26.09.2016 | Unternehmenskultur

"Die Arbeit besser gestalten"

Wie die Arbeitsumgebung die Unternehmenskultur stärken kann, erklärt die Personalchefin der Adidas Gruppe im Interview.
Bild: Adidas Group

Im Juli legte Adidas den Grundstein für zwei neue Firmengebäude, deren Architektur und Ausstattung die Unternehmenskultur widerspiegeln sollen. Karen Parkin, Personalchefin bei Adidas, erläutert im Interview, wie Arbeitsplatzattraktivität und Unternehmenserfolg zusammenhängen.

Personalmagazin: Frau Parkin, auf dem Campus "World of Sports" in Herzogenaurach bieten Sie ein kreatives Arbeitsumfeld. Inwiefern tragen die neuen Gebäude zu mehr Kreativität und Leistung bei?
Karen Parkin: Wir haben einen ehrgeizigen, aber realistischen Geschäftsplan, der den Grundstein für ein beschleunigtes Umsatz- und Gewinnwachstum bis 2020 legt. Um diesen Plan zu erfüllen, brauchen wir auch das passende Umfeld. Wir wollen alle Mitarbeiter dazu ermuntern, kreativ und innovativ zu sein und eine Kultur zu leben, die durch Kollaboration, Kompetenz und Kreativität geprägt ist. Mit unseren neuen Gebäuden unterstützen wir diese Kultur. Um beispielsweise die Zusammenarbeit zu fördern, brauchen wir Räumlichkeiten, die ein offenes Klima bieten, die Mitarbeitern unkomplizierte Treffen ermöglichen und die Beschäftigten inspirieren. Natürlich müssen die Räumlichkeiten auch den alltäglichen Arbeitsanforderungen gerecht werden.

Personalmagazin: Was ist die Besonderheit Ihrer Arbeitsplätze?

Parkin: Alles bei Adidas hat seinen Ursprung im Sport. Unsere Liebe zum Sport bestimmt, wer wir sind und was wir tun. Die Besonderheit der Arbeitsumgebung, die wir kreieren wollen, ist daher – abgesehen von Kollaboration, Kompetenz und Kreativität – auch Sport in den Arbeitsalltag zu integrieren, mit entsprechenden Möglichkeiten in- und außerhalb der Gebäude. So ist der Eingang des neuen Bürogebäudes "Arena" wie ein Spielertunnel konzipiert. Im Erdgeschoss stehen Umkleideräume zur Verfügung, von denen aus die Mitarbeiter direkt auf die Laufstrecke gehen können. Die Gebäude werden durch verschiedenfarbige Wege, sogenannte Sterne, verbunden, die auch als Treffpunkte für Meetings und Sportaktivitäten genutzt werden können.

Click to tweet

Personalmagazin: Wer auf einem Sportplatz steht, ist noch kein Sportler. Wer in einem Kreativraum arbeitet, ist noch kein kreativer Mitarbeiter.
Parkin: Es genügt natürlich nicht, nur kreative Räumlichkeiten zu schaffen, sondern es gilt auch, einen "Working Spirit" zu kreieren. Hierzu müssen wir wissen, wie die Menschen in dieser Arbeitsumgebung arbeiten und wie wir ihnen helfen können, die Räumlichkeiten am besten zu nutzen. Die technische Seite ist das eine. Wir haben zum Beispiel weiße Wände, die beschrieben werden können und auf denen Mitarbeiter ihren Kollegen Nachrichten hinterlassen können. Die andere Seite ist die Kultur, die sie dazu ermuntert, die Technik oder die Sportmöglichkeiten zu nutzen. Es geht darum, die Mitarbeiter von ihrem aktuellen Standort zu der Reise, auf die wir sie mitnehmen wollen, zu transferieren. Das hat in erster Linie mit Leadership, Coaching und Mentoring zu tun.

Personalmagazin: 2015 sind 300 Mitarbeiter aus dem Bereich Brand Management in ein neues Bürogebäude gezogen, um dort auf drei Ebenen verschiedene Arbeitsplatzkonzepte zu testen. Wie sind diese Test-Arbeitsplätze gestaltet?

Parkin: Das Gebäude namens "Pitch" enthält drei verschiedene Arbeitsumgebungen, mit denen Mobile Working und Work-Life-Balance unterstützt werden sollen. Drei der weltbesten Büromöbelhersteller haben jeweils ein Stockwerk im "Pitch" mit ihren Premiumprodukten eingerichtet. Hier testen wir, welches Mobiliar geeignet ist, wie viele Besprechungsräume, gemeinschaftliche Arbeitsräume und Teeküchen ideal sind. Hierbei haben wir nicht vorgegeben, wer auf welcher Etage arbeitet. Die Mitarbeiter, die in das Gebäude gezogen sind, waren dazu eingeladen, alles gründlich zu testen. Was sie ablehnen, wird verworfen. Was sie wertschätzen, benötigen und wollen, wird schließlich in allen Standorten der Adidas Gruppe umgesetzt. Sie konnten uns jederzeit mitteilen, was gut funktioniert und was nicht. Es war uns sehr wichtig, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die zu unseren Mitarbeitern passt. Das Signal an die Beschäftigten ist: Wir hören auf euch und setzen das in die Tat um. In Zukunft wollen wir das auch auf andere Standorte ausweiten. 

Sport ist ein zentraler Aspekt in der Firmenkultur von Adidas. Das zeigt sich beim Eingang, der als „Spielertunnel“ konzipiert ist.
Bild: Adidas Group

Personalmagazin: In welcher Form konnten die Mitarbeiter ihr Feedback abgeben?
Parkin: Feedback wird kontinuierlich über Workshops, persönliche Interviews sowie über Feedback-Boxen und über eine Online-Plattform eingeholt. Wir haben auch eine App entwickelt, die es jedem möglichst einfach macht, seine Meinung mitzuteilen – rund um die Uhr. Jedes Möbelstück, jeder Meeting-Raum und jede Teeküche war mit einem QR-Code ausgestattet, den sie mit der App erfassen konnten.

Personalmagazin: Fanden sich unter den Rückmeldungen auch Überraschungen?
Parkin: Die Überraschung war, wie schnell sich die Mitarbeiter an die neue Arbeitsumgebung anpassten. Anfangs hatten wir einige Überzeugungsarbeit zu leisten, um die beteiligten Personen in das neue Gebäude zu transferieren. Deshalb hatte ich erwartet, dass sie ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Einrichtungen nur zögerlich mitteilen würden. Aber das war nicht der Fall. Sie äußerten viele Vorschläge, wie wir die Arbeit noch besser gestalten könnten.

Click to tweet

Personalmagazin: Wie Sie bereits gesagt haben, bestimmt Sport die Arbeit bei Adidas. Wie können die Mitarbeiter Sport, Arbeit und Familie integrieren?
Parkin: Jeder, der für unser Unternehmen arbeitet, sollte eine Leidenschaft für Sport haben. Wir ermutigen unsere Mitarbeiter, diese Leidenschaft in die Arbeit zu integrieren. Das heißt aber nicht, dass jeder regelmäßig auf die Laufstrecke gehen muss. Uns ist es vielmehr wichtig, eine Umgebung zu schaffen, die es erlaubt, Sport auszuüben. Das wird nicht nur durch Einrichtungen und Räumlichkeiten ermöglicht, sondern auch durch flexible Arbeitszeiten und Modelle zur Work-Life-Integration. Wenn ich aus dem Fenster blicke und sehe, wie Mitarbeiter Tennis spielen, finde ich das toll. Bei uns kann jeder selbst entscheiden, wann er am produktivsten ist und wie er Sport in seinen Arbeitsalltag integrieren möchte. Manche gehen vor dem Arbeitsbeginn in den Fitnessraum, andere nutzen lieber die Mittagspause für eine Yogastunde, um mal abzuschalten. Wir ermuntern unsere Mitarbeiter, das zu tun, was für sie richtig ist.

Click to tweet

Personalmagazin: Bürokonzept und Work-Life-Balance sind die eine Seite, damit Mitarbeiter zufrieden, kreativ und produktiv ihrer Arbeit nachgehen können. Die andere Seite macht die Unternehmens- und Führungskultur aus.
Parkin: Die Kultur ist der wichtigste Faktor, der darüber entscheidet, ob ein Unternehmen erfolgreich ist oder nicht. Die Unternehmenskultur steht an erster Stelle, weil die Talente sich aussuchen, in welchem Unternehmen und in welcher Umgebung sie arbeiten wollen. Es ist wichtig, dass sich HR über die eigene Kultur klar ist und dass die Personaler diese an die Kandidaten, die sie ansprechen wollen, auch dementsprechend vermitteln. Denn wenn neue Mitarbeiter im Unternehmen nicht die erwartete Kultur vorfinden, werden sie sich nicht wohlfühlen und die Reise nicht mitgehen.

Click to tweet

Personalmagazin: Was machen Sie, um die Führungskultur zu unterstützen?
Parkin: Aus meiner Perspektive gilt es sicherzustellen, dass wir unsere Rollenvorbilder – unsere Führungskräfte – dazu befähigen, die Mitarbeiter zu begeistern. Unsere Kultur der Kollaboration, Kompetenz und Kreativität muss von den Führungskräften vorgelebt werden. Durch Coaching und Mentoring unterstützen wir unsere Führungskräfte, diese Kultur auch authentisch zu leben und entsprechend Vorbild zu sein. Alle unsere Führungskräfte lieben und leben Sport und glauben an Kollaboration, Kompetenz und Kreativität.

Spontane Ideen können die Mitarbeiter im "Pitch" direkt auf den Wänden und Böden notieren.
Bild: Adidas Group

Personalmagazin: Herzogenaurach, der Hauptsitz Ihres Unternehmens, ist als Arbeitsort vermutlich nicht so attraktiv wie Berlin, München oder Köln. Ist es schwierig, qualifizierte Mitarbeiter – auch internationale Talente – für Herzogenaurach zu rekrutieren?
Parkin: Nein, der Standort stellt kein Problem bei der Mitarbeitersuche dar. Denn wir rekrutieren Menschen nicht für Herzogenaurach, sondern rekrutieren Talente für globale Karrieren. Wir sind ein globales Unternehmen mit weltweiten Niederlassungen und in fast jeder coolen Stadt vertreten. An unserem Hauptsitz in Deutschland arbeiten mehr als 4.500 Mitarbeiter aus 80 Nationen und wir befinden uns in der Nähe von großen Städten wie München und Nürnberg. Allein für Herzogenaurach hatten wir im vergangenen Jahr mehrere Tausend Bewerbungen. So viele Stellen haben wir hier gar nicht zu besetzen.

Personalmagazin: Stellt Ihr Bürokonzept einen wichtigen Faktor für Ihr Personalmarketing und Recruiting dar?
Parkin: Ja, denn für mich symbolisiert das unsere Kultur. Die Arbeitsumgebung stärkt die Kultur. Wenn ich eine Kultur der Kollaboration habe, muss die Arbeitsumgebung die Zusammenarbeit der Mitarbeiter unterstützen. Unsere Gebäude ermöglichen das. Sie sind hell und transparent und erlauben es den Mitarbeitern, ihren Sport auszuüben.  


Karen Parkin ist seit November 2014 Personalchefin der Adidas Gruppe. Die Engländerin mit Lehramts-Ausbildung startete 1997 ihre Karriere im Unternehmen als Vertriebsdirektorin bei Adidas UK.

Das Interview führte Daniela Furkel.


Hinweis: Dieses Interview ist ein Auszug aus Ausgabe 10/16 des Personalmagazins. In der Ausgabe als Smartphone- und Tablet-App, die Sie  hier herunterladen können, finden Sie auch eine Bildergalerie mit Einblicken in den neuen Adidas-Standort.

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsplatz, Unternehmenskultur, Arbeitgeberattraktivität, Work-Life-Balance, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Büro

Aktuell

Meistgelesen