentizität. Mitarbeitenden sollte man zutrauen, verantwortungsvoll mit ihrer Rolle umzugehen.

Corporate Influencer für mehr Glaubwürdigkeit

Corporate Influencer sind kein optionales Nice-to-have, sondern ein echter Hebel für erfolgreiches Employer Branding und Recruiting. Unternehmen, die ihre Mitarbeitenden dazu ermutigen, sichtbar zu werden, gewinnen nicht nur mehr Reichweite, sondern auch mehr Glaubwürdigkeit. Die Wirkung geht weit über Imagepflege hinaus – sie beeinflusst direkt die Unternehmenskultur, das Recruiting und letztendlich den Unternehmenserfolg. Denn am Ende zählt nicht, wie perfekt eine Marke sich inszeniert, sondern wie echt sie für potenzielle Mitarbeitende wirkt.


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