12.04.2017 | BGM-Strategie

Schluss mit der Augenwischerei im Gesundheitsmanagement

Kleinteilige Einzelmaßnahmen bilden noch kein betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Das gelingt nur mit einer auf das Unternehmen abgestimmten Strategie.
Bild: Corbis

Vor zu kurzfristigen Maßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) warnen Experten der der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Sie empfehlen, BGM zunächst als Projekt einzuführen und dann stufenweise weiterzuentwickeln.

In den nächsten fünf Jahren wird die Bedeutung von BGM stark ansteigen – davon zeigten sich 95 Prozent der von der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHFPG) befragten Personalverantwortlichen überzeugt. Auch stehen immer häufiger Maßnahmen zur Förderung der Mitarbeitergesundheit oder sogar der Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements auf der Agenda der Personalverantwortlichen. Ein genauer Blick auf die Maßnahmen, die unter dem Schlagwort “BGM“ angeboten werden, zeigt jedoch, dass diese einem echten Gesundheitsmanagement noch lange nicht entsprechen.

Vereinzelte Präventionsangebote sind kein BGM

Gerade in kleinen und mittleren Betrieben beschränken sich die Maßnahmen oft nur auf vereinzelte Gesundheitstage, Präventionsangebote wie Rückenschulen oder die Teilnahme an Laufveranstaltungen. Der schnell gewachsene Anbietermarkt, der Unternehmen mit Gesundheitsangeboten ganz unterschiedlicher Qualität überflutet, tut ein Übriges.

„Gerne steigen die Betriebe über ein solches Angebot von verhaltenspräventiven Maßnahmen in das BGM ein, ganz nach dem Motto ‚Wir machen einfach mal‘. Hierbei steht aber entweder zu wenig Verständnis oder alleine der Wunsch, sich als sozialer und um die Mitarbeiter bemühter Arbeitgeber zu generieren, im Vordergrund.“ erklärt Oliver Walle, BGM-Berater und Dozent an der DHFPG. Effektives und nachhaltiges BGM, das betonen Gesundheitsexperten wie Unternehmensberater, erfordert jedoch eine andere Vorgehensweise und spezifische Maßnahmen, die auf das Unternehmen zugeschnitten sind.


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Einstieg ins BGM: Analyse und prozessorientiere, Strategiefindung

Für den Einstieg in ein BGM wird grundsätzlich ein idealtypischer Aufbau empfohlen, welcher prozessorientiert gestaltet werden soll, sich an Zielen orientiert und nach einer Analysephase zielgerichtete Maßnahmen beinhaltet. Kernstück zur Findung einer auf die spezifischen Unternehmensziele ausgerichteten Strategie ist dabei eine Status Quo-Erhebung

„Dies sollte idealerweise im Rahmen eines Strategietages erfolgen, bei dem zunächst geprüft wird, welche Ziele und strategische Ausrichtung das Thema ‚Gesundheit im Betrieb‘ haben soll“, erklärt Walle. Als praktikablen Weg zum Einstieg in ein BGM empfiehlt er, BGM zunächst als Projekt - quasi zum Testen - einzuführen.

Ein Beispiel für die Gestaltung eines solchen Projektes liefert das Sechs-Phasen-Modell der DHFPG, das folgende Schritte beinhaltet:

  1. Bedarfsbestimmung
    • Diskussion Bedarf und Festlegung Ziele
    • Bildung Arbeitsgruppe, Konzeptionierung BGM, Festlegung weiterer Schritte
  2. Analysen
    • Ermittlung Status Quo Gesundheitssituation, Belastungen, et cetera
  3. Interventionsplanung
    • Festlegung zielführender Maßnahmen auf Basis der Analyseergebnisse
  4. Interventionen (Maßnahmen)
    • Durchführung von Maßnahmen zur Verhaltens- und Verhältnisprävention
  5. Evaluation
    • Bewertung der Maßnahmen und des Projekts
    • Ende der Projektphase und Klärung Weiterführung BGM
  6. Nachhaltigkeit
    • Weiterentwicklung BGM zu einem auf Dauer angelegten System

Durch diese Vorgehensweise bei der Einführung eines BGM in dieser Form könnten, so Walle, in der Evaluationsphase auch sichere Entscheidungen für die Weiterführung und somit auch Weiterentwicklung des BGM getroffen werden. Unternehmen sammeln bei einer prozessorientierten Vorgehensweise, die deutlich länger dauert als die Durchführung eines Gesundheitstages oder eines Präventionskurses, Erfahrungen, die ebenso in die Bewertung des Projektes einfließen wie Vorher-Nachher-Vergleiche von Befragungen oder Krankenständen. Die Erfahrungen schließen harte Fakten wie Kosten und Ressourcenbedarf, das Erleben des gesamten Projektes als rein subjektive Meinung und den Umgang mit den Themen Gesundheit und Krankheit im betrieblichen Kontext mit ein.

 

Seminartipp: Praxistipps und weitere Informationen zur Einführung eines BGM im Unternehmen erhalten Sie im Mai und Juni in den Kurz-Seminaren „Praxiswissen BGM. Erfolgreiche Gestaltung eines BGM im Unternehmen“ der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement. Informationen zu den Terminen und Veranstaltungsorten finden Sie unter www.dhfpg.de

Schlagworte zum Thema:  Betriebliches Gesundheitsmanagement, Prävention

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