| Steuerfreie Arbeitgebererstattung

Reisekostenerstattung bei Aus- und Fortbildung

Fortbildung zahlt sich aus - auch finanziell
Bild: Haufe Online Redaktion

Der Bundesfinanzhof bestätigt seine einschränkende Rechtsprechung zum Arbeitsstättenbegriff und erweitert damit die Möglichkeiten für den Reisekostenersatz bei Aus- und Fortbildungsmaßnahmen.

Aufwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte sind nur in Höhe der Entfernungspauschale als Werbungskosten abziehbar - derzeit 0,30 EUR je Entfernungskilometer. Fahrtkostenzuschüsse für die Fahrten zur regelmäßigen Arbeitsstätte können bis zur Höhe der Entfernungspauschale pauschal mit 15 % lohnversteuert werden - eine steuerfreie Arbeitgebererstattung kommt für diese Fahrten jedoch nicht in Betracht.

Nur noch eine regelmäßige Arbeitsstätte

In den vergangenen Jahren hat der BFH den Begriff der regelmäßigen Arbeitsstätte stark eingeschränkt: In seinen Urteilen vom 9. Juni 2011 (VI R 55/10, VI R 36/10 und VI R 58/09 - BStBl 2012 II S. 38, 36 und 34) hat er entschieden, dass ein Arbeitnehmer höchstens eine regelmäßige Arbeitsstätte je Arbeitsverhältnis innehaben kann. 

Fortbildungsstätte keine regelmäßige Arbeitsstätte

Aus- und Fortbildungseinrichtungen können praktisch nie mehr zur regelmäßigen Arbeitsstätte werden. Eine vom Arbeitnehmer besuchte arbeitgeberfremde Bildungseinrichtung stellt nach der Rechtsprechung des BFH keine regelmäßige Arbeitsstätte dar - unabhängig davon, ob die Bildungsmaßnahme die volle Arbeitszeit des Steuerpflichtigen in Anspruch nimmt oder neben einer Voll- oder Teilzeitbeschäftigung ausgeübt wird (BFH, Urteile vom 9. Februar 2012, VI R 44/10 und VI R 42/11 - noch nicht amtlich im Bundessteuerblatt veröffentlicht).

Diese Auffassung hat der BFH in einem aktuellen Urteil bestätigt (BFH, Urteil vom 22. November 2012, III R 64/11). Auch die Finanzverwaltung wird sich dieser Auffassung zukünftig kaum noch verweigern können. 

Steuerzahlerfreundliche BFH-Rechtsprechung

Findet die Aus- oder Fortbildung im Rahmen eines Dienstverhältnisses statt, kann der Arbeitgeber für die Fahrten zur Bildungsstätte steuerfreie Reisekosten erstatten:

  • Fahrtkosten in Höhe von 0,30 EUR pro gefahrenen Kilometer (also doppelt so hoch, wie die Entfernungspauschale),

  • Verpflegungspauschalen bei mindestens achtstündiger Abwesenheit sowie ggf.

  • die tatsächlichen Übernachtungskosten oder den Übernachtungspauschbetrag.

Falls der Arbeitgeber die Kosten nicht ersetzen will, kann der betroffene Arbeitnehmer diese in seiner Steuererklärung als Werbungkosten abziehen. 

Ausblick

Im Rahmen des Reisekostenreform 2014, die zum 1.1.2014 in Kraft treten soll, ist geplant, dass als erste Tätigkeitsstätte (gleichbedeutend mit regelmäßiger Arbeitsstätte) auch eine Bildungseinrichtung gilt, die außerhalb eines Dienstverhältnisses zum Zwecke eines Vollzeitstudiums oder einer vollzeitigen Bildungsmaßnahme aufgesucht wird.

Fraglich ist schon jetzt, ob dies auch für ein nebenberufliches Studium gilt.

Schlagworte zum Thema:  Reisekosten, Arbeitgebererstattung, Regelmäßige Arbeitsstätte

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