19.06.2015 | Arbeitsmarkt

Forscher drängen zur Integration von Flüchtlingen

Die Grenze um den Arbeitsmarkt scheint oft enger gezogen zu sein als die Landesgrenze.
Bild: Haufe Online Redaktion

Während Firmen Fachkräfte im Ausland rekrutieren, erhalten gut ausgebildete Asylbewerber keine Arbeitsgenehmigung. Das prangern Arbeitsmarktforscher an und fordern die Politiker auf, dies zu ändern. Mit den Plänen der Bundesarbeitsministerin gehen sie dabei offenbar konform.

Die Arbeitsmarktforscher setzen sich für niedrigere Jobhürden für Flüchtlinge ein. So sollten Asylbewerber, die kaum Aussichten auf eine Anerkennung als politische Flüchtlinge haben, wenigstens als Arbeitsmigrant in Deutschland bleiben dürfen, rät das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in einer gerade veröffentlichten Studie. Dies werden in Schweden bereits erfolgreich erprobt, betonte das Institut der Bundesagentur für Arbeit.

Nach Vorstellung der Arbeitsmarktforscher sollten Behörden bereits vor der Eröffnung eines Asylverfahrens prüfen, ob ein zunächst als Asylbewerber nach Deutschland eingereister, gut ausgebildeter Ausländer womöglich als Arbeitsmigrant größere Aussichten hat, in Deutschland bleiben zu können. Das würde nicht nur die deutschen Asylbehörden, sondern auch die Sozialkassen entlasten.

Schnellere Anerkennung und Vermittlung in den Job

Politisch verfolgte Asylbewerber wiederum sollten nach IAB-Vorstellung von den Behörden schneller anerkannt werden. Zwar dürften Asylbewerber seit Ende 2015 bereits nach dreimonatigem Aufenthalt in Deutschland einer Arbeit nachgehen. Ohne die Rechtssicherheit, länger in Deutschland bleiben zu dürfen, hätten die Betroffenen aber nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Auch sollten Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge verpflichtend werden. Gute Deutschkenntnisse seien eine Schlüsselqualifikation für eine erfolgreiche Integration von Zuwandern in den deutschen Arbeitsmarkt, betonen die IAB-Forscher.

Forscher widerlegen Risiko des Lohndumpings

Zugleich widersprach das IAB Befürchtungen, die wachsende Zahl arbeitssuchender Asylbewerber könnte zu einem Lohndumping und wachsender Arbeitslosigkeit in Deutschland führen. Unter der Annahme, dass 2015 und 2016 zusammen 220.000 Asylbewerber im erwerbsfähigen Alter zuwanderten, würde die Arbeitslosigkeit nur "marginal" um 0,15 Prozentpunkte steigen, das Lohnniveau um 0,07 Prozent fallen. Diese Prognose unterstelle allerdings, dass 20 Prozent der Asylbewerber über einen Hochschulabschluss, 20 Prozent über einen mittleren Bildungsabschluss verfügten, wie Studien nahelegten.

Nahles unterstützt frühe Integration in den Arbeitsmarkt

Die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) untersützt die Forscher: Sie pocht auf mehr Geld für Sprachförderung und Arbeitsvermittlung von Flüchtlingen. "Die Menschen, die zu uns kommen und Anspruch auf unseren Schutz haben, sollen möglichst schnell in Deutschland Arbeit finden und sich so ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können", sagte Nahles der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Flüchtlinge sollten möglichst sofort Deutsch-Grundkenntnisse erwerben können. Mehr Mittel seien auch für die berufsbezogene Sprachförderung nötig. "Und auch die erhöhten Anstrengungen der Jobcenter müssen wir mit Eingliederungsmitteln hinterlegen", so Nahles. "Je früher wir ansetzen, desto besser", sagte die Ministerin. "Wenn wir nicht gleich zu Beginn in den guten Start am Arbeitsmarkt investieren, so zahlen wir später doppelt."

Schlagworte zum Thema:  Arbeitsmarkt, Recruiting, Fachkräftemangel

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