Business Schools: Kein Preisnachlass trotz Corona-Krise

Aufgrund der Corona-Krise laufen viele MBA-Programme nur online – wichtige Vor-Ort-Erfahrungen entfallen. Deshalb forderten Studenten bei den Business Schools eine Senkung der Studiengebühren. Statt eines Preisnachlasses lockt jedoch allenfalls die Aussicht, den Studienstart verschieben zu können.

Angehende MBA-Studenten machen sich angesichts der Auswirkungen der Corona-Pandemie Gedanken, ob die vorerst auf Online-Angebote reduzierten MBA-Programme ihr Geld wirklich wert sind. Am 27. März 2020 befragte das MBA-Portal Poets & Quants (P&Q) rund 800 Studierende, Bewerber und zugelassene Studienanwärter von Top-MBA-Programmen. Demnach finden 43 Prozent der mehr als 300 befragten Zugelassenen, dass die Studiengebühren um durchschnittlich 37,5 Prozent gesenkt werden sollten, wenn der erste Teil ihres MBA-Programms aufgrund der Pandemie nur im Internet läuft. Etwa ein Drittel geben an, dass sie ihre Aufnahme in diesem Jahr möglicherweise verschieben wollen, wenn die Klassen im Herbst nicht auf den Campus zurückkehren.

MBA-Studenten fordern Preissenkungen

Viele Business Schools haben Gesuche der Studierenden erhalten, die Gebühren zu senken.  An der Stanford Graduate School of Business etwa fordern 80 Prozent der Studenten in einer Petition, die mehr als 750 Unterschriften erhalten hat, einen 80-prozentigen Rabatt für das Frühjahrssemester. In Wharton haben fast 1.000 Studenten eine solche Bittschrift unterzeichnet.

Mitte April haben sich auch die Studierenden der Harvard Business School (HBS) der wachsenden Welle an Forderungen nach einem Nachlass der Studiengebühren für MBA-Klassen angeschlossen. Auch sie sind der Meinung, dass Fernunterricht kein Ersatz für eine vollständig immersive Erfahrung auf dem Campus ist, für die sie jährlich mehr als 70.00 Dollar Studiengebühren zahlen müssen. Das einzigartige Lernmodell der HBS lasse sich nicht einfach auf Zoom-Calls übertragen.

Business Schools reagieren verhalten

Die Business Schools haben jedoch bisher nicht mit Preisnachlässen auf die Forderungen reagiert. Die HBS hat die Rückerstattung von Studiengebühren abgelehnt und dafür in einer E-Mail vom 24. April 2020 an die Studienanwärter angekündigt, dass sie ihnen einen Aufschub anbieten wird, falls sie aufgrund der Pandemie nicht an Herbstkursen teilnehmen möchten. Dahinter steckt vermutlich das Kalkül, dass Studierende, die sich für einen Start im Herbst entscheiden, somit die Bedingungen und die regulären Preise implizit akzeptieren. Im Zeitfenster vom 15. Mai bis 1. Juni 2020 können die zugelassenen Bewerber einen Aufschub beantragen, sodass ihr Vollzeit-MBA-Programm nicht in diesem Herbst, sondern 2021 oder noch später beginnen kann.

Die Sache hat also einen kleinen Haken: Ein Start in 2021 ist nicht garantiert. Wenn die Studienwilligen Pech haben und sehr viele Studienanfänger verschieben, könnten sie erst 2022 zum Zug kommen. Die Entscheidung ist auch deshalb für die Neueinsteiger nicht leicht, da die HBS noch nicht entschieden hat, ob es im Herbstsemester online oder doch im Klassenzimmer weitergeht. Spannend dürfte auch werden, ob andere Business Schools, die nicht über die Ausstattung und Finanzkraft der HBS verfügen, dem Beispiel folgen. Das Newsportals P&Q hat dazu einen umfassenden Bericht über die Entscheidungen anderer Elite-Business-Schulen angekündigt.


Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Business School hält, was sie verspricht?

Der MBA und die Kosten: Investition in die Karriere

MBA-Programme 2020/2021: Entwicklungen und Angebote

Schlagworte zum Thema:  MBA, Studium